In Ristedt

„Ingenieure ohne Grenzen“ testen mechanische Wasserpumpe am Hohen Berg

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Projektleiter Thomas Urbanek erläutert die Funktionsweise des hydraulischen Widders. - Fotos: hu

Ristedt - Von Heiner Büntemeyer und Frank Jaursch. In den ländlichen Regionen Guineas versorgen sich die Bewohner mit Wasser aus Bächen, Wasserlöchern oder Quellen. Dieses Wasser schleppen sie heran, es ist ungefiltert und oft belastet. Der Einsatz von Pumpen und der Bau einer Wasserleitung scheitern, weil elektrische Energie fehlt.

Um eine Schule in Kanty/Guinea trotzdem mit Wasser zu versorgen, haben fünf „Ingenieure ohne Grenzen“ zur Lösung des Problems eine Methode wiederentdeckt, die schon vor mehr als 200 Jahren ersonnen wurde: den „Hydraulischen Widder“. Der war in Europas Schlossgärten verbreitet, um Fontänen zum Sprudeln zu bringen, wird aber auch jetzt noch genutzt, um Almhütten mit fließendem Wasser zu versorgen.

Prototyp für Einsatz in Guinea

Ein Prototyp eines „Widders“ wurde gestern auf dem Hohen Berg in Ristedt erprobt. Der Stuhrer Thomas Urbanek, Projektleiter der Gruppe „Ingenieure ohne Grenzen“, baute die Anlage auf, wobei als „Bach“ ein 1000-Liter-Fass von der Feuerwehr gefüllt wurde.

Der Versuchsaufbau entsprach in etwa den Gegebenheiten in Guinea. Am Hohen Berg wurde der „Widder“ etwa drei Meter unterhalb des Fasses installiert, sodass das Wasser zunächst mit Gefälle in das Gerät strömte. Dort wurde es durch den Einsatz eines Rückschlagventils abrupt gestoppt. Dabei entwickelte sich ein Überdruck, der in einem „Windkessel“ gespeichert wurde und sich bei jedem Öffnen und Schließen des Ventils erhöhte.

Klack-Klack-Klack

Ist einmal genügend Druck aufgebaut, beginnt die Mechanik selbstständig zu arbeiten: Im Zusammenspiel zwischen Druck- und Stoßventil beginnt das Wasser in der Leitung zu steigen – Meter für Meter durch den dünnen Schlauch. Das Ziel: eine leere Wasserflasche, oben auf dem Aussichtsturm am Hohen Berg.

Das Erstaunliche ist die Distanz, die mit dieser alten Technik zurückgelegt werden kann: Bei einem Gefälle von drei Metern zwischen fließendem Wasser und dem „Widder“ kann das Wasser theoretisch bis zu 30 Meter aufwärts gepumpt werden.

Den Ingenieuren gelang es schnell, den Prototyp zum Laufen zu bringen. Rund 120 Mal pro Minute öffnete und schloss sich das Ventil. Das gleichmäßige Klack-Klack-Klack sorgte für steigenden Druck – und für steigende Hoffnung bei den Beteiligten.

„Es hat uns gepackt“

Am Ende aber blieb auch nach mehrstündigen Versuchen die Wasserflasche leer. Der Druck erreichte Werte von nur rund 1,2 Bar, was lediglich gereicht hätte, um einen Höhenunterschied von etwa zwölf Metern zu überbrücken.

„Wir hatten wohl die Rohrreibung nicht auf dem Schirm“, erklärte Urbanek zerknirscht. Auch zwischen den Rückschlagventilen sei es zu unerwünschten Strömungen gekommen. Bei einem starken Regenschauer hatten sich die Ingenieure in ein Auto gesetzt und gemeinsam intensiv gefachsimpelt. „Es hat uns gepackt“, erklärt Urbanek schmunzelnd.

Bis kurz vor Sonnenuntergang versuchten die Experten noch, eine Lösung zu finden. Letztlich ohne Erfolg. Doch die Gruppe will noch längst nicht aufgeben. „Wir würden es gerne am Hohen Berg wieder probieren.“

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