Revierförster erklärt Rodungen im Friedeholz: Borkenkäfer und Buchen-Ernte

Kein Kahlschlag – Verjüngung!

Die Borkenkäfer graben sich charakteristische Gänge ins Holz der Fichten.
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Die Borkenkäfer graben sich charakteristische Gänge ins Holz der Fichten.

Syke – Wird das Friedeholz durch Rodung auffällig lichter? Diesen Eindruck hat ein Syker Bürger (Name ist der Redaktion bekannt). Der Syker ist nach eigenen Worten ein eifriger Nutzer des Staatsforsts im östlichen Bereich der Stadt. Seit einigen Jahren sei er skeptisch, wie viel Holz jedes Jahr zum Verkauf geschlagen werde.

In den vergangenen Monaten hat er zwei Flächen (nördlich und südlich der Friedeholzstraße) entdeckt, die komplett gerodet wurden. „Vor der Rodung konnte ich an diesen Stellen nicht durch den Wald sehen, so dicht standen die Bäume“, erklärt der Syker.

Wirtschaftliche Aspekte sind für ihn kein Argument für diese Maßnahmen, da die Holzpreise derzeit im Keller seien. Zudem findet der Syker, dass Aufforstung durch Laubbäume vorsichtiger erfolgen könne, wie es schon an anderen Stellen im Friedeholz passiert sei.

Revierförster Heinz-Dieter Tegtmeier bestätigt die Rodungen, hat darauf aber berufsbedingt eine ganz andere Sichtweise. Der Kahlschlag nördlich der Friedeholzstraße sei eine notwendige Antwort auf den massiven Befall von Borkenkäfern gewesen. Der dortige Nadelholzbestand sei komplett von Borkenkäfern befallen gewesen. „Die Bäume waren alle krank und mussten gefällt werden“, so der Revierförster, der von einer Neubepflanzung des gerodeten Gebiets spricht.

Ist der Borkenkäfer zur ernsthaften Gefahr für die Syker Wälder geworden? „Nein“, sagt Tegtmeier und verweist auf den Lieblingsbaum der Käfer: die Fichte. Die habe aber nur einen Anteil von etwa zwölf Prozent in den beiden Staatsforsten Friedeholz (425 Hektar Fläche) und Westermark (701,5 Hektar).

60 Prozent seien Laubhölzer, vorwiegend Buchen, den Rest teilten sich Kiefer, Tanne, Douglasie, Lärche und Fichte. „Die Problembaumart ist und bleibt die Fichte“, betont der Fachmann.

Anders als im Harz oder Solling mit relativ hoher Fichten-Population und entsprechender Borkenkäfer-Anfälligkeit sind die Syker Wälder nach Auffassung des Revierförsters noch resistenter gegen Schädlinge. „Wir spüren die Schäden aber auch“, räumt Tegtmeier ein, spricht von einer Entwertung des Holzes, von sinnvoller Wiederaufforstung und von einer Betonung auf klimastabile Mischwälder. „Wichtig ist, dass wir die Borkenkäferwälder als Schwachstellen erkennen“, so der Revierförster. Der Befall der Schädlinge sei zu verschmerzen und biete gleichzeitig die Chance, einen stabilen Wald für die Zukunft aufzustellen.

Bleibt aber aktuell noch die zweite Rodung südlich der Friedeholzstraße. Die betrifft laut Tegtmeier einerseits die Staatsforst als auch eine Forstgenossenschaft. Bei der Forstgenossenschaft sei auch der Borkenkäfer Grund für die Rodung gewesen, bei der Staatsforst nicht. Hier seien alte Buchen geschlagen worden. Für den Experten eine normale Durchforstung und forstliche Maßnahme. „Wir haben das starke Holz genutzt“, sagt er und meint damit gut 100 Jahre alte Buchen. Die hätten ihr Endwachstum erreicht und seien jetzt genutzt worden. „Das war kein Kahlschlag, sondern eine Chance, auf natürlichem Weg den Wald zu verjüngen und das Kronendach für mehr Licht zu durchbrechen“, erklärt der Revierförster.

Werden denn dort jetzt wieder junge Bäume gepflanzt? „Nein“, betont Tegtmeier. Der neue Wald entstehe quasi von selbst. Aus den Bucheckern, den Früchten, die die gefällten Buchen im Boden hinterlassen hätten. Für Tegtmeier wird mit jungen nachwachsenden Laubbäumen auch so das Prinzip Nachhaltigkeit umgesetzt.

Die Flächengröße der beiden Staatsforsten Friedeholz und Westermark beträgt übrigens mehr als 11 Millionen Quadratmeter Wald. Zum Vergleich: Ein Fußballfeld misst etwa 7140 Quadratmeter.

Von Detlef Voges

Eine Rodung im Friedeholz. Laut Revierförster Tegtmeier ist das nicht automatisch mit dem Begriff „Kahlschlag“ gleichzusetzen. Der Syker Bürger, der diesen Anblick fotografiert und mit der Redaktion geteilt hat, zeigt sich skeptisch gegenüber der Menge an geschlagenem Holz.

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