Das Nähcafé im Handarbeitsraum der Realschule fungiert in Syke als Treffpunkt für geflüchtete Frauen

Klamotten schneidern und sich kennenlernen

Die Frauen beim Nähcafé arbeiten konzentriert und schauen sich während des Schneiderns gegenseitig über die Schulter. Das Angebot hat sich mittlerweile etabliert. Nach den Sommerferien soll es weitergehen. - Foto: Heinfried Husmann

Syke - Von Tobias Kortas. Die Atmosphäre im Handarbeitsraum der Realschule ist ruhig: Frauen aus Syrien, dem Irak, dem Kosovo und aus Togo sitzen konzentriert an Nähmaschinen und arbeiten eifrig an unterschiedlichen Kleidungsstücken. Sie begutachten untereinander ihre Arbeiten, tauschen sich aus. Dass das möglich ist, dafür sorgt Nariye Akinci als Übersetzerin. Sie stammt aus der Türkei und lebt seit 30 Jahren in Deutschland.

Seit dem 8. April veranstalten die Gleichstellungsbeauftragte Kathrin Stern und das Diakonische Werk des Kirchenkreises Syke-Hoya, jeweils freitags von 10 bis 12 Uhr, ein Nähcafé für Asylbewerberinnen. „Die Idee dahinter ist, als Ergänzung zum Flüchtlingscafé gezielt ein Programm für geflüchtete Frauen anzubieten“, erzählt Kathrin Stern. An anderen Aktivitäten für Flüchtlinge würden nämlich zum Großteil Männer teilnehmen.

Beim Nähcafé geht es neben dem Schneidern an sich darum, dass sich Frauen aus verschiedenen Kulturen kennenlernen und austauschen.

Vorkenntnisse beim Nähen sind nicht erforderlich, aber bei den meisten Frauen an der Tagesordnung. „In vielen anderen Kulturen ist das Nähen selbstverständlich“, weiß Kathrin Stern. Klemmt es doch einmal an der einen oder anderen Stelle, hilft Antonia Telis. Vor allem erklärt sie den Frauen aber die Nähmaschinen. Denn die sind für die meisten der Asylbewerberinnen Neuland.

In sie kann sich Antonia Telis gut hineinversetzen: Sie ist vor mehr als 20 Jahren von Moldawien nach Syke gekommen. 2000 hat sie sich mit einer Schneiderei in Syke selbstständig gemacht – ist also die perfekte Ansprechpartnerin für das Nähcafé. „Ich habe im Integrationsbeirat davon erzählt, seitdem engagiert sich Frau Telis beim Nähcafé“, so Kathrin Stern.

Die Gleichstellungsbeauftragte ist von den Nähkünsten der Frauen beeindruckt. „Ich bin überrascht, wie viele von denen schon geschneidert haben. Ruckzuck haben die ein Kinderkleid fertig.“ Die schnelle Nähtechnik vieler der Frauen unterscheidet sich von der von Antonia Telis. „Ich muss alles nach Maß machen und mag saubere Arbeit“, erzählt sie. „Aber ich richte mich gerne nach dem, was die Leute wollen.“ Sich für das Nähcafé zu engagieren, macht Antonia Telis Spaß: „Ich möchte gerne helfen und etwas für die Menschen machen.“

Eine wichtige Stütze ist auch Nariye Akinci. Die Übersetzerin hat „Verständnis für die Damen“, hat sie vor 30 Jahren doch selbst Asyl in Deutschland beantragt. „Ich habe Spaß dabei, andere Leute kennenzulernen“, erzählt sie. „Selbst genäht habe ich auch schon, Antonia hat mir dabei geholfen.“ Sie hat ihren dreijährigen Sohn Elian dabei. Er läuft strahlend durch den Handarbeitsraum.

Auch Ghazal aus dem Irak sitzt eifrig vor einer Nähmaschine. „Unter die Leute zu kommen, ist schön“, meint sie. Sie hat früher bereits für sich und ihre Kinder genäht.

Die Stoffe, mit denen die Frauen arbeiten, sind übrigens gespendet. Die Nähmaschinen gehören der Realschule. „Die Schule ist sehr kooperativ“, erzählt Stern. „Die sind auch froh, dass der Raum genutzt wird.“

Mit Beginn der Sommerferien legt das Nähcafé nun erst einmal eine Pause ein. Wann es dann im neuen Schuljahr weitergeht, ist noch nicht klar. „Das hängt von den Stundenplänen der Realschule ab“, sagt Kathrin Stern. Sie möchte die neuen Termine dann so früh wie möglich bekannt geben.

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