Schülerhilfsfond fehlen Spenden

Keine Unterstützung mehr für die Abc-Schützen

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Für viele Kinder könnte der Eintritt ins Schulleben eine bittere Erfahrung werden.

Diepholz - Von Julia Kreykenbohm. Vielen Kindern im Kreis Diepholz steht bald einer der bedeutsamsten Tage in ihrem Leben bevor: Die Einschulung. Endlich in die Schule gehen, lesen, schreiben, rechnen lernen und damit zu den „Großen“ gehören. Doch für viele Kinder könnte sich die Freude in Ernüchterung, der Eintritt ins Schulleben schon bald in eine bittere Erfahrung verwandeln.

Und zwar dann, wenn sie statt des teuren Tuschkastens, den der Lehrer für den Kunstunterricht empfohlen hat, ein billiges Modell auspacken. Wenn sie statt des hübschen Füllfederhalters einen Kugelschreiber aus der Tasche ziehen. Wenn ihre Mitschüler sie fragen, vielleicht sogar auslachen. Kurzum: Wenn sie merken, dass sie irgendwie nicht dazugehören.

„Diese Kinder sind von Anfang an emotional im Nachteil“, sagt Superintendent Klaus Priesmeier. „Sie können nichts dafür, dass ihre Familie nicht über die finanziellen Mittel verfügt, um ihnen alle Schulmaterialien kaufen zu können und doch trifft es sie mit am Härtesten. Ihnen wird suggeriert: Du stehst von Anfang an auf der Verlierer-Seite. Das macht traurig und entmutigt.“

Unterstützung für Arbeitsmaterialien

Seit seiner Gründung 2009 hat der Schülerhilfsfonds versucht, dieser Entwicklung entgegenzuwirken und auf den Missstand hinzuweisen. Rechnungen für Arbeitsmaterialien, die an Eltern bedürftiger Kinder der ersten und fünften Klasse gehen würden, werden vom Hilfsfonds beglichen. Still und dezent, ohne Aufsehen zu erregen, um die Würde der Familien nicht zu verletzen. Doch in diesem Jahr wird der Schülerhilfsfonds zum ersten Mal keinem Abc-Schützen zu seinen neuen Arbeitsmaterialien verhelfen können.

Der Grund: Es gibt einfach nicht genug Spenden. Schweren Herzens haben die Verantwortlichen deswegen beschlossen, nur die Fünftklässler mit 50 Euro pro Person zu unterstützen. In dieser Klasse gibt es teure Dinge wie Atlanten oder Taschenrechner anzuschaffen. In der Regel melden sich die Schulsekretariate beim Schülerhilfsfonds und machen darauf aufmerksam, dass da eine Familie ist, die Hilfe braucht.

Unterstützung ist nötig

„Wir haben zwar auf einen Aufruf hin ein paar Spenden bekommen, wie zum Beispiel von der Kreishandwerkerschaft und auch von Schützenvereinen“, berichtet Priesmeier, der Vorsitzender des Schülerhilfsfonds ist. Auch die Ippen-Stiftung spendete bereits im Jahr 2013 15.000 Euro. „Das war eine tolle Hilfe, aber auf lange Sicht gesehen, ist es zu wenig. Wir brauchen mehr Mitglieder, die das Ganze dauerhaft begleiten, Firmen oder auch Privatpersonen.“

Gründungsmitglieder waren neben einigen Privatpersonen der Landkreis Diepholz, die Kirchenkreise Diepholz und Syke-Hoya sowie die Kreissparkassen Diepholz und Syke. In den Folgejahren haben sich Kirchengemeinden sowie Städte, Gemeinden und Samtgemeinden angeschlossen.

Aber ist die Unterstützung nötig, obwohl es Hilfen vom Bund gibt? Diese Frage beantwortet Priesmeier mit einem klaren „Ja“. „Nachweislich reichen die Mittel des Bildungs- und Teilhabepaketes für finanziell schlecht gestellte Familien nicht aus. Meldungen weisen darauf hin, welch hoher Anteil unserer Kinder in Familien lebt, die Unterstützung erhalten und in keiner Weise aus dem Vollen schöpfen können.“

Der Schülerhilfsfonds unterstütze deswegen einkommensschwache Familien bei der Anschaffung von schulisch notwendigem Arbeitsmaterial für ihre Kinder. „Damit wollen wir zum Ausgleich unterschiedlicher Bildungschancen beitragen.“ Die öffentlich dafür zur Verfügung gestellten Mittel reichten nicht. Neue Untersuchungen hätten ergeben: Vor allem zur Einschulung und zu Beginn der weiterführenden Schulen ergibt sich ein Defizit von durchschnittlich 150 Euro pro Kind – trotz Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes. Vor allem Alleinerziehende und Familien mit Migrationshintergrund bräuchten Unterstützung.

Dass der Schülerhilfsfonds seine Hilfe drosseln muss, macht Priesmeier hörbar zu schaffen. „In den vergangenen Jahren förderte der Hilfsfonds Erstklässler mit 40 Euro und die Fünftklässler mit bis zu 61 Euro. Nun reicht das Geld nicht mehr.“

Wer den Schülerhilfsfond unterstützen möchte, kann sich an Klaus Priesmeier unter Telefon 05441 / 3420 oder bei Bernhard Brinkmann (Abrechnungsstelle des Vereins beim Landkreis) unter 05441 / 976-1901 melden.

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