Strukturen – Ausbildung – Ausrüstung – Alarmstärken: Interview zur aktuelle Lage

„Keine Alternative zur Freiwilligen Feuerwehr“

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Zu jeder Zeit und 365 Tage im Jahr soll die Feuerwehr einsatzbereit sein – so wie bei diesem nächtlichen Großbrand in der Weihnachtszeit in Ristedt. Das ist viel verlangt von einer ehrenamtlichen Organisation.

Syke - Von Ulf Buschmann. Manch Verantwortlichem bereitet das schlaflose Nächte: Den Freiwilligen Feuerwehren fehlen die Ehrenamtlichen. Dass es auch in Syke eng werden könnte, steht im Bericht zur Entwicklung bis 2030. Über Nachwuchs, Ausrüstung und einen eventuellen Feuerwehrbedarfsplan sprachen wir mit Sykes Stadtbrandmeister Stefan Schütte, dem zuständigen Fachbereichsleiter bei der Stadtverwaltung Horst Meyer und Pressesprecher Ihno Fißer.

Stefan Schütte als Stadtbrandmeister das ranghöchste Mitglied des Feuerwehrkommandos

Wie ist denn die Feuerwehr in Syke aufgestellt?
Stefan Schütte: Bei den Fahrzeugen gut. Wir haben mit dem Stadtkommando ein Beschaffungskonzept entwickelt. Das besprechen wir einmal jährlich und legen dabei die Beschaffungsreihenfolge fest. Aktuell bekommt die Ortsfeuerwehr Henstedt ein neues Fahrzeug.

Es geht ja aber auch um die Ausbildung, Ausstattung und einiges mehr...
Horst Meyer: Sie haben in der Kreiszeitung ja schon über unser Papier „Feuerwehr 2030“ berichtet. Daraus geht hervor, dass wir nicht in allen Bereichen zukunftsfähig sind. Eine Konsequenz daraus ist zum Beispiel die Fusion der beiden Ortsfeuerwehren Ristedt und Gessel. Wir haben einige Häuser, die gut oder optimal sind, wenn ich da an Syke denke. Ich mag es eigentlich gar nicht sagen, aber dass im Januar 2009 das Gerätehaus der Syker Ortsfeuerwehr abgebrannt ist, hatte im Nachhinein auch einen positiven Aspekt. Dadurch konnten die Syker ganz neu planen und bauen. Jetzt haben sie ein zeitgemäßes Haus. Die Gebäude in Gödestorf und Okel entsprechen auch schon den neuen Anforderungen. Okel allerdings mit Einschränkungen. Die Anforderungen, die an die Feuerwehrgerätehäuser gestellt werden, werden immer höher. Früher reichte ein Spind in der Fahrzeughalle. Das ist heute nicht mehr so. Dass die Anforderungen steigen, halte ich für sinnvoll. Alleine schon aus Sicherheitsgründen. Aber man muss auch sehen, dass das Investitionen sind, die wir nicht von heute auf morgen schultern können.

Horst Meyer der zuständige Fachbereichsleiter bei der Syker Stadtverwaltung

Soll das Papier „Feuerwehr 2030“ in einen Feuerwehrbedarfsplan münden?
Schütte: Das ist bislang nicht geplant. Es würde aus unserer Sicht aber auch nichts dagegen sprechen.
Meyer: Das Land Niedersachsen schreibt einen Feuerwehrbedarfsplan ja nicht gesetzlich vor. Ich sehe dann die Notwendigkeit, wenn ich Defizite in Syke erkenne. Aber das erkenne ich zurzeit nicht. Mit der Projektgruppe 2030 haben wir eine Bestandsaufnahme gemacht und einen Ausblick in die Zukunft gewagt. Im Grunde genommen kann ein Feuerwehrbedarfsplan auch nicht viel mehr. Der Rat hat sich bislang gegen die Aufstellung eines Feuerwehrbedarfsplans ausgesprochen. Das kann in zwei oder drei Jahren natürlich ganz anders sein.
Ihno Fißer: Wenn die Politik das Thema angeht, muss sie mit den Konsequenzen leben. Bei festgestellten Defiziten muss sie handeln.

