Zahl der Betriebe sinkt

Mäster im Landkreis klagen: Kein Schwein mit dem Schwein

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Nachschub für die Schweinemäster: 124 Landwirte leben im Landkreis Diepholz von der Ferkelerzeugung, das sind weniger als ein Viertel als noch vor zehn Jahren. Im Schnitt stehen 201 Zuchtsauen in einem Betrieb. - Foto: dpa

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Flaute auf dem Fleischmarkt: Schweinemäster müssen ihre Tiere zurzeit zum Tiefstpreis verkaufen – für 1,30 Euro das Kilo. „Das ist nicht auskömmlich“, sagt Kreislandwirt Wilken Hartje. Will heißen: Die Mäster legen bares Geld zu.

„Das haben wir zur grünen Woche aber schon oft gehabt“, blickt Hartje auf die Saison sowie auf das Agrar-Großereignis in Berlin – und legt das neue Heft „Landwirtschaft in der Region/Diepholz Nienburg“ vor, das eine Fülle von Fakten über die Lage der Landwirtschaft bietet.

Daraus geht hervor, dass im Landkreis Diepholz 505 Landwirte Schweine halten – 461 haben Mastbetriebe. Sage und schreibe 342 711 Schweine mit mehr als 20 Kilogramm Gewicht mästen sie in ihren Ställen. Im Schnitt sind es 743 pro Betrieb.

In zehn Jahren Betriebe halbiert

In nur einem Jahrzehnt hat sich die Zahl der Schweinehalter damit mehr als halbiert, denn 2007 hatte die Landwirtschaftskammer noch 1.100 Schweinehalter im Landkreis Diepholz registriert. Davon waren 550 Mäster, die im Schnitt 950 Tiere in ihren Ställen fütterten.

Wilken Hartje

Für Nachschub an Mastferkeln sorgen die Zuchtschweinehalter – aktuell 124 im Landkreis Diepholz, weniger als ein Viertel als vor zehn Jahren. Damals waren es 550 Betriebe mit 40.619 Zuchtsauen. Heute sind es 24.886. Immer weniger Zuchtbetriebe halten immer mehr Sauen für die Ferkelerzeugung. Standen vor zehn Jahren im Schnitt 74 Sauen in einem Betrieb, so sind es heute 201 – fast dreimal so viele.

„Bei den Sauenhaltern und auch den Milchviehhaltern hat es einen großen Strukturwandel gegeben“, sagt Hartje. Heute stehen in 319 Milchviehbetrieben 30 323 Kühe – vor einem Jahrzehnt waren es 504 mit 33 151. „Der Milchpreis ist noch auskömmlich“, so Hartje zum Status quo. Doch er weiß, dass sich das jederzeit ändern kann. Preisschwankungen müssen Landwirte immer wieder ertragen. Und sie tun es, wie die Ausbildungszahlen beweisen. 106 junge Menschen lernen zurzeit den Landwirtsberuf, vor zehn Jahren waren es noch 76.

Betriebe werden immer größer

Insgesamt 2 178 landwirtschaftliche Betriebe prägen den Landkreis Diepholz und damit fast 440 (!) weniger als noch vor einem Jahrzehnt, als es 2 618 waren. Und die Betriebe werden immer größer: Mehr als 100 Hektar bewirtschafteten vor einem Jahrzehnt 14,2 Prozent der Betriebs-Inhaber – heute sind es 19 Prozent.

Immer größer, immer weiter? „Die nachhaltigste Wirtschaftsweise ist Ackerbau mit Tierhaltung und Grünland – alles im richtigen Verhältnis“, antwortet Hartje. Dahin werde sich die Landwirtschaft wieder entwickeln, meint er: „Das Baurecht weist in diese Richtung und das Düngerecht auch.“

Viehhalter müssten in Spitzenzeiten schon jetzt bis zu 20 Euro pro Kubikmeter Gülle bezahlen, nur um sie abgeben zu können. „Da ist die Wirtschaftlichkeit in der Tierhaltung nicht mehr gegeben“, sagt der Kreislandwirt – und kommt zu dem Schluss: „Die flächengebundene Tierhaltung ist die beste Wirtschaftsform!“

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