1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz
  4. Syke

Doppelspitze der Syker Landfrauen verabschiedet sich

Erstellt:

Von: Michael Walter

Kommentare

Sind nach langer Zusammenarbeit beide raus aus dem Vorstand des Syker Landfrauenvereins: Heike Röpke (rechts) muss aus gesundheitlichen Gründen ihr Ehrenamt als Vorsitzende ruhen lassen. Und bei Birgit Thalmann greift satzungsgemäß das Hitparaden-Prinzip: „Dreimal dabeigewesen – bitte nicht wiederwählen!“ Archivbild: Heinfried Husmann
Sind nach langer Zusammenarbeit beide raus aus dem Vorstand des Syker Landfrauenvereins: Heike Röpke (rechts) muss aus gesundheitlichen Gründen ihr Ehrenamt als Vorsitzende ruhen lassen. Und bei Birgit Thalmann greift satzungsgemäß das Hitparaden-Prinzip: „Dreimal dabeigewesen – bitte nicht wiederwählen!“ © Heinfried Husmann

„Wenn’s am schönsten ist, soll man gehen“

Syke – Birgit Thalmann und Heike Röpke haben viele Jahre lang als ebenso engagierte wie charismatische Doppelspitze den Syker Landfrauenverein geprägt und nach außen verkörpert. Jetzt sind sie beide raus aus dem Vorstand. Und beide unfreiwillig.

Heike Röpke hätte eigentlich gerne als Vorsitzende weitergemacht, muss darauf aber aus gesundheitlichen Gründen verzichten. Ihr Ehrenamt ruht offiziell. Und bei Birgit Thalmann greift eine Regelung der Vereinssatzung, frei nach Dieter Thomas Heck damals bei der ZDF-Hitparade: „Dreimal dabeigewesen, bitte nicht wiederwählen.“

Wobei Birgit Thalmann durchaus infrage stellt, ob sie ohne diese Regelung noch einmal zur Wahl angetreten wäre. „Wenn’s am schönsten ist, soll man gehen“, sagt sie, „18 Jahre im Vorstand sind genug.“ Von denen sie drei Wahlperioden lang im Vorsitz war. „Streng genommen sogar fast vier“, sagt sie. Denn zu Anfang war sie als Nachrückerin in den Vorsitz gekommen.

18 Jahre in verantwortlicher Position beim Landfrauenverein: Da hat Birgt Thalmann allerhand erlebt. „Ich könnte Bände schreiben“, sagt sie und erzählt. Vom Ärger, den sie mit dem Finanzamt hatte, weil die Sachbearbeiterin die Jahresbeiträge für Monatsbeiträge gehalten und unterstellt hat, dass der Vorstand den Löwenanteil der Beiträge unterschlägt.

Der bekiffte Hotelier in Holland

Aber was ihr da vor allem hängen geblieben ist, sind die vielen Reisen, die sie für den Verein organisiert und gleitet hat. „Madeira, Irland, die Kanalinseln“, zählt Birgit Thalmann auf. „Zu etlichen örtlichen Reiseleitern von damals hab ich immer noch Kontakt.“

Der bekiffte Hotelier in Holland gehört allerdings nicht dazu: „Der hatte acht Zimmer zu wenig für uns reserviert. Am Ende haben zwar alle welche gekriegt. Aber da waren Zimmer dabei, für die hätten wir eigentlich noch Geld dazu bekommen müssen. Da sind wir auch nie wieder hingefahren.“

Oder das Hotel im Elsaß: „Oben der Himmel und unten die Hölle. Ich hab die Managerin gefragt: Wie können Sie denn nur so bescheuert sein, einer Gruppe so unterschiedliche Zimmer zu geben?“

Eine von Birgit Thalmanns Qualitäten ist das Krisenmanagement in solchen Situationen. „Wenn irgendwo etwas nicht funktioniert hat, haben wir immer noch was Schönes draus gemacht“, sagt sie. Im Elsaß ist ihr das ebenso gelungen wie in Irland, als ein fest eingeplantes Highlight der Reise unerwartet ausgefallen ist, weil die Reiseleitung vor Ort die Landfrauen schlicht vergessen hatte. Als Entschädigung gab es dann zwar „nur“ eine Runde Irish Coffee für alle. Aber eben nicht einfach nur so. „Die hatten sich da echt was einfallen lassen und das richtig zelebriert“, sagt Birgit Thalmann. „Dann schimpft in der Gruppe auch keiner mehr.“

