Bienen, Hornissen und Wespen wieder unterwegs / Experten helfen vor Ort

Keine Angst vor geflügelten Jägern in Haus und Garten

Beraten Bürger, wenn es um Wespen, Bienen, Hummeln und Hornissen geht: (v.l.) Hennig Greve, Jean-Louis Jullien und Norbert Tilger – drei von acht ehrenamtlichen Insektenbetreuern im Landkreis – mit dem Teil eines großen Wespennestes. - Foto: Seidel

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Sie jagen auf dem Teller mit Gegrilltem oder schnappen sich im Flug kleine Fliegen: Die geflügelten Jäger sind wieder unterwegs, um ihren Nachwuchs mit Fleisch zu versorgen. Gemeint sind Wespen, die gemeinsam mit Hornissen und Bienen zurzeit höchst lebendig sind. Angst vor ihnen muss niemand haben – das ist die Botschaft von Henning Greve, Jean-Louis Jullien und Norbert Tilger. Sie haben zwei Dinge gemeinsam: Ihre Faszination für diese geflügelten Mitgeschöpfe und ihre ehrenamtliche Aufgabe als Insektenberater.

Will heißen: Sie helfen Bürgern im Landkreis mit Rat und Tat, wenn es zu scheinbar unlösbaren Problemen kommt. Acht ehrenamtliche Insektenberater kümmern sich im gesamten Landkreis um solche Konfliktfälle.

Am Herzen liegt Henning Greve, Jean-Louis Jullien und Norbert Tilger vor allem eines: Ein möglichst friedvolles Miteinander zwischen Mensch und Wespen, Bienen sowie Hornissen. Denn sie haben einen enorm wichtigen Stellenwert im Kreislauf der Natur, vor allem bei der Bestäubung von Obstbäumen.

Welche Konsequenzen hat das ungewöhnlich kalte Frühjahr dabei? „Zum Bestäuben sind genügend Wespen, Bienen, Hummeln und auch Fliegen da – und jetzt fliegen sie wieder“, antwortet Henning Greve, „Verluste hat es aber an den Blüten gegeben, denn die Nachtfröste waren lang und hart“.

Trotzdem hat sich bei den Wespen und Hornissen längst Nachwuchs eingestellt. „Das erkennt man daran, dass sie Fliegen jagen“, erklärt Greve. Damit würden sie ihren Nachwuchs füttern. „Sie selbst nehmen nur Süßes“, fügt der Insektenberater hinzu. Im Klartext: Sie bedienen sich gern am Marmeladenbrötchen auf der Terrasse.

Haben Menschen geflügelte, gelb gestreifte Gäste, dann sollten sie nicht in Panik geraten: „Sich ruhig zu verhalten, ist ganz entscheidend!“ Norbert Tilger rät dazu, die Tiere schon im Vorfeld abzulenken – durch einen Teller mit überreifem Obst zum Beispiel, der in großem Abstand zur Terrasse platziert wird.

Um Wespen auf der Suche nach tierischer Beute vom Gegrilltem abzulenken, könnte ebenfalls ein Teller mit Resten in weiter Entfernung aufgestellt werden. So könnte auch die verbrannte Bratwurst noch einen wichtigen Zweck erfüllen.

13 kolonisierende Wespenarten gibt es den Beratern zufolge im Landkreis, aber rund 500 verschiedene Arten von Solitär- und Wildbienen: „Jede hat ihr eigenes Loch, aber sie leben trotzdem eng zusammen – wie in Rudeln.“

Erdwespen zum Beispiel bauen ihre Nester im Boden. Wer sie zu Gast hat, sollte aufmerksam sein: „Wenn die Wespe aus dem Loch geflogen ist, kann man es abdichten“, erläutern die Berater. Immer wieder werden sie gerufen, wenn Wespen ein Nest am Garagentor, auf dem Dachboden oder in einem Schuppen gebaut haben. „Wenn es noch die Größe einer Pflaume hat, kann man es entfernen“, sagt Greve. Denn bei dieser Größe würde die Königin noch ein neues Nest bauen können.

Ist das Nest bereits größer und gibt es dadurch Konflikte, sollten Bürger die Insektenberater informieren. Sie erläutern dann, was wichtig und zu tun ist. In einigen Fällen nehmen sie die Nester auch mit und siedeln sie woanders an.

In der Regel leben zwischen 500 und 1000 Wespen in einem solchen Nest – in großen Exemplaren können es bis zu 20.000 sein. „Wespen haben Polizisten“, wissen die Berater – und genauso, wie sie sich im Falle der Bedrohung verhalten: „Dann werden alle zu Polizisten!“ Und die können Menschen schmerzhafte Stiche versetzen. Das erfahren auch die Insektenberater hautnah. Jean-Louis Jullien erinnert sich zum Beispiel an einen Fall von besonders aggressiven Erdwespen. Aber das ist die Ausnahme, nicht die Regel. Wie bewerten die Fachleute die Zwiebel als Hausmittel gegen Wespen-, Bienen- oder Hummelstiche? Das sei durchaus ein probates Mittel, nicken die Berater. „Wärme ist aber auch zu empfehlen. Sie zerstört das Gift“, fügt Norbert Tilger hinzu. Wobei Bienengift durchaus heilsam sein könne: „Es hilft gegen Rheuma.“

Bienen können übrigens nur einmal stechen, dann sterben sie. Ihr Stachel ist mit einem Widerhaken versehen, der in der menschlichen Haut stecken bleibt und beim Stich aus ihrem Hinterleib gerissen wird. Bei Wespen ist das anders, sie können mehrmals in ihrem Leben zustechen – und tun das nur, wenn sie sich bedroht fühlen.

Auf keinen Fall sollten Menschen Wespen- oder Hornissennester einfach zerstören. Denn sie leisten – wie auch die Hummeln – unverzichtbare Dienste in der Natur. „Ohne sie würden wir nicht leben können“, stellt Henning Greve klar.

Wie intelligent und überlebensfähig Wespen sind, beschreibt Jean-Louis Jullien mit Beispielen zum Anfassen – drei Teilen eines Wespennetzes, das Menschen einst zerstört hatten: „In allen Teilen haben sich die Tiere dann wieder angesiedelt“, staunt Jullien. Will heißen: Sie haben ihre Bauten nicht aufgegeben, sondern restauriert.

Es sind die „Königinnen“, sprich die begatteten Weibchen, die im Frühjahr das Nest begründen. Genau das füllt sich dann mit hunderten von „Arbeiterinnen“. Die Männchen, stachellose Drohnen, begatten später die jungen Königinnen. „Sofort nach der Liebe sterben die Männer“, stellt Jean-Louis Jullien mit bedauerndem Schmunzeln fest. Danach fliegen die begatteten jungen Königinnen in alle Richtungen davon. Der Staat im alten Nest stirbt ab – der Kreislauf der Natur beginnt von Neuem. „Die Königin legt bis zu 2000 Eier am Tag“, wissen die Berater. Und auch, in welcher Tageszeit der Flug der Insekten in der Landschaft besonders stark ist. „Es wäre schön, wenn Landwirte das Spritzen und Mähen ihrer Felder frühmorgens und spätabends vornehmen würden“, wünscht sich Norbert Tilger. Denn das könnte ungezählten Insekten das Leben retten.

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