Dirigent Ulrich Semrau über die Arbeit in der Klassischen Philharmonie

„Mit Amateuren können wir nicht arbeiten!“

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Die Klassische Philharmonie Nordwest probt in Syke. Gerade hat es das Projekt „Meilensteine“ beendet.

Syke - Von Robin Grulke. Ein Stammplatz in einem Sinfonieorchester ist der Traum vieler junger Musiker. Eine Vorstellung davon, wie es zwischen den Konzerten aussieht, haben aber die wenigsten. In Syke probt die Klassische Philharmonie Nordwest Stücke von Mozart, Wagner und Strauss. Ihr Dirigent, Ulrich Semrau, gibt nun Einblicke hinter die Notenblätter und mahnt: „Mit Amateuren können wir nicht arbeiten!“

„Wir haben bei uns sehr viele verschiedene Nationalitäten und viele junge Leute“, erzählt Semrau. Die meisten der aktuell 34 Musiker seien zwischen 25 und 30 Jahren alt, die ältesten Mitte 50. „Eine gesunde Altersmischung. Die ergänzen sich gut!“ Eine Ausnahme ist Jakob Günther: Mit seinen 17 Jahren ist er weitaus jünger als der Rest des Orchesters.

17-Jähriger spielt die zweite Trompete

Günther spielte beim jüngsten Projekt bei Mozarts Jupitersinfonie die zweite Trompete, was in dem Alter durchaus ungewöhnlich ist. Wie hatte er es ins Orchester geschafft? Semrau waren seine Leistungen im Jugendorchester der Kreismusikschule, welches er ebenfalls leitet, aufgefallen. „Das ist etwas, das ich mir durchaus öfter vorstellen kann. Wenn es denn passt“, so Semrau. Hin und wieder bietet sich so jungen Talenten die Gelegenheit, für ein Projekt in der Klassischen Philharmonie mitzuwirken.

Ulrich Semrau

Ein solches Projekt haben die Musiker rund um Ulrich Semrau jüngst beendet. Nach Konzerten im Sulinger Theater und in der Kreissparkasse Syke stand Ende April noch eine Vorstellung auf Gut Varrel an – damit war die Reihe „Meilensteine“ komplett.

Um die tückischen Stücke, wie sie auch beim „Meilenstein“-Projekt auf dem Programm standen, fehlerfrei spielen zu können, übt ein Orchester regelmäßig zusammen, oder? Falsch. Lediglich vier Proben, verteilt auf zwei Wochenenden im Probenraum am Syker Bahnhof, reichen der Klassischen Philharmonie Nordwest, um sich vorzubereiten. Dabei übt Semrau mit seiner Mannschaft nur die Absprache untereinander. „Die technischen Sachen muss jeder Zuhause vorbereiten, andernfalls wäre das nicht zu finanzieren“, erklärt er.

Die Spieler erhalten für Proben und Auftritte nämlich eine Aufwandsentschädigung. „Die fällt nicht sehr hoch aus“, meint Semrau, sodass der finanzielle Aspekt „sicher nicht der ausschlaggebende Punkt ist“. „Die, die spielen, machen das, weil sie auf professionellem Niveau spielen wollen.“ Ein Honorar von 500 Euro erhalten allein die Solisten.

Oboistin Ogihara ist bekannt und gefragt

Mit Natsuki Ogihara hat Semrau eine solche Solistin im Team. Die gebürtige Japanerin hat gerade ihr Studium in Hamburg beendet und spielt in der Klassischen Philharmonie die Oboe. „Sie gehört zur Familie“, erzählt Semrau. Ogihara gehört zu den Musikern, die auf der Bühne scheinbar Wunder vollbringen – sie spielt das Oboen-Konzert von Strauss mühelos. „Das gehört sicherlich zu unseren anspruchsvollsten Stücken“, behauptet ihr Dirigent.

Natsuki Ogihara hat sich in der Szene einen Namen gemacht. Sie hilft in diversen Orchestern aus, wenn dort Not am Mann ist. So hat sie bereits in der Elbphilharmonie in Hamburg gespielt. Mit dieser Vita ist es nicht schwer, einen festen Platz in einem Orchester zu bekommen. Doch wie schaffen es Unbekannte in die Gruppe unter Semraus Regie?

„Der Eine kennt einen und bringt ihn mit“, sagt der Dirigent, der gänzlich auf ein Probespielen verzichtet. Manchmal schlägt ein Orchestermitglied jemanden aus dem Bekanntenkreis vor, der sich das Spielen im großen Orchester zutraut. „Wenn er ins Team passt, gibt es keinen Grund, weswegen er nicht mal bei einem Projekt dabei sein sollte.“

Die Arbeit in der Klassischen Philharmonie Nordwest sollte aber niemand auf die leichte Schulter nehmen. „Wir haben schon einen professionellen Anspruch. Mit Amateuren kann das Orchester nicht arbeiten, dafür gibt es Laiengruppen!“

Alles für die Team-Chemie

Wenn Musiker den hohen Ansprüchen des Dirigenten und der Gruppe nicht mehr genügen, „dann merken die das meistens selber“, meint Semrau. In wenigen Fällen musste er die Leistung aber auch persönlich ansprechen. Schlussendlich gehe es darum, eine gute Team-Chemie zu erreichen – dazu sei nicht nur die Leistung, sondern auch der charakterliche Teil wichtig. „Er muss ins Team passen!“ Das bewertet mit – auch wenn der Dirigent das letzte Wort hat.

„Klar, einer entscheidet am Schluss! Die ganzen alten, berühmten Dirigenten – da lief das diktatorisch ab. Demokratisch geht es heute auch nicht zu, aber wir haben eine gute Mitte gefunden. Man erzielt auch bessere Ergebnisse, wenn man ein Team bildet. Nur so funktioniert’s.“

Semrau leitet auch das Jugendsinfonieorchester, für das er noch Musiker sucht. Die können sich bei der Kreismusikschule unter 04242/9764142 melden.

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