Inklusiver Kurzfilm-Wettbewerb

Klein-Hollywood an der La-Chartre-Straße

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Sechs Teams aus behinderten und nicht behinderten Jugendlichen nehmen gemeinsam am inklusiven Kurzfilmprojekt „No Limits“ teil.

Syke - „Drei, zwei, eins, go!“ Die Kamera läuft. Eine Nahaufnahme. Wütend soll Lotte aussehen. Aber Lotte muss lachen. Und je mehr sie sich zusammenreißt, desto schlimmer wird es. „Stell dir einfach vor, dein Hund wär gestorben“, gibt eine Mitschülerin Hilfestellung. Das klappt auch einigermaßen. Wütend blickt Lotte in die Kamera – streng genommen ist es ein iPad – und nach ein paar Sekunden ist die Szene im Kasten. „Danke, Schnitt.“

Für zwei Tage wurden die Schüler der Klasse 7a der Realschule Syke und der Klasse S4 der Erlenschule zu Filmemachern und Darstellern. Beide Klassen kooperieren seit drei Jahren miteinander, und gemeinsam hatten sie sich für einen inklusiven Kurzfilm-Wettbewerb beworben. Unter dem Stichwort „No Limits“ geht es dabei darum, Grenzen auszuloten. Wobei es ganz egal ist, ob das Staatsgrenzen, moralische Grenzen, kulturelle, geschlechtliche oder körperliche sind. Auch stilistisch ist alles erlaubt: Dokumentarfilm, Drama oder Comedy, Rap-Video oder Animation. No Limits eben. 133 Schulen aus ganz Niedersachsen machen dabei mit. 50 davon bekommen von den Veranstaltern zusätzlich einen Workshop spendiert, bei dem sie die handwerklichen Grundlagen fürs Filmemachen lernen. Die Kooperationsklassen von Erlenschule und Realschule sind eine davon.

Die Medienpädagogen Britta Kanabaja und Tobias Milde vom Verein Blickwechsel aus Göttingen waren Montag und Dienstag dafür an der Realschule zu Gast. Sie brachten den Schülern das Filmen mit dem Tablet-Computer bei und zeigten ihnen die Grundlagen des Schnittprogramms für die Nachbearbeitung. Und sie gaben ihnen jede Menge praktische Tipps zum Prinzip Schnitt und Gegenschnitt, Perspektiven und dem Spiel mit den verschiedenen Kameraeinstellungen zwischen Totale und Großaufnahme. Und dann ging es ans Drehen.

Die Schüler bildeten sechs verschiedene Teams und machten sich an die Arbeit: Eine Geschichte entwickeln, eine Art Drehbuch festlegen, Rollen verteilen und die Szenen aufnehmen.

Musiklehrer Tobias Apel machte sich parallel dazu mit zehn Schülern daran, die benötigten Filmmusiken für die Nachvertonung einzuspielen. Denn – Stichwort Urheberrecht – die Schüler durften keine „fertige“ Musik verwenden. „Wollten wir auch gar nicht“, sagt Apel. Sein spezielles Problem: „Wir hatten eine Pianistin dabei, alle anderen waren völlige instrumentale Laien.“

Trotzdem kam in kurzer Zeit relativ viel Brauchbares dabei raus. „Wir haben uns mit Stimmungen beschäftigt“, erklärt Apel und zählt auf: „Trauer, Freude, Action und Romantik. Wir haben ausprobiert: Wie kann man das ausdrücken? Da sind ganz interessante Sachen bei rumgekommen.“ Die hat seine Gruppe jetzt sozusagen auf Halde produziert, um nach Abschluss der eigentlichen Dreharbeiten passende Szenen damit nachzuvertonen.

Mobbing und Magie dürften da so was wie zentrale Themen werden: Gleich mehrere Film-Teams erzählen ähnliche Geschichten. In der Gruppe von Philip und Celine geht es um ein Mädchen, dass mit seinem Rollstuhl die Treppe nicht hochkommt. Drei Jungs lachen sie aus – und plötzlich ist sie weg. Sie hat sich auf den oberen Treppenabsatz gebeamt.

Fast den gleichen Ansatz verfolgt Lennarts Film-Team: Ein Einzelgänger sucht verzweifelt Anschluss, wird aber von der Gruppe gemobbt und verprügelt. Als wieder einmal eine Tracht Prügel bevorsteht, beamt er sich mit einem Fingerschnippen aus der Gefahrenzone. Die Botschaft ist in beiden Fällen identisch: Mobbing ist doof und bringt nichts, und jeder kann irgendwas, das andere nicht können und das ihn besonders macht.

Team Lotte geht einen etwas anderen Weg: Auch hier geht es um Mobbing, Opfer ist ein Schüler, der einen Herzchen-Pullover trägt. Aber mit jedem Schlag auf eines der Herzchen nimmt die Sympathie zu, bis die Mobbing-Mädels über beide Ohren in den Herzchen-Typen verliebt sind. Lotte muss als Darstellerin jetzt auf Kommando den Gesichtsausdruck wechseln. Von wütend zu verliebt. Aber das klappt nicht. Prompt kommt wieder Hilfestellung aus dem Team: „Stell dir vor, dein Hund wär gestorben – und jetzt ist er wieder auferstanden.“ Na bitte. Geht doch!

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