/ Ziegenhorn als „verschnupfte Posaune“

Jazz-Star Karl Seglem brilliert im KSK-Konzertsaal

Ausgezeichnete Musiker in Aktion: Karl Seglem (r.) und seine Begleiter im Sparkassen-Konzertsaal.

Syke - Von Detlef Voges. Dumpfe Trommelklänge, die Töne eines Ziegenhorns, die voluminöse Stimme einer Sängerin – der Start ins jüngste Konzert des Musikvereins JFK hatte etwas Mystisches. Er erinnerte an den Gesang der Wale. Ein Natur-Element, das der Musik von Karl Seglem (57) eigen ist und sie stets begleitet. Am Samstag präsentierte der norwegische Jazz-Star mit Band im großen Saal der Kreissparkasse sein aktuelles Programm „Nunatak“.

Der Name korrespondiert mit der Musik Seglems. Er stammt aus der Sprache der Inuit und bedeutet einen isolierten Felsen oder Berg, der über der Oberfläche von Gletschern und Inlandeismassen aufragt.

Ein gewachsener Hintergrund, der in den nordischen Jazz des Norwegers thematisch einfließt und mitklingt, ob über die kantigen Laute des Ziegenhorns oder die kräftigen Klänge der Hardanger Fiddle.

Seglem ist wer in der nordischen Jazz-Szene. Er hat sie mit seinen Kompositionen geerdet und gleichzeitig erneuert, hat den typischen Basis-Elementen Jazz und Folklore einen gehörigen Spritzer wilde skandinavische Natur verpasst. Heraus kommt ein farbiges Klanggebilde voller Energie und Poesie.

Seglem, der auch mehrere Gedichtbände herausgegeben hat, streut dann auch immer wieder Lyrik in seine Musik ein. Schöne Melodien wechseln mit jazzigen, rockigen und elektronischen Elementen ab. Ein Konzert mit Nachhall. Kein Wunder, dass die Gäste vor ausverkauftem Haus spielten und sich das Publikum begeistert zeigte.

Vorfreude aufs „very big Ochsenhorn“

Wie so oft ist es die Mischung, die auf das Publikum zugreift. Die Vielfalt wäre aber nur ein Hauch, gesellte sich nicht Qualität dazu. Und da konnte Meister Seglem auf profunde Könner zurückgreifen. Allen voran Håkon Høgemo (Hardanger Fiddle) und Sigrid Moldestad (Hardanger Fiddle, Gesang). Beide ausgezeichnete Musiker mit eigenen Bands.

Lars Jakob Rudjord (Keyboards), Andreas Ulvo (Piano, Keyboards), Hallvard Gaardløs (Bass) und Kåre Opheim (Drums) vervollständigten ein Septett, das mit seiner inspirierten Spielweise sowie abwechslungsreicher und spannender Musik mitriss.

Es war schon erstaunlich, welche Klangfülle Karl Seglem seinen Ziegenhörnern entlockte. Gehaucht, klang es wie Wetterrauschen, gespielt wie eine verschnupfte Posaune, aber immer erdig. Kratzig und jazzig war der 57-Jährige an seinem Saxofon mit wunderbaren Melodien und Improvisationen. Stimmten die anderen sechs Musiker mit in das Spiel ein, entfachte die Band eine euphorische Energie.

Da wirkten die folkloristischen Konzert-Passagen mit den Hardanger Geigen fast träumerisch und die musikalischen Dialoge zwischen Geigen, Piano, Bass, Keyboards und Drums poetisch. Dass Geigen auch rocken können, zeigten die Musiker gemeinsam mit Bass und Drums.

Sigrid Moldestad überzeugte nicht nur als Instrumentalistin. Ihre Stimme sorgte für eine reizvolle Belebung und konnte durchaus neben Schwergewichten wie Drums und Saxofon bestehen.

Mit einer Ankündigung erfreute Seglem zum Schluss noch seine Fangemeinde für das nächste Jahr. Er wolle sich ein neues Horn aus Bayern besorgen, ein „very big Ochsenhorn“. Man darf gespannt sein, welche Töne der Norweger dem Freistaat-Horn entlockt.

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