Grundstückssuche als Geduldsspiel

„Wo kann ich hier was bauen?“

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Auf dieser Wiese soll das Neubaugebiet Lerchenfeld II entstehen. Es liegt zwischen Nordwohlder Straße und Bassumer Landstraße. Links im Bild: Das angrenzende Gebiet Lerchenfeld I.

Syke - Von Michael Walter. Die Suche nach einem Baugrundstück kann in Syke ganz schön frustrierend werden. Die größeren Baugebiete sind praktisch voll, neue sind noch nicht aufgelegt und es gibt im Grunde nur noch hier und da vereinzelte Lücken zwischen vorhandener Bebauung. „Ich suche seit Jahren ein Grundstück in Syke und kriege keins“, klagte kürzlich ein frustrierter Bauwilliger im Fachausschuss. „Auf jedes vorhandene Grundstück kommen 130 Bewerber.“

Eine Größenordnung, die die Stadtverwaltung weder bestätigen noch widerlegen kann. Sie führt darüber nicht Buch. Was ein Teil des Problems ist. „Wir haben keinen Baulückenkataster“, sagt Stadtplaner Wolfram Schneider. „Dafür ist Syke ganz einfach zu klein.“ Zumal die Stadt selbst auch gar keine Baugrundstücke vermarktet.

„Ich habe jeden Tag drei bis vier Anfragen: Wo kann ich denn hier was bauen?“, sagt Schneider. „Aber wir sind nicht Eigentümer der Baugrundstücke und können immer nur vermitteln.“

Die seit über 20 Jahren gängige Praxis in Syke ist: Die Stadt schließt zur Entwicklung von Baugebieten sogenannte Städtebauliche Verträge mit privaten Investoren ab, in denen geregelt ist, wo wie viele Häuser welcher Größe entstehen. Bau und Verkauf wickeln dann die Investoren ab. Vorteil für die Stadt: Sie müssen weder Erschließungskosten noch Folgekosten tragen. Der Nachteil: Sie hat auch nicht den Daumen auf den Parzellen. Folge: Niemand im Rathaus weiß, wie viele Baugrundstücke es überhaupt noch gibt.

Fakt ist: „Es gibt aktuell keine größeren zusammenhängenden Bauflächen mehr in Syke“, sagt Wolfram Schneider. „Was noch geht, läuft über Nachverdichtung auf bereits bebauten Gebieten.“ Die rund 30 Bauplätze in Okel, die 2016 von der Politik auf den Weg gebracht worden waren, sind laut Schneider bereits in der Vermarktung.

Wie geht's also weiter? – „Um die 30 Bauplätze werden gerade am Goldberg in Barrien entwickelt“, sagt Schneider. „Der Bebauungsplan ist in Vorbereitung.“ Anfang 2018 könne dort der erste Spatenstich erfolgen. Etwa sechs bis sieben Plätze entstehen an der Grünen Straße im Zuge einer Innenverdichtung, etwa noch mal so viele an der Kieler Straße. Das Baugebiet Sündenberg II ist laut Schneider noch in einer weit früheren Planungsphase. Etwa 50 Plätze könnten dort in mehreren Abschnitten entstehen, jedoch wohl nicht vor 2019.

Lerchenfeld II liegt derzeit auf Eis

Weit fortgeschritten sollte jetzt eigentlich schon das Baugebiet Lerchenfeld II im Syker Ortskern sein. Indes: Es liegt derzeit auf Eis. „Es gibt ein fertiges Konzept für 35 bis 40 Einfamilien- und Reihenhäuser plus vier Mehrfamilienhäuser“, sagt Schneider. „Wir waren ganz kurz vor dem Aufstellungsbeschluss. Aber die Politik hat das Thema vertagt.“

Hauptkritikpunkt: Der Investor habe eine 100-prozentige Bauträgerbindung durchdrücken wollen. Niemand, der dort ein Grundstück kauft, würde dann selbst entscheiden können, wer ihm sein Haus baut. So eine Bauträgerbindung halten Stadt und Politik laut Bürgermeisterin Suse Laue für maximal 50 Prozent des Baugebiets für tragbar. Die Verhandlungen darüber laufen. „Die Zusage des Investors steht noch aus. Danach kann es dann sehr schnell gehen.“ Heißt: Zwölf Monate ab Startschuss. Theoretisch.

Weitere Gebiete seien derzeit nicht in Planung, sagt Wolfram Schneider. Und Suse Laue ergänzt: „Wir prüfen gerade, ob eine stadteigene Wohnungsbaugesellschaft sinnvoll wäre. Ein Gutachten dazu ist in Vorbereitung.“

Die Idee dahinter: Auf diese Weise könnte die Stadt selbst Baugebiete vermarkten. „Dann wären wir aus der passiven Rolle in eine aktive geschlüpft“, so Laue. „Wir könnten selber planen.“

Was für die Stadt nicht zuletzt ganz besonders interessant wäre unter dem Aspekt der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.

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