Katie Freudenschuss überzeugt mit Wortwitz, lässt aber etwas die Überraschung vermissen

Eine Frau der vielen Worte

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Katie Freudenschuss sang im Gleis 1 ironische sowie satirische Lieder.

Syke - Von Tobias Kortas. Ein Abend mit Katie Freudenschuss ist ein aufregendes Erlebnis: Die Comedienne ist ein wortgewaltiges Energiebündel, bei dem man nie sicher sein kann, was als nächstes passiert. Die Gäste im fast ausverkauften Gleis 1 konnten sich am Samstag davon überzeugen.

„Zwischen uns hat es gefunkt, Hans-Hermann“, spricht die Hamburger Sängerin und Pianistin einen Rentner aus dem Publikum an. Sofort beginnt sie, den ehemaligen Müller und seine Frau Erika auszufragen, um gleich darauf ein spontanes Lied über das Ehepaar und sich selbst anzustimmen.

„55 Jahre lang wart ihr zu zweit, doch jetzt seid ihr für einen Dreier bereit“, singt Freudenschuss. Das Publikum lacht herzhaft und würdigt das Improvisationstalent der Kabarettistin mit frenetischen Klatschen.

Freudenschuss zeigt sich mit ihrem Programm „Bis Hollywood is eh zu weit” quirrlig: Läuft auf der Bühne hin und her und demonstriert, dass sie eine Frau der vielen Worte ist. „Katie Freudenschuss ist ja gar nicht mein richtiger Name. In Wahrheit heiße ich nämlich Katja Freudenschuss“, witzelt sie – die ersten Lacher sind ihr sicher. Als Anästhesistin könne man mit diesem Namen nicht arbeiten, wohl aber als Sekretärin in einer Samenbank.

„Den Schuss haben Sie aber gehört?“, fragt eine Frau aus dem Publikum. Das werde man schon noch sehen.

Es sind die schnellen Wechsel zwischen Stand-up-Comedy und dem Pianospiel und Singen, die den Auftritt spannend machen. So bei „meinem großen Hit“: Schnell hüpft sie an das Piano und singt den „Bratmaxe-Song“ aus der Fernsehwerbung. Es folgt eine kurzweilige Reise durch die deutsche Werbe-Landschaft, die in einer Parodie der Schöfferhofer-Reklame ihren Höhepunkt findet. „Lieber ‘arald, kannst du mir nicht schicken Parfum, Entenkeule und die Bier…“, fragt dort eine Französin mit aphrodisierter Stimme. „Was soll denn daran erotisch sein, wenn irgendwo in Frankreich ein Paket ankommt, in dem eine fettige Entenkeule auf dem Bier klebt?“, meint Freudenschuss.

Schließlich zieht die Songschreiberin über Fernsehsendungen her. In einem Zug nimmt sie Formate wie „Frauentausch“, „Mitten im Leben“ oder das RTL-Dschungelcamp aufs Korn. „Das sind ja die besten von 150 Ideen“, meint Freudenschuss. „Ich will gar nicht wissen, wie der Rest aussah.“ Ein Einwand, der einen ein Schmunzeln abringt, aber nicht unbedingt überrascht.

Unterhaltsamer wird es, als die Hamburgerin die Frage aufwirft, wie wohl ein Sendungsformat bei RTL in zwei bis drei Jahren aussehen könne. Darauf stimmt sie mit ihrer warmen Stimme ihr Lied „Deutschland sucht den Super-Obdachlosen“ an.

Zwischendurch rappt sie energisch: „Du steigst wie Phoenix aus der Asche. Liegst niemanden mehr auf der Tasche.“ Es ist eine herrliche Satire, die von einer Steigerung der sozialen Abgründe, die im Fernsehen gezeigt werden, erzählt.

Etwas dröge wird es, als Freudenschuss von Einsamkeit und dem Single-Leben erzählt. „35 ist ein scheiß Alter, um Single zu sein“, singt sie. Während sich andere verliebt anschauen würden, sehe man selbst nur den Fisch an. Wer die Situation kennt, denkt wohl lieber an etwas anderes. Wer sie nicht kennt, bei dem kommt dieser Humor nur schwer an.

Es war ein Abend voller Pointen, Ironie und Melancholie. Freudenschuss bewies Können und ihren Sinn für Improvisation. Am Ende vermisst man bei der Kabarettistin vielleicht ein bisschen die Abwechslung.

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