Kira Borggreve verbrachte ein Jahr als Lehrerin an einer Dorfschule im westafrikanischen Ghana

Aufbauarbeit in Agona Nsaba

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Syke - Von Michael Walter. Nach dem Abitur ein Jahr ins Ausland – für viele Teenager ist das ein Traum. Die meisten denken dabei allerdings eher an London, Paris oder New York. Kira Borggreve war ein Jahr lang in Agona Nsaba. Das ist ein kleiner Ort im westafrikanischen Ghana, 80 Kilometer westlich der Hauptstadt Accra.

An der „Church of Christ International Academy“ hat sie dort ein Jahr als Lehrerin gearbeitet. Hört sich großartig an – ist trotz des vollmundigen Namens aber nur eine kleine, mangelhaft ausgestattete Dorfschule, allerdings eine Privatschule. „Die Eltern zahlen Schulgeld“, erklärt die 19-Jährige. „Dort werden Kinder von der Vorschule bis Klasse neun unterrichtet, in jedem Jahrgang etwa 50 Kinder in einer Klasse.“

Dorthin gekommen war Kira über Weltwärts. So heißt der entwicklungspolitische Freiwilligendienst der Bundesregierung. Untergebracht war die Sykerin bei einer Gastfamilie: In einem Mehrfamilienhaus ohne fließend Wasser und auf engstem Raum. Mit ihrer 15-jährigen Gastschwester hat sie in einem von nur zwei Zimmern gewohnt, in dem ihr mit Pappwänden ein eigener privater Bereich abgetrennt worden ist. „Das war anfangs eine Riesenumstellung“, sagt Kira.

Auch an der Schule: Keine ausgebildeten Pädagogen als Lehrer, kaum Unterrichtsmaterial, stumpfes Auswendiglernen und Abschreiben von der Tafel – und Schläge mit dem Rohrstock an der Tagesordnung. Kira Borggreve zeigte, dass es auch anders geht. Über den Syker Lions Club gelang es ihr, an Buntstifte, Tuschkästen und Bastelmaterial zu kommen. „Die meisten Kinder hatten sowas noch nie zuvor gesehen“, erzählt sie. „Sie haben zum ersten Mal in ihrem Leben etwas gebastelt oder gemalt. Die Ergebnisse haben wir in der Klasse aufgehängt. Und zum ersten Mal in ihrem Leben haben sie dabei etwas wertschätzen gelernt, was sie selber gemacht haben.“

Nicht bei allen hat sie sich damit Freunde gemacht. „Einige Kollegen haben das ziemlich misstrauisch beäugt. Andere haben das aber aufgenommen und in ihren Klassen auch so gemacht.“

In einer Rumpelkammer der Schule hat Kira dann eine Bibliothek eingerichtet. „Der Dorftischler hat die Regale gebaut. Die Bücher habe ich in den umliegenden Orten besorgt und die Läden leer gekauft.“ Um die 250 Bücher sind immerhin zusammengekommen.

„Viele Kinder konnten praktisch gar nicht lesen“, sagt Kira. „Ich habe versucht, so gut es geht Einzelförderung zu machen. Das hat nicht bei allen geklappt, aber bei vielen.“ Ihr Nachfolger will dafür sorgen, dass die Bibliothek auch weiterhin benutzt wird. Und sie ist zuversichtlich, dass das auch klappt.

Der Abschied ist Kira schwergefallen. Sowohl von ihren Schülern als auch von ihrer Gastfamilie. „Sie alle sind mir sehr ans Herz gewachsen. Und obwohl das Leben dort völlig anders ist als hier – gerade auch als Frau – haben mir die Menschen mit ihrer Herzlichkeit und Offenheit wirklich ein zweites Zuhause gegeben. Ich vermisse sie sehr.“

Was hat dieses Jahr nun gebracht? Kira Borggreve denkt einen Moment nach, bevor sie antwortet. „Zuerst mal die Erkenntnis, dass man als Einzelner nicht viel verändern kann. Man kann immer nur Anstöße geben. Ich habe weit mehr über mich selbst gelernt: Was ich kann und was ich nicht kann.“

Montag beginnt für Kira Borggreve ein neuer Lebensabschnitt: Sie wird in Hannover Sonderpädagogik studieren. Wenn im März die Semesterferien beginnen, will Kira wieder nach Ghana fliegen. „Für vier Wochen zu Besuch“, sagt sie. „Die Leute wiedersehen.“ Und später vielleicht auch für länger? Kira schüttelt den Kopf. „Nein“, sagt sie. „Ich war da glücklich! Aber für immer dort leben möchte ich nicht.“

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