„Das kann ja sonst keiner“

Eine Woche vor der Gewerbeschau in Barrien: Zu Besuch bei Marktmeister Horst Saade

Horst Saade ist mittlerweile 73 und noch immer mit ganzem Herzen bei der Planung für die Barrier Gewerbeschau. „Das macht mir einfach Spaß“, sagt er. Foto: Michael Walter
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Horst Saade ist mittlerweile 73 und noch immer mit ganzem Herzen bei der Planung für die Barrier Gewerbeschau. „Das macht mir einfach Spaß“, sagt er.

Den einen von zwei Rechnern auf seinem Schreibtisch hütet Horst Saade wie einen Schatz. Der andere ist ein ganz normaler Computer. Aber dieser eine da fällt eher schon unter die Rubrik Technikmuseum.

Lilienthal - „Der läuft noch mit Windows XP“, erklärt der 73-Jährige. Gut: Das tun andere Rechner vielleicht auch. Aber genau diese eine Kombination aus „historischer“ Hard- und Software ist die einzige, auf der Saade sein altes CAD-Programm aus MS-DOS-Zeiten noch zum Laufen kriegt. Und das braucht er. Sonst gäbe es in Barrien wohl keine Gewerbeschau.

CAD steht für „Computer Aided Design“. Damit konstruiert man Werkteile, Automotoren oder Tragflächen. Horst Saade macht damit die Stellpläne für die Ausstellungszelte auf der Gewerbeschau. „Wenn du das so planen willst, dass hinterher auch alles passt, kommst du um so was nicht herum.“

Barrien: 15. Gewerbeschau für Saade

Saade muss es wissen. Es ist seine 15. Gewerbeschau, die er gerade vorbereitet. Beim ersten Mal hatte er die Stellpläne noch mit Tapeten und Haftzetteln ausgeschnippelt und geklebt. Hat auch funktioniert. Aber eher schlecht als recht. Ein Bekannter hatte ihm danach das Programm schmackhaft gemacht. Eine „AutoSketch“-Version von 1988. Nach heutigen Maßstäben hoffnungslos veraltet. Ein Dinosaurier. Aber für den Zweck reicht’s. Darf halt nur nichts mit dem PC passieren.

Saade: „Moderne Software ist unbezahlbar. Es gibt zwar auch freie Sketchprogramme. Aber die sind beschissen zu bedienen.“ Ist ja nicht so, dass er sich nicht umgesehen hätte.

Bis 1986 hatte Horst Saade einen Autoteilehandel in Bremen. Mit dem zog er dann an die Sudweyher Straße in Barrien um und trat dem Werbering bei. „Die Gewerbeschau hatte damals Günter Böttcher organisiert“, erinnert Saade sich. „Ich bin da immer mit Verbesserungsvorschlägen aufgefallen. Irgendwann hatte der Vorsitzende Erwin Nienaber die Nase voll und gesagt: Dann mach das doch selbst! Böttcher war, glaub ich, ganz froh, dass er das los war.“

Umzug nach Lilienthal

1998 verlagerte Saade sein Geschäft wieder nach Bremen. 2011 wurde er 65. „Da hab ich die Bude zugemacht.“ Zwei Jahre später zog er mit seiner Frau nach Lilienthal. Dem Barrier Werbering und der Gewerbeschau hielt er aber all die Jahre stets als Marktmeister die Treue. Bis vor zwei Jahren. Da war dann offiziell Schluss und Saade wurde nach Ende der Schau feierlich in den Ruhestand verabschiedet. „Aber wie das so ist“, grinst er.

Im Prinzip hat er sich selber reaktiviert. Und da kommt wieder sein fossiler Rechner ins Spiel. „Das kann ja sonst keiner bei uns im Club“, sagt er.

Und dann wird er ein bisschen ernster. Im Grunde hatte Saade sich nur aus gesundheitlichen Gründen von der Gewerbeschau verabschiedet. Das Herz. Und die letzte Phase vor Beginn ist purer Stress. „Das letzte halbe Jahr davor ist ein Fulltime-Job“, sagt er. Jetzt teilt er sich den mit dem Werberingvorsitzenden Christian Eilers. „Das macht richtig Spaß. Wir ergänzen uns hervorragend. Christian macht ganz viel im Hintergrund, was ich früher auch am Hacken hatte. Die ganzen Anmeldungen zum Beispiel.“

Gewerbeschau: Saade auch zukünftig Marktmeister?

Trotzdem ist Saade jeweils eine Woche vor und nach der Schau praktisch jeden Tag auf dem Platz. Er zählt auf: „Montag wird das Zelt gebracht, ab Mittwoch werden die Stände aufgebaut. Freitag ist Eröffnung und Sonntag um 18 Uhr Feierabend. Bis Mittwoch wird dann abgebaut, und Donnerstag geben wir den Schlüssel für das Schiebetor wieder ab.“

Ob er in zwei Jahren auch noch die 20. Barrier Gewerbeschau plant? „Hängt davon ab, wie ich gesundheitlich drauf bin“, sagt Saade. „Vielleicht findet sich ja einer, der ein neues CAD-Programm hat. Und die nötige Zeit. Und dem Werbering beitreten will.“ Im Klartext: Eigentlich würde er gern weitermachen. „Das ist mein Hobby“, sagt er. „Das macht mir Spaß. Aber man merkt, dass man nicht mehr so leistungsfähig ist.“

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