Energiefachmann Ralf Borchers

„Wir werden keine Afrikaner vor der Tür haben, sondern Spanier“

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In Syke gibt es 24 Windräder, einige stehen in Barrien.

Syke - Von Detlef Voges. „Es ist brutal, was auf uns zukommt. Wir werden irgendwann keine Afrikaner vor unserer Tür haben, sondern Spanier, weil die nicht mehr genug Wasser haben“ – Ralf Borchers nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Folgen des Klimawandels geht. Der Diplom-Ingenieur und Energiefachmann ärgert sich über das Wegschauen vieler Mitmenschen.

Wer nichts für den Klimaschutz tue, dem seien die nachfolgenden Generationen egal, sagt der 60-Jährige. „Der aktuelle Klimaschutz ist ein Drama. Wir reparieren doch nur, weil es nicht vor unserer eigenen Haustür passiert“, erklärt Borchers.

Der Bauträger, wie er seinen Beruf heute nennt, setzt sich schon seit Jahren für eine regenerative Energie-Planung ein, im privaten wie öffentlichen Sektor. 2008 gründete er die Energiegenossenschaft „Bürger-Energie“, seit 2011 tritt er als Gutachter für energetische Sanierungen auf.

Der Mann hält nichts von „Laberei“, wie er sagt. Selbst macht er auch vor. In Weyhe hat er ein Co2 freies Gebäude mit zehn Wohnungen bauen lassen. Ein zweites Projekt ist in Planung. „Das ist kein Hexenwerk, nur energetisch anders“, betont der Energie-Fachmann.

Die zehn Mieter haben keinen Gasanschluss. Die Wärme beziehen die Wohnungen über eine Pumpe, die Energie aus dem Erdreich holt. Strom gibt es zu 30 Prozent über eine Photovoltaikanlage (PV) auf dem Dach. Die restlichen 70 Prozent liefert ein Unternehmen mit Ökostrom.

Warum realisiert der Syker seine Vorhaben in Weyhe, warum nicht in der Hachestadt?

Solar-Dach der Schulsporthalle an der Ferdinand-Salfer-Straße in Syke.

„Hier gab es keine Grundstücke“, betont er. Borchers arbeitet mit der Stadt zusammen. Auf etlichen öffentlichen Gebäuden wie der Feuerwehr und der Grundschule Barrien hat er mit seiner „Bürger Energie“ schon PV-Anlagen platziert. Die jüngste soll auf der neuen Kindertagesstätte in Heiligenfelde entstehen.

„Alternative Energieträger wie PV-Anlagen lohnen sich“, sagt der Energie-Experte und wünscht sich, dass die Bürger sich objektiv über Angebote informierten. Eine Renditeerwartung von drei Jahren funktionierte aber nicht. Die Wirtschaftlichkeit stelle sich nach etwa zehn Jahren ein. Borchers geht davon aus, dass der Strompreis weiter steigen wird. Zumal, wenn die E-Mobilität bei den Autos wachse.

Folgt man seinen Gedanken, kann Syke energetisch autark werden, also den Energiebedarf aus eigener Kraft erschaffen über Wind-, Solar- oder Speicheranlagen. „Wir brauchen das Gas von Putin nicht“, sagt er bestimmt.

Was müsste seiner Meinung nach passieren? Die Stadt benötige Visionen auf dem Energiesektor. Das passiere aber nicht nebenbei. „Syke bräuchte einen Energie-Manager, der sich nur der Energiefragen annimmt“, erklärt Borchers.

Alt und abgängig

Kümmern sollte sich die Stadt auch um die im Stadtgebiet befindlichen Windanlagen. Manche seien alt und abgängig, dürften laut Vertrag an ihrem Standort aber nicht neu errichtet werden. Zudem liefe bei den alten Windrädern die Förderung aus. „Die Stadt muss eventuell über neue Suchräume nachdenken“, sagt der Energieberater.

Borchers räumt einen langen Weg zur Autarkie ein. Aber es lohnten sich schon kleine Schritte zum Klimaschutz. So habe er in dem neuen Haus in Weyhe einen Batteriespeicher, der überschüssige Energie aufnehme. Das sei ausbaufähig. Der Syker fragt sich auch, warum die Feuerwehrautos nicht auf umweltschonender Batteriebasis führen. Die Reichweite liege bei 200 Kilometern. Schon die Reduzierung von Schadstoffen sei wichtig.

Borchers hofft der Umwelt wegen auf mehr Tempo bei der Umsetzung von Projekten und will über die „Bürger Energie“ mehr Bürger für das Thema gewinnen. „Wir müssen es immer wieder beharrlich versuchen“, sagt er.

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