Saubere Sache

Syker Klärwerk reinigt täglich 3000 Kubikmeter Abwasser

Übersicht über das Klärwerksgelände (Aufnahme vom Turm aus)
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Die Kläranlage an der Plackenstraße ist in die Jahre gekommen und damit modernisierungsbedürftig. Technisch ist sie aber trotzdem immer noch auf dem Stand der Zeit.

Syke – Der Satz kommt seit Monaten immer wieder, wenn es in der Syker Politik um Haushalt, Geld und mittelfristige Investitionen geht. Fast so sicher wie das Amen in der Kirche. „Und die Kläranlage müssen wir auch noch sanieren.“ Dabei ist die weder kaputt noch überaltert. Warum ist sie dann also ein Sanierungsfall?

„Weil eine Kläranlage nie fertig ist“, erklärt Leiter Stefan Ehlers. Es gibt keinen endgültigen Zustand. Dinge unterliegen dem Verschleiß. Teile, Maschinen, Geräte gehen kaputt, müssen repariert und manchmal ersetzt werden. Und die Anlage ist groß. Bist du mit dem Reparieren, Instandsetzen und Austauschen hinten angekommen, kannst du am nächsten Tag im Grunde vorne wieder anfangen.

Das Klärwerk an der Plackenstraße stammt aus den 1950er Jahren und ist seitdem immer wieder gewachsen. „Die Technik, mit der wir hier arbeiten, ist im Grunde aus den 80ern“, sagt Stefan Ehlers. „1980 bis 1984 war der bis jetzt größte Umbau.“ Er selbst hat 1985 als Azubi an der Plackenstraße angefangen.

Lange Zeit galt die Anlage damals bundesweit als vorbildlich. Und war nebenbei der Grund, weshalb Bürgermeisterin Suse Laue zum ersten Mal überhaupt von Syke gehört hat. „Das war 1996, als ich noch beim Trink- und Abwasserverband in Brandenburg gearbeitet habe“, erinnert sie sich. „Syke war damals Vorbild wegen der modernen Technik.“ – „Und die war Teil wissenschaftlicher Studien von Universitäten“, ergänzt Werksleiter Stefan Ehlers.

Inzwischen befindet sich das Klärwerk mitten in der nächsten Modernisierungsphase. 2018 hatte ein Ingenieurbüro im Auftrag der Stadt ein Gutachten über den Bedarf verfasst und war auf ein Investitionsvolumen von sechs bis sieben Millionen Euro für die nächsten Jahre gekommen.

Werksleiter Stefan Ehlers auf dem Leitstand. Die EDV hat gerade ein neues Betriebssystem und neue Software bekommen.

Dabei geht es weit weniger um die technischen Verfahren zur Abwasserreinung als vielmehr ums Energiesparen. Zum Beispiel hat das Klärwerk gerade eine neue Maschine zur Eindickung des Klärschlamms bekommen. „Die neue spart uns erheblich Strom- und Wartungskosten“, sagt Meyer. „Heizung und Lüftung sind dann als nächstes dran.“

Aber auch scheinbar ganz nebensächliche Aspekte spielen da hinein: „Unser EDV-System läuft noch auf Windows 7“, gibt Stefan Ehlers ein Beispiel. „Dafür ist aber der Support inzwischen ausgelaufen. Wir müssen also auf Windows 10 umstellen. Und das zieht zum Teil wieder die Umstellung auf neue Software nach sich. Wichtig ist das, weil die gesamte Prozesssteuerung daran hängt und weil das System zuverlässig vor Zugriffen von außen geschützt sein muss.“

Diese neue Maschine zur Schlammeindickung spart erheblich Strom- und Wartungskosten.

Ein neues Pumpwerk wird demnächst auf dem Gelände installiert und eine Schlammzentrifuge muss erneuert werden. Ein neuer Werkstattwagen befindet sich gerade beim Ausrüster und soll demnächst kommen. Der alte hat 17 Dienstjahre auf dem Buckel. Und wie alle öffentlichen Einrichtungen, muss das Klärwerk den Brandschutz modernisieren. Die Kosten werden ermittelt.

Rund 3000 Kubikmeter Abwasser kommen jeden Tag in der Kläranlage an. „Damit ist sie zu 50 Prozent ausgelastet, von dem, was sie kann“, sagt Stefan Ehlers. So gesehen, wäre also noch reichlich Luft nach oben. „Das Problem besteht dann irgendwann im Rohrnetz, in der Kanalisation selbst.“ Nämlich dann, wenn an einer Stelle zu viele Abwässer zusammenfließen.

Zum Beispiel unter der Plackenstraße zwischen Hauptstraße und Hachedamm. Suse Laue: „Das ist das Nadelöhr, wo das ganze Abwasser aus Richtung Hallenbad auf das aus Richtung Lerchenfeld trifft.“ An der Schloßweide gibt es ein zweites Nadelöhr, und ein drittes bildet sich grade zwischen Barrien und Syke. „Da werden wir ein Puffervolumen schaffen müssen“, sagt Ehlers. Heißt im Prinzip: Irgendwo an geeigneter Stelle einen riesengroßen Tank verbuddeln. Quasi als eine Art Zwischenspeicher.

Auch in Schnepke und Okel deutet sich dieses Problem an. „Wir versuchen gerade zu ermiteln, wo wieviel Wasser in welchen Situationen überhaupt genau anfällt“, sagt Suse Laue. „Bei der Schloßweide sind wir schon einen Schritt weiter. Da gibt es schon erste Zahlen, die aber noch geprüft werden müssen. Wir bewegen uns da zwischen einer und zwei Millionen Euro,“

Langfristig untersucht die Stadt darüber hinaus, ob es sinnvoll wäre, das Syker Abwasser in Bremen klären zu lassen. Das klingt zunächst mal absurd, zumal dafür 20 Kilometer Leitung und diverse Pumpwerke gebaut werden müssten. „Aber das ist eine Vergleichsrechnung, die jetzt ansteht“, sagt Laue. Auf der einen Seite stünden die Kosten für den Bau der Leitung nach Bremen. Auf der anderen die Kosten und Folgekosten wenn Syke das eigene Klärwerk langfristig erhält und weiter fortlaufend modernisiert. Ein gutes Stück Kaffeesatzleserei. Zumal der Stadt das eigene Klärwerk auf jeden Fall erhalten bliebe. Auch wenn – im Fall der „Bremer Lösung“ – dann das Abwasser dort nur noch gesammelt werden würde.

Momentan und für die nächsten Jahre seien das alles reine Gedankenspiele, betont die Bürgermeisterin. „Ab 2030 aufwärts wird das dann konkret ein Thema.“

Von Michael Walter

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