Professor referiert beim Technologietag

„Kollege Maschine“ handelt selbst

+
Faszination Digitalisierung: (v.l.) Sven Mörker (Wirtschaftsförderung), Professor Oliver Thomas, Günter Klingenberg (Wirtschaftsförderung), Heinfried Schumacher und Landrat Cord Bockhop.

Neubruchhausen - „Wow – was kommt da alles auf uns zu?“ Heinfried Schumacher, stellvertretender Vorsitzender der Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Landkreis Diepholz, zeigte sich fasziniert von den Fakten, die Professor Oliver Thomas den Teilnehmern am Technologietag in Neubruchhausen vorgetragen hatte.

Auch wenn der Professor Möglichkeiten und Realitäten nüchtern und emotionslos präsentierte, so öffnete der Wissenschaftler aus Osnabrück seinen Zuhörern im Hotel „Zur Post“ doch die Tür zu einer faszinierenden Welt der ungeahnten Möglichkeiten – virtuell, und das im Wortsinn. Denn der Schlüssel zu dieser neuen Welt, in der Maschinen zu Kollegen werden und selbstständig handeln, ist die Digitalisierung.

„Digitalisierung ist selbstverständlich. Alle Lebensbereiche sind davon durchwandert und keiner kann sich entziehen – nicht einmal im privaten Bereich“, schickte Landrat Cord Bockhop dem Vortrag vorweg.

Industrie 4.0? Davon haben 82 Prozent aller Bundesbürger noch nichts gehört, erläuterte Professor Thomas. Genauso kryptisch mögen vielen Begriffe wie hybride Wertschöpfung oder Smart- Services erscheinen. Doch genau sie sind es, die Realitäten in der Wirtschaftswelt nachhaltig verändern, attraktive Produktionskosten-Senkungen ermöglichen und selbst Ungeschulte zu Fachleuten in der Handwerkstechnik machen können: Eine digitale Revolution, die längst begonnen hat. Nicht nur, weil der Internet-Handelsriese Amazon schon 15.000 Lager-Roboter im Einsatz hat, die Regale selbsttätig anfahren und dadurch die Produktivität eines Lagerarbeiters um das Drei- bis Vierfache steigern. Vor allem aber, weil die Wirtschaft auf dem Weg zur „sozialen Maschine“ ist. Professor Thomas stellte seinen staunenden Zuhörern das industrielle Internet vor, in dem sich Maschinen selbst vernetzen – und so den Transportweg eines Produkts aus Übersee von der Verladung über das Schiff und den Weitertransport mit der Bahn selbsttätig organisieren: Der Mensch hat sie so programmiert. Und er hat den 3-D-Drucker geschaffen, mit dem zum Beispiel das Unternehmen Rolls Royce schon heute ein Triebwerk mit sage und schreibe 50 000 PS herstellt – und dadurch die Produktions-Durchlaufzeit um 30 Prozent gesenkt hat.

Der Landmaschinen-Konzern Amazone arbeitet bereits mit Smartglasses – einer Brille, die ihrem Träger in einem Film den Wechsel eines Ersatzteils erklärt. Die Folge: Fachmonteure sind nicht mehr notwendig und Fahrtstrecken überflüssig – was enorme Kosten spart. Der Professor zeigte sich überzeugt, dass sich Smartglasses ebenso durchsetzen wie VR-Brillen: Bildschirme vor der Stirn, mit denen sich Menschen ganz real in virtuellen Räumen bewegen können.

Mit der Universität Osnabrück arbeiten demnach bereits elf Unternehmen an Industrie 4.0-Projekten.

Und wie schnell wird sich diese Technik – auch durch den Technologie-Transfer – in der Wirtschaftswelt verbreiten? Das Wertschöpfungspotenzial von Unternehmen und Netzwerkern betrage 425 Milliarden Euro bis zum Jahr 2025 – allein in Deutschland, betonte der Professor.

„Die Auswirkungen der Digitalisierung sind extrem“, hatte er zuvor schon mit Blick auf die private Nutzung von Smartphones festgestellt. Einer Studie zufolge sind 65 Prozent aller deutschen Jugendlichen fast immer online. Selbst Eingeborene in Papua Neuguinea besitzen und bedienen Handys, obwohl sie weder lesen noch schreiben können. „Es hat sich eine eigene Sprache entwickelt“, so Thomas. - sdl

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Boule-Meisterschaft um den Mühlenteichpokal

Boule-Meisterschaft um den Mühlenteichpokal

Freaks and Folks, Fans and Friends - 55.000 feiern beim Deichbrand

Freaks and Folks, Fans and Friends - 55.000 feiern beim Deichbrand

"Cumhuriyet"-Prozess in Istanbul hat begonnen

"Cumhuriyet"-Prozess in Istanbul hat begonnen

Sommerpicknick in Asendorf

Sommerpicknick in Asendorf

Meistgelesene Artikel

Norwegischer Urlauber will Benzin holen und "tankt" beim Schützenfest in Stuhr

Norwegischer Urlauber will Benzin holen und "tankt" beim Schützenfest in Stuhr

Mächtiger Allrounder im Team - 300.000 Euro schwer

Mächtiger Allrounder im Team - 300.000 Euro schwer

Twistringer Schützen erleben Marathon der Glückseligkeit

Twistringer Schützen erleben Marathon der Glückseligkeit

Philip Sander löst Simon Hammann als Schützenkönig von Twistringen ab

Philip Sander löst Simon Hammann als Schützenkönig von Twistringen ab

Kommentare