Winterlinden an Bremer Straße

Klimawandel in Syke: Experten nehmen Baumsterben ins Visier

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Baumsachverständiger Daniel Engelmann in Aktion: Die Auswertung der Schläge auf die Nägel geben Infos über den Zustand des Baumes.

Syke - Die Folgen des Klimawandels sind offensichtlich. Buschbrände in Australien und schmelzende Gletscher in Grönland – Bilder von diesen Ereignissen kursieren um die ganze Welt.

Doch auch vor der eigenen Haustür macht der Klimawandel keinen Halt: Bäume werden krank und sterben oder monsunartige Regenfälle weichen den Boden so dermaßen auf, dass die Wurzeln keinen Halt mehr haben. Die Folge: Weitere Bäume sterben, obwohl sie eigentlich gesund sind.

Klimawandel in Syke: Lokale Fauna wird untersucht

Auch in Syke wird regelmäßig untersucht, inwieweit der Klimawandel Auswirkungen auf die lokale Fauna hat. In dieser Woche waren Baumsachverständige in Barrien unterwegs und haben die bis zu 150 Jahre alten Winterlinden an der Bremer Straße unter die Lupe genommen. Mit einem Schalltomographen überprüfen sie den Zustand des Holzes im Inneren einzelner Bäume und damit ihre Standfestigkeit. Auch Pilzbefall kann mit dem Gerät untersucht werden. Die gemessenen Daten tragen die Mitarbeiter anschließend in das digitale Baumkataster ein.

Stadtbiologin Angelika Hanel erklärt, dass das digitale System in der Form seit 1992 besteht. Vorher wurden die Daten analog gepflegt. Nun vergibt das Programm für jeden abgespeicherten Baum eine Nummer, unter der zum Beispiel die Art, Abmessungen, Alter, Standort und mögliche Krankheiten aufgelistet sind. „Wir haben in den Syker Ortschaften etwa 10.000 gelistete Bäume“, erklärt sie. 

„Gefährdete“ Bäume müssen im Zweifel gefällt werden

Die Bäume wurden einst an Stadtstraßen und öffentlichen Plätzen, wie zum Beispiel Schulen, Kitas und Bahnhöfen, gepflanzt. Die Verantwortung für diese Bäume liegt in den Händen der Stadt. „Für die allgemeine Sicherheit muss der Baumbestand einmal jährlich überprüft werden“, so Hanel. Manche „gefährdete“ Bäume, die eventuell schon eine Pilzerkrankung haben, werden meist noch ein zweites Mal kontrolliert. Bei Ausweitung der Krankheit können die Experten reagieren und den Baum fachmännisch fällen, bevor er eine Gefahr für den Straßenverkehr wird.

Die Bremer Straße in Barrien ist eine der letzten Alleen im Stadtbild – mit einem bis zu 150 Jahre alten Baumbestand.

Beim Thema Fällen müsse einem laut Hanel aber bewusst sein, dass alte Bäume einen viel höheren Wert hätten als fünf junge Bäume. „Der ökologische Aspekt spielt da eine Rolle.“ Denn Vögel und Fledermäuse würden eher in älteren Bäumen nisten als in jungen. Wenn es also einen geringeren Altbestand gibt, ist die Folge möglicherweise, dass es weniger Nachkommen gibt.

Für gefällten Baum wird neuer gepflanzt

Sollte ein Baum gefällt werden, wird in der Regel im selben Zuge ein neuer nachgepflanzt. Am Beispiel der Bremer Straße würden immer wieder Winterlinden gepflanzt werden, damit der „Alleecharakter“ erhalten bleibe. An der Syker Straße wurden kürzlich 80-jährige Eichen gefällt. Sie waren krank, aber sollen an der Stelle nicht nachgepflanzt werden. Der Platz reiche nicht aus, denn es gelte zu beachten, dass ein Mindestabstand von 1,25 Meter zur Fahrbahn eingehalten werden muss. Bei nachträglichen Bauten von zum Beispiel Radwegen kann der Sicherheitsabstand dann nicht mehr gewährleistet werden.

Weitere Standortfaktoren sind unterirdische Verkabelungen und Rohre. „Wir pflanzen keine Bäume über Wasserleitungen“, so Hanel. Sollte die Leitung ein Leck haben, würden die Äste in diese Richtung wachsen und Schäden verursachen. Weil sich die Auswahl doch etwas beschränkt, ist es Hanel wichtig, dass jeder Bürger mitmacht. „Es reicht aus, einen Baum auf seinem Grundstück zu pflanzen.“ Bei Neubauten könne man eine Zisterne – ein unterirdisches Auffangbecken für Regenwasser – installieren, um Bäume nicht mit Leitungswasser zu bewässern. „Der Klimawandel geht uns alle an“, sagt sie. „Wir sind alle auf Bäume und die Sauerstoffproduktion angewiesen.“

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