Anbieter aus Speyer preisgünstiger
VBN-Linien im Kreis Diepholz: Kein Zuschlag für heimische Busfirmen
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Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Enttäuschung für die Arbeitsgemeinschaft, die sich um das Linienbündel Nordwest im Landkreis Diepholz beworben hatte.
Die sieben heimischen Busunternehmen Borchers (Twistringen), Plein (Staffhorst), Gaumann (Sulingen), Pussack (Syke-Heiligenfelde), Rittmeyer (Drebber), Kirschner (Martfeld) und von Rahden (Schwanewede), die gemeinsam ein Angebot abgegeben hatten, erhalten keinen Zuschlag für die insgesamt 31 Linien in diesem Bündel.
Der Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) hat dieser Gemeinschaft schriftlich mitgeteilt, dass die Firma BRH ViaBus aus Speyer den Auftrag erhalten soll. Grund: Ihr Angebot ist günstiger als das der heimischen Unternehmen. Das Schreiben des Zweckverbands liegt dieser Zeitung vor.
BRH ViaBus gehört zum deutsch-britischen Unternehmen Metropolitan European Transport (MET). Nach eigenen Angaben auf seiner Internet-Seite hat MET das Unternehmen BRH ViaBus im Oktober 2011 erworben. „Seit der Übernahme haben wir eine Reihe von bedeutenden Ausschreibungen gewonnen“, heißt es dort wörtlich.
Auf Rechtsmittel wird wohl verzichtet
Bis zum 27. Dezember hat die Arbeitsgemeinschaft der sieben heimischen Busunternehmer die Möglichkeit, Rechtsmittel gegen die angekündigte Vergabe einzulegen – genauso wie alle anderen auf den Linien fahrenden Firmen auch. „Unser Fachanwalt hat uns davon aber abgeraten, weil das nichts bringen würde“, erklärte Anke Borchers als Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft auf Anfrage dieser Zeitung.
Kommt es zum Vertragsabschluss mit BRH ViaBus, übernimmt das Unternehmen aus Speyer zum 1. August 22 Linien ab Bremen, Brinkum, Ristedt, Nienstedt, Bassum, Heiligenfelde, Seckenhausen, Martfeld, Leeste, Dreye, Wedehorn, Twistringen, Varrel und Syke sowie neun Linien ab Jeebel, Erichshof, Bassum und Syke.
„Die Eltern der Schüler müssen sich fragen: Was kommt da auf uns zu?“, so Berit Kirschner, Busunternehmerin aus Martfeld. Anke Borchers, Busunternehmerin aus Twistringen, erinnert an etliche Zwischenfahrten zum Sport- oder Schwimm-Unterricht, die von den bisherigen Busunternehmern „für kleines Geld“ übernommen würden.
Kostensteigerungen werden befürchtet
Sie ist sicher: „Am Ende wird es für alle Beteiligten teurer.“ Der Verlust ihres Auftrags im Linienbündel Nordwest bedeutet allein für die Twistringerin fünf Fahrzeuge und deren Fahrer, die künftig keine Aufgabe mehr hätten.
Doch Michael Kaiser, Landesgeschäftsführer für Omnibus und Touristik im GVN (Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen) weiß: „Die großen Konzerne können und wollen vor Ort nicht fahren. Sie beauftragen Subunternehmer.“ Die würden zu Dumpingpreisen beschäftigt, „weil die Konzerne ja schon bei der Ausschreibung so günstig geboten haben“. Womöglich fahre dann derselbe Fahrer wie bisher auf der Linie – aber für wesentlich weniger Geld.
Wie das Unternehmen BRH ViaBus das gestalten würde, bleibt abzuwarten. Denn zurzeit ist der Vertrag noch nicht unterzeichnet.
Gnadenloser Wettbewerb in Europa
Fakt sei aber, so betont Kaiser in einer öffentlichen Stellungnahme, dass ZVBN und Landkreis Diepholz „den billigsten und nicht den besten Betreiber“ gewollt hätten: „Aus diesem Grund wählte man den gnadenlosen europaweiten Ausschreibungswettbewerb und nicht die mittelstandsfreundliche Vergabe.“ Für dieses Verfahren hatten sich die sieben Busunternehmer gemeinsam mit Kaiser eingesetzt.
„Wir können nicht unter Preis fahren, wir können nicht noch Geld zulegen“, erklärt Anke Borchers – und fügt hinzu: „Ich weiß nicht, wie man diese Leistungen noch deutlich preiswerter erbringen will.“ Die Strategie dahinter, so die Twistringerin, könne nur ein Verdrängungswettbewerb sein: In zehn Jahren werde es keine mittelständischen Busunternehmen mehr geben. „Dann braucht man auch keine Gegenangebote mehr einholen, weil es die kleineren Unternehmen nicht mehr gibt.“
