Klassische Philharmonie feiert runden Geburtstag

Schon Ideen für die nächsten 20 Jahre

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Ulrich Semrau hat die Klassische Philharmonie Nordwest vor zwei Jahrzehnten gegründet – und Ideen für weitere 20 Jahre. So kann er sich durchaus ein Projekt mit einer Rockband vorstellen.

Syke - Von Anke Seidel. Was haben eine Fußballmannschaft und ein Orchester gemeinsam? Richtig: Nur im Team haben beide Erfolg. Aber das Orchester klingt völlig anders. Wer wüsste das besser als rund 100 organisierte Förderer der Klassischen Philharmonie Nordwest? Seit zwölf Jahren hat das Ensemble einen eigenen Förderverein – und seit exakt zwei Jahrzehnten immer wieder begeisterte Zuhörer. Für viele von ihnen gehört das Neujahrkonzert des Ensembles unter der Leitung von Ulrich Semrau zum Jahreswechsel wie der Kult-Sketch „Dinner for one“ zu Silvester.

In diesen Tagen haben Orchester-Chef Semrau und seine Mitstreiter einen ganz besonderen Grund zum Rückblick auf das Jahr 1996: „Im Frühjahr haben wir damals angefangen, zu proben.“ 15 Musiker – überwiegend Musiklehrer – bildeten ein besonderes Team nach Noten: Menschen, die Musik zu ihrem Beruf gemacht hatten, aber im Orchester unentgeltlich musizierten – mit hohen Ansprüchen.

Ihre Maxime: „Die pure Begeisterung“, die sie selbst immer wieder mit Leben füllen – um sie dann auf ihr Publikum zu übertragen. Motor des neuen Ensembles war Semrau, der in seiner Geburtsstadt Bremen bereits die „Camerata instrumentale“ geleitet hatte.

Man probte in den bescheidenen Räumen der Kreismusikschule – und pflegte die ersten „Wurzeln“ immer wieder mit Freude und Begeisterung. Premiere feierte das Ensemble am 15. November in der Martinskirche in Hoya mit dem Doppelkonzert für Violine und Oboe von Johann Sebastian Bach.

Ein Jahr später war die Klassische Philharmonie auf rund 40 Musiker angewachsen. Heute gehören bis zu 50 dazu. Nein, sagt Semrau, Mitstreiter zu finden, das sei nicht schwierig gewesen: „Die kamen aus der gesamten Region.“ Viele Amateure seien zunächst darunter gewesen, blickt der Dirigent zurück. „Als das Niveau dann weiter stieg, sind viele von ihnen gegangen.“

Studenten der Musikhochschulen Bremen, Hamburg und Hannover folgten. „Im Schneeball-System“, sagt Semrau, habe die Klassische Philharmonie „neue gute Leute“ gefunden. Der Altersdurchschnitt der Mitwirkenden liege knapp unter 30 Jahren. Die Struktur des Ensembles lasse sich mit der Deutschen Kammerphilharmonie vergleichen.

Bis zu 30 Auftritte pro Jahr mit bis zu sechs verschiedenen Programmen prägen die Klassische Philharmonie Nordwest. Die Musiker erhalten eine Auwandsentschädigung, denn das Ensemble gastiert in der gesamten Region – bis vor die Tore Hamburgs.

Organisation und Geschäftsführung liegen in den Händen des Dirigenten. „Das ist viel Arbeit, macht aber auch Spaß“, sagt Semrau. In wenigen Wochen will die Klassische Philharmonie ein großes Brahms-Programm präsentieren: Die 3. Sinfonie und das Violinkonzert, gemeinsam mit der Solistin Annette Behr-König. „Das ist eine sehr schöne Zusammenarbeit“, sagt Semrau. Einerseits mit herausragenden Solisten arbeiten und andererseits Nachwuchstalente fördern, ist ein Charakteristikum des Ensembles. Im Sommer möchte es mit Werken von Dvorak begeistern, dann gemeinsam mit dem Solisten Johannes Krebs (Cello).

Leichtigkeit im Walzertakt – ganz in der Wiener Tradition – prägen die Neujahrskonzerte der Klassischen Philharmonie Nordwest. Es ist eine bunte, wechselnde Mischung, zu der durchaus auch Mozarts „Hochzeit des Figaro“ oder die „Baccarole“ von Jaques Offenbach gehören können.

Sieben solcher beschwingter Melodien-Sträuße – sprich Konzerte – haben Semrau und seine Musiker dem Publikum zum vergangenen Jahreswechsel präsentiert. Ihr Silvester-Konzert in der Glocke (diesmal mit Werken aus dem Barock) hat genauso Tradition.

Aber es muss nicht immer Klassik sein: Mit einem mitreißenden Medley bekannter Filmmelodien stellt das Ensemble seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis. Neues ausprobieren – das fasziniert Semrau. Beeindruckt hat ihn der gemeinsame Auftritt der Rock-Band Scorpions mit den Berliner Philharmonikern: „So etwas würde mich auch reizen ...“

Gern wiederholen würde er ein Projekt, das die Klassische Philharmonie vor acht Jahren mit der Bremer Musik-Hochschule und der Shakespeare-Company realisiert hatte: Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel.“ An Ideen mangelt es Semrau nicht. „Die reichen für die nächsten zwanzig Jahre“, schmunzelt er.

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