Henning Greve mit rund 30 Gästen unterwegs

Auf der Suche nach Fledermäusen: Das Knarzen im Bat-Detektor

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Henning Greve (Bildmitte links) informierte rund 30 Interessierte über das Leben, die unterschiedlichen Arten und die Vermehrung der Fledermäuse.

Ristedt - Von Heiner Büntemeyer. Es war ein Bilderbuchabend, als Henning Greve am Ristedter Hohlweg etwa 30 Gäste begrüßte, die sich an einer Fledermausführung beteiligen wollten: Die soeben untergegangene Sonne ließ den westlichen Himmel noch herrlich leuchten, während der Vollmond am östlichen Horizont durch einen Wolkenschleier höher und höher stieg. Die Luft war klar, kaum ein Windhauch bewegte die Blätter.

Jeden Moment könnten sich die Fledermäuse blicken lassen, meinte Henning Greve, doch die Tiere ließen sich Zeit. So erfuhren die Zuhörer einiges über das Leben der Fledermäuse, die ausnahmslos auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten stehen und als „im Bestand bedroht“ gelten.

Ihre Nahrung sind Insekten, die Langohr-Fledermaus frisst mit Vorliebe Schmetterlinge. Eichen zählen zu ihren Lieblingsbäumen: In deren Laubwerk und im Stamm leben viele Insekten. Gerade in Ristedt schnitt Greve damit ein sensibles Thema an: Entlang der Straße Zum Grunewald hatte ein Grundstücksbesitzer ein Wäldchen platt gemacht. Dort sollen Wohnhäuser entstehen.

Die Fledermäuse müssen um ihren Lebensraum kämpfen. Das wurde den Zuhörern schnell bewusst. Selbst uralte Fledermauswohnungen in Kirchen sind kein sicheres Quartier mehr, seitdem die Gebäude nachts von Scheinwerfern angestrahlt werden.

Den Grund dafür, das Treffen im Hohlweg zu veranstalten, hatte Karin Hackmann geliefert. Sie entdeckte beim Öffnen einer Jalousette eine Fledermaus-Kinderstube mit mehr als 40 Fledermäusen, die sich in dem Hohlraum eingenistet hatten. Dass auch oberhalb ihrer Gartenterrasse Fledermäuse lebten, hatte sie durch den Kot auf dem Fußboden festgestellt.

„Das sind Zwergfledermäuse“, hatte Greve an Hand seines „Bat-Detektors“ ermittelt, denn Fledermäuse senden bei ihrer Jagd nach Fluginsekten Schallwellen aus, um ihre Beute zu orten. Für das menschliche Ohr sind die Sendefrequenzen der Tiere nicht hörbar, aber im Detektor knarzt und klickt es auf unterschiedlichen Frequenzen. Während die Zwergfledermaus bei rund 48 Kilohertz (kHz) sendet, werden die Signale des Großen Abendseglers bei 24 kHz empfangen.

Endlich wurde in Hackmanns wunderschön gestaltetem Garten die erste Fledermaus hör- und sichtbar: Ein schmatzendes Geräusch ertönte aus dem Bat-Detektor. Und dann sah man sie entsprechend aufgeregt in den Abendhimmel entflattern. Auch der Große Abendsegler kündigte sich auf dem Gerät an und wurde einige Male vor dem rötlich schimmernden Abendhimmel sichtbar.

Anschließend wanderte die Gruppe zu einem Haus am Fahrenhorster Damm, wo sich ebenfalls eine Fledermaus-Kinderstube mit rund 60 Tieren befinden soll. Aber nur wenige Exemplare waren dort sichtbar. Dafür flatterte eine besonders nette Zwergfledermaus direkt über die Köpfe der wartenden Menschen hinweg. „Vielleicht sind die Tiere schon ausgeflogen“, vermutete Greve und informierte über den Fledermaus-Zyklus, der im Herbst mit der Begattung der Weibchen beginnt.

Allerdings verbleibt das Sperma zunächst wirkungslos im Körper des Weibchens. Erst nach dem Winterschlaf beginnt im April ohne weiteres Zutun des Männchens die Befruchtung. Nach zwei Monaten Tragzeit werden die Jungen geboren und vom Weibchen gesäugt, denn Fledermäuse sind keine Vögel, sondern fliegende Säugetiere. Mitte Juli werden die Jungen flügge.

Meistens bekommen Fledermäuse nur ein Junges pro Jahr. „Sie müssen also sehr alt werden, und das werden sie auch, wenn sie das erste Lebensjahr überstanden haben“, erklärte Greve. Allerdings benötigen sie dazu auch einen Lebensraum, in dem sie vor existenzbedrohenden Eingriffen geschützt sind.

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