Kinderoper Brundibár kommt leichtfüßig daher: Zuschauer belohnen Theater-AG des Gymnasiums mit viel Applaus

„Ihr müsst auf Freundschaft bau'n“

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Die Theater-AG des Gymnasiums beeindruckte mit der Aufführung der Kinderoper Brundibár im Theater.

Syke - Von Juraj Sivulka. Nachdem die letzten Töne verklungen ist und der langanhaltende Applaus des Publikums nicht enden will, ist die Erleichterung der Mitwirkenden auf der Bühne des Theaters deutlich spürbar. 65 Schüler des Gymnasiums genießen glücklich den größten Lohn, den ein Künstler von seinem Publikum erhalten kann.

Die Ideengeber des Projektes, die Musiklehrerinnen Ines Lücke und Silke Seemann-Meerkamp, beweisen mit der ausgeklügelten Dramaturgie des Theaterstückes „Brundibár“ vom tschechischen Künstler Hans Krása einmal mehr ein glückliches Händchen. Sie lassen die eigentliche Oper in eine Rahmenhandlung einbetten, um auf den Ernst der Situation im Konzentrationslager Theresienstadt hinzuweisen.

Dementsprechend beginnt das Stück im KZ Theresienstadt, wo jüdische Künstler auf die Idee kommen, eine Kinderoper einzustudieren. Schnell finden sie interessierten Nachwuchs, der sich mit der Überzeugung „Wir können Großes erreichen“ der Schauspielkunst hingibt.

Nun aber folgt durch eine schnelle Umgestaltung des Bühnenbildes in ein Stadtbild ein direkter Sprung auf das Handlungsfeld der Oper, und die bisher gedrückte Stimmung weicht dem phantasievollen Treiben der Kinder. Den Hauptdarstellern Aninka (Elisa Gleske) und Pepícek (Johanna Podszuck) gelingt es, mithilfe von Tieren den bösen Brundibár (Katinka Doose) vom Markt zu vertreiben und ihrer kranken Mutter Milch und Medikamente zu besorgen.

An der Gesamtdarstellung ist vor allem das tadellose Zusammenwirken aller Beteiligten hervorzuheben. Auf der Bühne wirken teilweise mehr als 20 Akteure gleichzeitig, während etwa die gleiche Anzahl der Musiker (überwiegend aus der Bläserklasse des siebten Jahrgangs) im Orchester den Ton angibt. Denkt man dabei nicht an die reellen Gegebenheiten, die in Konzentrationslagern herrschten, hat man zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass diese Oper unter so schwierigen Bedingungen entstanden ist.

Die Schauspieler ziehen den Zuschauer in ihre (fast) unbeschwerte Kinderwelt voller Ideen, Elan und Phantasie: Leichtfüßig schweben sie über die Bühne. Das wird von den Besuchern durch gelegentliches Lächeln quittiert. Nur die am Ende des ersten Aktes atmosphärisch sehr wirksam vorgetragene Serenade von Mathilde Flämig (Klavier) und Eileen Skolik (Querflöte) sorgt für andächtige Stimmung im Saal. Es ist so leise, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte.

Im zweiten Akt steuert die Handlung durch das erfolgreiche Vorgehen der Kinder und Tiere (hervorzuheben: die klar klingende melodische Stimme von Emmelie Weiß als Spatz) gegen den bösen Brundibár auf ihren Höhepunkt zu. Das Abschlusslied „Ihr müsst auf Freundschaft bau'n, den Weg gemeinsam geh'n“ weist den Kindern den Weg für ihre Zukunft.

Die Oper ist nun zu Ende, doch da wird die Bühne im Handumdrehen wieder zu einem KZ umgebaut. Es werden die Namen der mitwirkenden jüdischen Kinder, die in Theresienstadt oder während der Deportation umgekommen sind, vorgelesen. Durch diese Rahmenhandlung ändert sich schlagartig die Stimmung, und dem Besucher wird klar, was für eine künstlerische Leistung die Gefangenen in Theresienstadt tatsächlich vollbracht haben.

Mehr als 300 Besucher sind vollkommen beeindruckt. Finja Westermann und Tabea Bünger sind gekommen, weil ihre Klassenkameraden mitwirken: „Wir haben mitbekommen, wie viel Zeit und Mühe sie in dieses Projekt investiert haben. Diese Leistung wollen wir durch unsere Anwesenheit würdigen.“ Anke Stell war von der Zusammenarbeit der Musiker mit den Schauspielern angetan.

Doch auch bei den Akteuren konnte man nur zufriedene Gesichter sehen. Für Elisa Gleske und Johanna Podszuck war es „ein Wahnsinnserlebnis, als Hauptdarsteller auf der Bühne zu stehen“.

Schade nur, dass diese bemerkenswerte Aufführung wahrscheinlich nicht wiederholt wird.

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