Modernes Orchester des TuS Syke setzt mit Youtube-Video ein Zeichen der Geschlossenheit

Kein Berg zu hoch

Nils Kahl und Sabine Rosenbrock sind die führenden Köpfe beim YouTube-Auftritt des Modernen Orchesters. Im Vordergrund auf dem Laptop: Das Programm, mit dem Nils Kahl die Bild- und Tonspuren zusammengemixt hat.
+
Nils Kahl und Sabine Rosenbrock sind die führenden Köpfe beim YouTube-Auftritt des Modernen Orchesters. Im Vordergrund auf dem Laptop: Das Programm, mit dem Nils Kahl die Bild- und Tonspuren zusammengemixt hat.

Mit einem Motown-Klassiker meldet sich das Moderne Orchester des TuS Syke mitten in der Pandemie zurück. „Ain’t No Mountain High Enough“ hat das Ensemble eingespielt und als Video auf Youtube hochgeladen. Ausgeheckt haben das Schlagzeuger Nils Kahl, der das Video auch produziert hat, und die künstlerische Leiterin Sabine Rosenbrock.

  • Schlagzeuger Nils Kahl debutiert als Produzent, Bild- und Tontechniker
  • Smartphone-Mikros ausgetrickst
  • Extrem große Datenmengen

Syke - „Sowas ähnliches hatten wir im ersten Lockdown schonmal gemacht. Allerdings lange nicht so ausgereift, und auch nicht auf Youtube“, erzählt Rosenbrock. Anfang des Jahres sei dann die Frage „können wir nicht wenigstens irgendetwas zusammen machen?“ bei den zur Tatenlosigkeit verdammten Musikern immer lauter geworden. Und dann hat die Chefin rumgefragt: Wer hat Ideen? Wer macht mit?

„Weil sich sehr viele gemeldet hatten, konnten wir ein Stück aus unserem regulären Repertoire nehmen. Das hab ich selber ausgesucht.“

Als erstes haben sie und Nils Kahl zusammen einen Backing-Track erstellt – heißt konkret: einmal Schlagzeug und Bass eingespielt – mit dem die anderen Musiker dann ihren Part üben konnten und den sich jeder anschließend auch bei der Aufnahme über Kopfhörer zugespielt hatte. Weil: Ein Orchesterstück macht ja nur Sinn, wenn alle das gleiche Tempo dabei draufhaben.

„Jeder hat das einzeln bei sich zuhause aufgenommen“, erzählt Nils Kahl. „Die Idee war erst, dass wir das einzeln im Proberaum machen und dann mit einem richtigem Mikrofon und richtigem Aufnahmegerät aufnehmen. Das haben wir aber wieder verworfen.“ Vor allem, weil Corona das kaum zugelassen hätte.

Tatsächlich haben fast alle Musiker ihren Part mit dem Smartphone aufgenommen. Klang und Bildqualität sind dafür erstaunlich gut. Ganz ohne Tricks ging das allerdings nicht. „Das größte Problem waren die Smartphone-Mikrofone“, erklärt Nils Kahl. „Die komprimieren alles: Den Frequenzumfang und die Dynamik.“ Musik wird aber erst lebendig durch das Zusammenspiel von hoch und tief und laut und leise. Wenn ein Mikrofon das aber so nachregelt, dass alles auf einem möglichst konstanten Niveau bleibt, ist das vielleicht gut für die Sprachübertragung. Für Musik ist das allerdings Gift. „Bei Apple kann man das in den Einstellungen so konfigurieren, dass das Mikrofon verlustfrei aufnimmt. Für Android-Smartphones geht das über eine App.“

Screenshot vom virtuellen Mischpult. Unten: Die zeitliche Anordnung der einzelnen Tracks, wer wann was macht. Oben rechts: Das Bearbeitungsfenster. Und oben links: Das Resultat.

„Das Aufnehmen selbst hat im Großen und Ganzen sehr gut funktioniert“, sagt Sabine Rosenbrock. „Obwohl es völlig anders war, als wenn man mit 50 Anderen zusammenspielt. Hier hat ja jeder immer nur sich selbst gehört.“

Die nächste Hürde waren die Datenmengen. Denn die einzelnen Aufnahmen mussten ja irgendwie zu Nils Kahl kommen. Die Audio-Dateien waren da nicht weiter wild. Aber Video-Dateien sind sehr viel umfangreicher. Zweieinhalb Minuten Video kommen – je nach Gerät – locker auf ein paar hundert Megabyte. Eine Größenordnung, die kein E-Mail-Server durchlässt. „Ich hab eine Drop-Box eingerichtet, auf die jeder seine Dateien hochladen konnte“, sagt Kahl. „Die größte Datei war über 1 GB groß. Allein das hat bei mir eine halbe Stunde gedauert, um die runterzuladen.“

Und dann ging für ihn die eigentliche Arbeit los. Erster Schritt: Die vielen einzelnen Aufnahmen überhaupt erstmal synchron zu kriegen. Die eine hat vielleicht zehn Sekunden Vorlauf, bis die Musik losgeht, die andere nur fünf und so weiter. „Ich hab das alles mit einem virtuellen Mischpult am PC editiert. Aber trotzdem musste ich ja jede Einzelaufnahme manuell schneiden“, sagt Kahl.

Beim Rest haben ihm dann die Partitur geholfen (wer fängt wann an?) und die Software, die es ihm erlaubte, die Aufnahmen nach Takt und Schlägen zu synchronisieren statt nach Minuten und Sekunden.

Das eigentliche Abmischen des Sounds war sehr viel Hörarbeit, sehr viel Pause – irgendwann ist man sozusagen akustisch einfach blind und muss ein paar andere Klänge ist Ohr kriegen, um wieder unterscheidungsfähig zu werden – und viel Fingerspitzengefühl. Sabine Rosenbrock hat dabei geholfen. „Nils hat mir ein paarmal einen Probe-Mix zugeschickt, und dann haben wir uns abgestimmt.“

Für das fertige Video hat Nils Kahl eigens einen YouTube-Kanal erstellt. Seit ein paar Tagen ist es online.

Zum Video

Von Michael Walter

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Meistgelesene Artikel

Landkreis Diepholz: Todesfall nach Astrazeneca-Impfung – Staatsanwaltschaft ermittelt

Landkreis Diepholz: Todesfall nach Astrazeneca-Impfung – Staatsanwaltschaft ermittelt

Landkreis Diepholz: Todesfall nach Astrazeneca-Impfung – Staatsanwaltschaft ermittelt
Familienfehde in Diepholz: Großer Polizeieinsatz

Familienfehde in Diepholz: Großer Polizeieinsatz

Familienfehde in Diepholz: Großer Polizeieinsatz
Unfall auf Landesstraße 349 in Kirchdorf fordert vier schwer Verletzte

Unfall auf Landesstraße 349 in Kirchdorf fordert vier schwer Verletzte

Unfall auf Landesstraße 349 in Kirchdorf fordert vier schwer Verletzte

Kommentare