Veterinäre kontrollieren sieben Schlachtereien

„Keine Hinweise auf Abweichungen“ in Diepholzer Schlachthöfen

Landkreis  Diepholz - Von Anke Seidel. Unerträgliche Bilder aus den Schlachthöfen Bad Iburg und Oldenburg haben in den vergangenen Tagen für schockierende Schlagzeilen gesorgt. Auch im Landkreis Diepholz werden Rinder und Schweine geschlachtet – doch nicht annähernd in der Zahl der kritisierten Schlachthöfe. Fakten dazu stellten Landrat Cord Bockhop, Kreisrat Jens-Hermann Kleine und Veterinäramtsleiter Dr. Karljosef Graf in einem Pressegespräch im Syker Kreishaus vor.

Es sei ein überaus sensibles Thema, schickte der Landrat vorweg. „Wir sind die Blitzer – und nicht die Autofahrer. Wir sind nicht die Schlachtbetriebe, sondern die Kontrolleure.“

461 Landwirte im Landkreis halten Mastschweine auf rund 343.000 Plätzen und 764 Rindviehhalter knapp 95.000 Tiere (Quelle: Landwirtschaftskammer). Doch die meisten Schlachttiere werden zum Schlachten in andere Regionen „exportiert“.

Im Landkreis Diepholz gibt es sieben Schlachtbetriebe – in Weyhe, Barnstorf, Bruchhausen-Vilsen, Spreckelshorst, Varrel, Seckenhausen und Martfeld. Der größte davon (in Seckenhausen) würde an zwei Tagen in der Woche 500 Schweine schlachten, so Dr. Graf. In den sechs weiteren – deutlich kleineren – Betrieben im Kreisgebiet seien es zwischen zwei und 30 Rinder an einem Tag in der Woche.

Überwachungspersonal stehe dafür ausreichend zur Verfügung. Die Amtstierärzte, die sowohl die lebenden Schlachttiere als auch die Schlachtkörper begutachten und kontrollieren, hätten für ihre Arbeit ausreichend Zeit – und seien rechtzeitig vor Ort. Dr. Karljosef Graf: „Wir haben derzeit keinen Hinweis auf etwaige Abweichungen.“ Auffälligkeiten und Tierquälereien haben die Amtstierärzte also nicht festgestellt.

Schulungen angesetzt

Trotzdem reagiert der Landkreis auf das Geschehen in Bad Iburg und in Oldenburg: „Wir nehmen das zum Anlass, um unsere Mitarbeiter noch einmal zu schulen“, so Kreisrat Kleine – vorsorglich. Denn Fachwissen bestehe, so Landrat Cord Bockhop, aber man wolle die Amtstierärzte bewusst noch einmal sensibilisieren. Das Land Niedersachsen habe mit einem solchen Schulungsangebot auf die Vorgänge in Bad Iburg und Oldenburg reagiert.

Bei der Schlachtung müssten die Tierschutz-Vorgaben der EU eingehalten werden, betonte Dr. Graf. „Jedes Tier wird lebend von einem Amtstierarzt untersucht“, so der Veterinäramtschef. Ob die – ohne Wenn und Aber vorgeschriebene – Betäubung ordnungsgemäß und wirksam war, könne der Amtstierarzt bei der Untersuchung des Schlachtkörpers erkennen. Setzen dürfe diese Betäubung nur fachlich geschultes Personal des Schlachthofes.

Laves prüft Geräte regelmäßig

Rinder erhalten einen Bolzenschuss in den Kopf, Schweine werden elektronisch betäubt. Die Funktionsfähigkeit der Geräte werde regelmäßig vom Laves (Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) überprüft. Außerdem müsse im Schlachtbetrieb stets ein zweites funktionstüchtiges Gerät bereitliegen, um bei technischen Schwierigkeiten sofort handeln zu können, so Dr. Graf. Größere Schlachtbetriebe müssten einen Tierschutzbeauftragten benennen, der Probleme umgehend melden müsse.

Ob Fleisch oder nicht: „Es liegt an jedem selbst, was er isst – und woher es kommt“, so Landrat Cord Bockhop, der die Transparenz kleinerer Betriebe deutlich hervorhob: „Bei meinem Schlachter vor Ort kann ich nachfragen. Auch, woher das Tier kommt.“ Der Landrat: „Regional ist das neue Bio.“

Rubriklistenbild: © dpa

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