Kita Regenbogenland startet Projekt

Kindergarten ohne Spielzeug

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Oben Mondbasis, unten Räuberhöhle – mit nur ein paar Tischen und Decken lässt es sich genauso gut spielen wie mit „richtigem“ Spielzeug.

Barrien - Von Michael Walter. Die Bauklötze in die Schränke gesperrt, die Bobbycars aus dem Haus gebracht, die Tischspiele abgeräumt, keine Malsachen mehr, und selbst das Bällebad im Flur kommt noch weg: Der Kindergarten Regenbogenland in Barrien ist seit dieser Woche ein Kindergarten ohne Spielzeug.

Für die nächsten drei Monate sollen und müssen die Kinder nicht nur auf lieb gewordene Spielgeräte verzichten, auch Bastelmaterial ist weitestgehend tabu. Kern eines Projekts, auf das sich Leiterin Heike Kuffel und ihr Team bereits seit Wochen vorbereitet haben.

„Wir haben festgestellt: Wenn die Kinder zu besonderen Anlässen ihre Lieblingsspielzeuge mitbringen dürfen, sind das oft Spiele, wo man auf einen Knopf drückt oder etwas aufzieht, und dann bewegt sich etwas“, erklärt Heike Kuffel. Ziel dieses Projekts sei es nun, dass die Kinder selbst stärker aktiv werden, eigene Ideen entwickeln und sich mehr miteinander beschäftigen. Das scheint auch zu klappen. „Die Kinder kommen ganz anders miteinander ins Gespräch“, hat Kuffel schon in den ersten Tagen gemerkt.

Kreativität ist gefragt

Das müssen sie zwangsläufig, könnte man sagen. Geblieben sind als Spielmöglichkeiten in erster Linie die anderen Kinder. Und dann eben das, was ohnehin im Kindergarten ist. Da wird aus vier Tischen und ein paar Decken schnell mal ein Piratenschiff oder eine Mondbasis.

Von außen kommen eigentlich nur Pappkartons dazu und die Dinge, die die Kinder bei ihren regelmäßigen Aktivitäten draußen finden. Eben Naturmaterialien, wie es im Erzieherjargon heißt. Malstifte und Kleber – sonst quasi Verbrauchsmaterial im Kindergarten – gibt es nur in Ausnahmefällen.  Etwa wenn die Kinder in ihre Pappkarton-Höhle eine Tür einzeichnen möchten.

Erster Eindruck: Den Kindern gefällt’s. Besonders die Konstruktionen, die sie aus den Tischen gemacht haben, sind stark gefragt. „Wir haben extra Hülsen angeschafft, mit denen sich die Tischbeine stabil zusammenstecken lassen“, sagt Kuffel. Und wer gerade keine Lust darauf hat, sucht sich vielleicht ein paar Kinder zum Singen oder für ein Tanz- und Klatschspiel.

Das tägliche Geschehen wird dokumentiert und einmal in der Woche ausgewertet. „Eine zentrale Frage dabei ist: Wo sehen die Erzieherinnen ihre Rolle?“, sagt Kuffel. „Sie sollen ja nicht zu viel planen und vorgeben, sondern sich eher zurückhalten und die Kinder machen lassen.“

„Es passiert mehr im Team“

Das Ganze ist nicht wirklich neu: 2000 und 2001 hatte der Kindergarten schon ähnliche Projekte. „Damals ging es aber vor allem um den Aufbau von Frustrationstoleranz“, erklärt Kuffel. Also darum, es auszuhalten, wenn ich mal nicht mein Lieblingsspielzeug kriege, zum Beispiel. „Heute spielt dieser Ansatz auch noch eine Teilrolle. Der Hauptaspekt ist aber, die Kinder stark zu machen, Probleme auf ihre eigene Weise zu lösen.“

Aus den Schulen sei immer wieder zu hören, wie schwer die neuen Erstklässler zu führen wären und welche Defizite sie hätten, sich in der Klasse einzuordnen, berichtet Kuffel. Mit Projekten wie diesem könne man ihnen mehr Rücksicht und Einfühlungsvermögen vermitteln. Die ersten Beobachtungen scheinen das zu bestätigen. „Es passiert mehr im Team, während die Kinder vorher zwar auch in der Gruppe waren, aber mehr jeder für sich gemacht hat.“

Wenn das so ist und die Kinder auch noch Spaß dabei haben: Dann könnte man diesen Kindergarten ohne Spielzeug doch dauerhaft beibehalten. „Wer weiß“, sagt Heike Kuffel lachend. „Es gibt tatsächlich Kindergärten, die das so in ihrem Konzept haben.“

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