Martfelder Freigeist

Künstler Adam stellt im Kreismuseum aus

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Die Ausstellung über das Werk des Künstlers Adam im Kreismuseum veranschaulicht die Vielfältigkeit seiner Arbeiten.

Syke - Von Detlef Voges. „Ich begrüße Sie in einem Ausstellungsraum, der keiner ist. Sie stehen mitten im Kunstraum. Genießen Sie es“, meinte Museumsleiter Dr. Ralf Vogeding am Sonntag aufgeräumt an die Adresse der Besucher der Ausstellung „Adam von 0 auf 80 – Kreativität mit Leiden-schaf(f)t“. Der Hausherr genoss es offenkundig selbst und ließ sich bei der Begrüßung so viel Zeit, dass Laudator Dr. Dr. Wolfgang Griese auf die Uhr schaute und fragte, ob für ihn denn auch noch etwas übrig bleibe.

Es lag vielleicht auch an den besonderen Umständen. Denn der 80-jährige Künstler aus dem Harz hat künstlerisch Spuren im Landkreis hinterlassen. Der Quedlinburger legte in den 80er-Jahren seine bürgerlichen Wurzeln ab, um fortan in Martfeld als „Adam im Paradies“ komplett ins künstlerische Fach zu wechseln und Kreativität, Gesellschaftliches und Philosophie in Objekten, Skulpturen und Malbüchern zu manifestieren.

Vogeding war es deshalb auch eine Freude, auf Adams Beitrag zu den Wald-Weg-Zeichen im Syker Friedeholz hinzuweisen. Mit seiner vierten Holzskulptur, einer großen Hand mit einer angeschlagenen Weltkugel. Ein typischer Adam: Mahner und Hoffnungsträger gleichermaßen.

Der Freigeist war stets auf Du und Du mit dem heute 80-jährigen. Wer aber als ehemaliges Vorstandsmitglied des Bremer Nordmende-Werkes mit 45 aussteigt und als freier Künstler arbeitet, ist ein Fantast oder ein durchgehärteter Optimist. Adam, der zweiten Spezies zugehörig, baute sich im Martfelder Paradies (er baut übrigens heute immer noch) aus einem Resthof ein wunderbares Refugium und damit seinen Mittelpunkt schöpferischen Tuns.

Die Werke Adams haben politische Botschaften

Im Sinne des legendären Adams streckte auch er den Finger aus, um Eingebungen zu empfangen. Er muss massenhaft Post bekommen haben. Kreativ und von Ruhelosigkeit angetrieben, reüssierte der Martfelder als Objektkünstler. Seine Materialien waren Holz, Pflanzen, Steine, Sand. Mit seinen Arbeiten bezog und bezieht er politisch Stellung.

Der Künstler orientiert sich inhaltlich an Gegensätzen, lotet aus, was sich zwischen Mann und Frau, zwischen Freiheit und Unfreiheit entwickelt. Ein unorthodoxer Weg, der Adams Kunst davor bewahrt hat, in eine Schublade gesteckt zu werden.

In der Ausstellung gehören diese sogenannten Episodenbilder zu den Hinguckern. Ein Mix aus gemalten Bildern klassischer Vorbilder von Michelangelo bis Picasso. Die neue Komposition erlaubt einen veränderten Blick in die Gesellschaft, regt zum Nachdenken an.

Der Künstler will den Alltag übersteigen

„Adam gestaltet über den Kopf, selten über den Bauch“, so Dr. Dr. Wolfgang Griese, der in dem Miteinander der Abbildungen von Sphinx und Nofretete das Rätselhafte der Weiblichkeit ausmachte. „Da steckt auch noch mehr drin“, raunte der Künstler dem Laudator zu.

„Jedes Thema fordert in meiner Vorstellung neue Realisationsarten“, sagt Adam und erinnert an seine Installation „…ich bin so hoch geflogen.“ 25 zu Origami-Schmetterlingen gefaltete Drucke seiner Arbeiten symbolisieren den Versuch, mehr im Leben zu suchen als den Alltag.

Gedanken, die sich auch in seinen reich illustrierten Kunst- uns Skizzenbüchern wiederfinden. In diesen Büchern zeigt sich nicht nur der Objektkünstler, sondern auch der Maler, besonders der Zeichner. Als gelernter Industrie-Designer und Grafiker weiß der Martfelder um die Eindringlichkeit des einfachen Strichs. Seine zeichnerisch umgesetzten Ideen sind in ihrer Einfachheit kraftvoll.

In dem 80-jährigen wandert auch immer noch der Humor. Man spürt ihn direkt oder versteckt. Den Leitfaden (tatsächlich ein roter Faden) in sein Paradies hat er mit markanten Karikaturen versehen. Er lässt schmunzeln.

Der Laudator hat recht, wenn er resümierend feststellt, dass die Besucher dieser Ausstellung die Leidenschaft des Künstlers in seinem Werk spüren werden. Die Ausstellung läuft noch bis zum 5. August.

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