„Das einzige, was ich bedauere“

Geschimpft hat sie selber im Geiste mehr als einmal. Meist hatte das mit Busfahrern zu tun. „Das einzige, was ich bedauere, ist: Dass ich in all den Jahren nicht selbst den Busführerschein gemacht habe. Ich hätte gerne öfter mal gesagt: Komm, rutsch rüber, ich fahre selbst.“ Birgit Thalmann betont ausdrücklich: „Wir hatten super herzliche Fahrer, die wirklich engagiert mitgedacht haben!“ Aber es gab eben auch oft genug das gegenteilige Extrem. Den muffeligen Sturkopf, der lieber stumpf der nachweislich falschen Verkehrsführung im Navi folgt, als auf Mitfahrer zu hören, die schon einmal dagewesen sind.

„Da fährt man dann halt sechsmal an der richtigen Zufahrt vorbei und im Kreis. Die Leute am Straßenrand haben unserem Bus schon zugewunken und gelacht: Da kommt er wieder!“ In Paris hat Birgit Thalmann einem besonders störrischen Exemplar dieser Gattung lieber einen freien Abend veschafft und für die Gruppe einen Taxi-Shuttleservice vom Hotel in die Innenstadt und zurück improvisiert, als sich gängeln und ärgern zu lassen.

18 Jahre in verantwortlicher Position beim Landfrauenverein: Was hat sich in dieser Zeit verändert? Da weiß Birgit Thalmann gar nicht, wo sie anfangen soll. Es gibt bei den Landfrauen kaum noch Mitglieder mit landwirtschaftlichem Hintergrund. Nicht zuletzt, weil es auch immer weniger Höfe gibt. Für Thalmann ist das eher eine Chance als ein Problem. Der Verein muss sich nur entsprechend darauf einstellen.

Klischee der Bauersfrau

Anja Petermann vom neu gewählten Vorstand stimmt ihr da zu: „Wir müssen umdenken. Die meisten Mitglieder haben ganz normale Berufe. Das heißt zum Beispiel, sie könnten nicht nachmittags zum Kaffeetrinken kommen. Dafür aber zu einer Abendveranstaltung ab 19 oder 20 Uhr.“ Was wiederum früher schwierig gewesen wäre. Birgit Thalmann: „Die Bäuerinnen, die um viertel nach fünf von der laufenden Veranstaltung aufbrechen, weil sie noch in den Kuhstall müssen, waren vor 20 Jahren noch normal. Heute gibt es die kaum noch.“

In der öffentlichen Wahrnehmung ist das Klischee der Bauersfrau aber immer noch in den Köpfen. Anja Petermann: „Ich kann ja gar nicht mitmachen, ich hab mit Landwirtschaft ja nichts am Hut – das höre ich oft. Muss man ja aber auch gar nicht.“

Auch an einem strukturellen Problem wird der Landfrauenverein arbeiten müssen: Der Überalterung. Anja Petermann: „Unser Altersdurchschnitt liegt bei 65.“ Der Vorsatz lautet daher, in Zukunft mehr Angebote für Kinder zu machen, um auf diesen Weg an die Mütter heranzukommen.

Die Verabschiedung der bisherigen Vorstands-Doppelspitze auf der Mitgliederversammlung Ende April schildert Thalmann als sehr emotional. Inklusive Gesangseinlage von einer Musical-Darstellerin als Abschiedsgeschenk. „Es war so feierlich!“ Ihre und Heike Röpkes Nachfolge übernehmen zunächst die bisherigen Beisitzerinnen Ilse Müller und Sandra Lammers kommissarisch für ein Jahr. Birgit Thalmann tritt damit als „einfaches“ Mitglied in den Hintergrund. Und wer weiß: Vielleicht nutzt sie ja die so gewonnene Zeit, um doch noch ihren Busführerschein zu machen?

Auch interessant

Kommentare