Am Tag steht manchmal nicht genug Personal bereit. Wie reagieren Sie darauf?
Schütte: Wir haben beschlossen, dass wir ab einer bestimmten Alarmstufe immer zwei Ortsfeuerwehren zusammen ausrücken lassen. Wir haben Pärchen gebildet. Sie machen auch zusammen Dienst. Das funktioniert recht gut und hat eine sehr große Akzeptanz gefunden. Anfangs gab es eine riesige Skepsis bei den Ortsbrandmeistern: Da kommt noch jemand dazu, dann bin ich vielleicht nicht mehr der Chef... Der nächste Schritt ist, dass es nicht mehr den Feuerwehrmann gibt, der alles kann. Es wird Spezialisten geben, etwa für die technische Hilfeleistung oder den Atemschutz. Also werden unsere Leute entsprechend ihrer Aufgaben ausgebildet. Was bleibt, ist ein gewisses Maß an Grundausbildung. Aber danach geht es ans Spezialisieren – auch um die Feuerwehrleute zu entlasten. Denn die Ausbildung nimmt sehr viel Zeit in Anspruch und ist teilweise kaum noch leistbar.

Ihno Fißer ist Pressesprecher der Syker Feuerwehr

Wo steht die Stadtfeuerwehr in Sachen Ausbildung?
Fißer: Wir sind auf einem guten Weg. Syke, Stuhr und Weyhe bilden seit sechs Jahren gemeinsam aus. Einmal jährlich geht es um alle Themenbereiche, vor allem natürlich um Neues. Durch die private Rauchmelderpflicht haben wir immer mehr Einsätze dadurch, dass die Geräte auslösen. Unsere Leute müssen wissen, was zu tun ist, wenn am Einsatzort keiner anzutreffen ist. Wie kommt man hinein, ohne großen Schaden anzurichten? Hier üben die Wehren genauso zusammen, wie sie sich über die Gemeindegrenzen hinweg bei Einsätzen unterstützen.

Wie sieht denn die Feuerwehr der Zukunft aus?
Schütte: Es gibt zur Freiwilligen Feuerwehr zurzeit keine Alternative. Man braucht so viel Manpower, die Aufgaben lassen sich gar nicht alle über eine Berufsfeuerwehr abdecken. Für ein Drei- oder Vierschicht-System benötigen Sie 30 bis 40 Leute. Damit können Sie einen Großeinsatz oder mehrere Einsätze gar nicht abdecken. Also sind die Freiwilligen Wehren doch wieder gefordert. Außerdem kommen bei einer Berufsfeuerwehr erhebliche Personalkosten auf die Kommunen zu. Das sind pro Feuerwehrmann oder -frau mindestens 60.000 Euro im Jahr.
Schütte: Das größte Problem wird es sein, genügend Personal während der Regelarbeitszeit zu bekommen. Viele Feuerwehrleute arbeiten heute außerhalb. Einen ersten Schritt haben wir kürzlich mit der Aufstellung neuer Einsatz- und Alarmpläne gemacht – und festgestellt, dass wir selbst bei kleinen Dingen ganz schön viel alarmieren müssen, um genug Personal zu haben.

Wie wollen Sie das sicherstellen?
Schütte: Während früher während der Tagesalarmierung eine Ortsfeuerwehr ausgerückt ist, sind es jetzt bis zu drei. So ist es zumindest mittelfristig gewährleistet, dass wir genügend Leute vor Ort haben.
Meyer: Dabei ist es ganz wichtig, dass die Arbeitgeber mitspielen. Mein Bestreben als Stadt ist es, das Wissen und die Ausbildung breit zu streuen und einen großen Pool an Ehrenamtlichen zu haben. Dann muss nicht jeder bei jedem Einsatz raus. Das soll auch ein Zeichen für die Arbeitgeber sein: Wir erkennen Eure Belastungen und halten sie so klein wie möglich.

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