Mit knapp 80 Jahren auf Reise

12.000 Kilometer Lebenstraum

Hartwig Laue und Karl Heinz Wenderoth in der alten Inka-Stadt Machu Picchu auf 2360 Metern Höhe in den peruanischen Anden.

Syke - Von Michael Walter. Mit dem Containerfrachter von Hamburg nach Peru: Das bedeutet 24 Tage auf See. 6687 Seemeilen. 12 364 Kilometer. Für viele ist schon die bloße Vorstellung eine Tortur. Hartwig Laue und Karl Heinz Wenderoth – beide fast 80 – haben sich damit einen Lebenstraum erfüllt.

„Wir haben stundenlang nur aufs Wasser geschaut“, erzählt Hartwig Laue. „Und es war keine Minute langweilig.“

„1967 habe ich mit meiner Frau die Bananendampfer in Cuxhaven gesehen“, erzählt Hartwig Laue. „Von diesem Moment an hatten wir immer davon geträumt, einmal selbst mit so einem Schiff zu fahren. Aber da ist nie was draus geworden.“ Ganz anders bei seinem Freund Karl Heinz Wenderoth: Der Barrier ist ein alter Seebär. 1955 hatte der gebürtige Hesse bei der Bremer Neptun-Reederei als Matrose angeheuert und es dann in wenigen Jahren vom Schiffsjungen bis zum Kapitän gebracht. Vor 46 Jahren ist er dann nach Barrien gezogen. Die Liebe zum Meer ist ihm geblieben.

Und der Aberglaube: Als Seemann und Kapitän ist er insgesamt 17 Mal durch den Panama-Kanal gefahren. „Kanalpassagen müssen aber gerade Zahlen haben“, erklärt er. Also brauchte er unbedingt noch eine.

Kennen gelernt haben sich Hartwig Laue (79) und Karl Heinz Wenderoth (78) 2006 im Barrier Kirchenvorstand. Und über diese ehrenamtliche Arbeit sind sie Freunde geworden. „Wir haben beide ähnliche Interessen“, sagt Laue. „Und wir sind beide fast zur gleichen Zeit Witwer geworden.“

Voriges Jahr sind beide zum ersten Mal gemeinsam auf einer längeren Reise gewesen: Mit dem Auto vier Wochen durchs gesamte Baltikum. „Auf einer Fährüberfahrt hat mir Hartwig Löcher in den Bauch gefragt“, erzählt Wenderoth lachend. „Da hab ich gesagt: Mensch, dann mach doch mal eine Seereise.“ Und so war die Idee geboren.

Hartwig Laue nimmt Maß an der Ankerkette.

Die Umsetzung war allerdings gar nicht so einfach. Da war einmal das Grundsätzliche: Eine Kreuzfahrtschiff kam für beide nicht in Frage. Sie wollten unbedingt auf einem Frachter reisen. Weil Frachter aber naturbedingt nur wenige Passagiere mitnehmen können, sind die Wartelisten entsprechend lang. Und dann war da das Spezielle: „Ohne Gelbfieber-Impfung kommst du bei diesem Reiseziel gar nicht erst aufs Schiff“, sagt Laue. „Aber in unserem Alter kriegt man diese Impfung normalerweise gar nicht mehr. Das Risiko ist viel zu groß.“ Und auch die Reiseversicherung wollte erst nicht mitspielen: „Die Altersgrenze ist für die bei 77 Jahren.“

Und so wurde es November, bis alle Hürden überwunden waren und die Freunde auf der „Spirit of Hamburg“ an Bord gehen konnten. Ein 2007 gebautes Containerschiff mit 70 000 Bruttoregistertonnen. Doppelt so groß wie das größte, das Wenderoth selbst kommandiert hat. Aber selbst nur gut halb so groß wie die größten, die heute die Meere befahren.

Wieso musste es eigentlich unbedingt ein Frachter sein? „Weil es da viel komfortabler ist als auf einem Kreuzfahrer“, antwortet Wenderoth. „Meine Kabine war ein richtiges Appartement mit Wohnzimmer, Schlafzimmer und richtigem Bad. Es gibt halt nur zwei davon auf so einem Schiff.“

„Und weil man da überall hinkommt“, hakt Laue ein. „Wir konnten das ganze Schiff erkunden und uns praktisch alles ansehen. Die Mannschaft hat sich geradezu liebevoll um uns gekümmert und uns alles erklärt, was wir wissen wollten.“

Aber vier Wochen lang? Wird das nicht irgendwann langweilig? „Nein“, sagt Laue. „Ich kann das kaum in Worte fassen. Aber wir haben stundenlang an Deck gestanden und einfach nur aufs Wasser geschaut. Das Licht, die Farben, die Wolken: Das verändert sich so schnell, dass es immer wieder anders aussieht.“

„Man kommt regelrecht zur inneren Einkehr“, ergänzt Wenderoth. „Denn von der Ausfahrt aus dem Ärmelkanal bis in die Karibik: Du siehst kein einziges Schiff. Nur Weite!“

Ganz das Gegenteil davon der Panama-Kanal: An der Einfahrt stauten sich die Pötte. Zwei Tage lag der Schiff der Freunde auf Reede, bevor die Passage beginnen konnte. „Faszinierend“, sagt Laue. „Traumhaft! Mit dem Schiff durch den tropischen Urwald. Wir hatten einen fantastischen Aussichtspunkt knapp unterhalb des Schornsteins. Der Kanal ist 51 Meilen lang. So lange haben wir da gestanden und gekuckt.“

Im Pazifik angekommen, ging es danach südwärts bis Peru. Dort besichtigten sie unter anderem die Inkastädte Cuzco und Machu Picchu. Mit knapp 80 auch nicht ganz ohne, bei Höhenlagen zwischen zwei- und dreieinhalbtausend Metern. „Da waren wir doch ziemlich wackelig auf den Beinen“, sagt Wenderoth.

Mit dem Flieger ging‘s zurück nach Deutschland. „Nächstes Mal machen wir es umgekehrt“, sagt Wenderoth. Da wäre bloß ein Problem. Laue: „Die Reedereien haben eine Altersobergrenze von 79 Jahren.“

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