Moderne Methode spart Zeit und Geld

Grabenlose Sanierung am Hachedamm: Ein Kanal im Kanal

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Die Mitarbeiter der Firma Huneke demonstrieren „über Tage“, wie die UV-Lichterkette durch den Schlauchliner geführt wird und das Material durch das ultraviolette Licht aushärtet. 

Syke - Von Frank Jaursch. Was tun, wenn der Schmutzwasserkanal leckt? Die Antwort hörte sich bislang ebenso zeitraubend wie kostspielig an: aufbuddeln, reparieren, zubuddeln. Die Stadt Syke hat in den vergangenen Wochen von einer eleganten Alternative profitiert: Der Kanal unter dem Hachedamm ist in „geschlossener Bauweise“ saniert worden – schnell, zuverlässig und viel günstiger.

Das Konzept ist verblüffend einfach: Ein Schlauchliner – ein mit Harz und Härter getränkter, flexibler Schlauch aus Glasfaser – wird in den ausgewaschenen Kanal gelegt. Überdruck sorgt dafür, dass sich der Schlauch aufbläst und an die Innenwand der Altleitung legt. Und eine langsam durch die Leitung wandernde UV-Lichterkette besorgt in wenigen Minuten das Aushärten der nur vier Millimeter dicken Schlauchwand. Fertig ist der neue Kanal im Kanal.

„Das perfekte Verfahren“, freut sich Lars Brunßen vom Tiefbauamt der Stadt. Mit Zahlen verdeutlicht er, wie groß die Vorteile der neuen Methode sind. „Auf normalem Weg schafft man am Tag so etwa drei Meter“ – eine Maßnahme wie die am Hachedamm, wo es um fast 500 Meter Länge geht, würde also schon mal Bauarbeiten von fünf bis sechs Monaten nach sich ziehen.

Und wie schnell ist die grabenlose Kanalsanierung? Die Spezialisten der Firma Huneke aus Norden geben eine beeindruckende Antwort: Sie haben in Syke an einem einzigen Vormittag 128 Meter Schlauchliner verlegt.

Drei Wochen statt sechs Monaten

Insgesamt dauerte die gesamte Maßnahme etwa drei Wochen. Schließlich mussten auch die meisten der Anschlussleitungen zu den Häusern auf diese Weise erneuert werden. Der Großteil davon hatte, ebenso wie der Kanal selbst, gut und gerne 50 Jahre auf dem Buckel.

Dass es Zeit für eine Erneuerung war, war vor etwa zwei Jahren deutlich geworden: Durch undichte Muffen war Grundwasser in den Kanal gedrungen – ein klarer Arbeitsauftrag für die Verwaltung.

Rund 145 000 Euro kostet die Sanierung. Eine Menge Geld, aber nur ein Bruchteil dessen, was das Aufreißen der Straße gekostet hätte. Mal ganz abgesehen davon, dass der Hachedamm gerade erst erneuert worden war. Zum Zeitpunkt der Straßensanierung war aber bereits klar, dass im Kanal sozusagen minimalinvasiv gearbeitet werden würde. „Wir wussten ja, was wir hier machen“, versichert Bürgermeisterin Suse Laue.

Schon seit etwa 30 Jahren gibt es diese Methode der Kanalsanierung, aber erst in den letzten zehn Jahren kam sie richtig „in Mode“. Weil auch hier die Technik immer weiter geht.

Die Lebensdauer der neuen Kanäle schätzt Ines Hamjediers vom Ingenieur-Dienst Nord (IDN) auf 30 bis 50 Jahre. Das Unternehmen hat die Planung der Maßnahme übernommen. Hamjediers weiß, dass nicht nur die Kosten und das Tempo für die neue Methode sprechen. Durch das Verwenden des Schlauchliners gibt es keine Muffen, keine Übergänge – und damit auch keine Problemstellen.“

„Die lange Erfahrung der Kollegen hilft natürlich“

Bauleiter Lothar Müller von der Firma Huneke kann sich auf ein routiniertes Team verlassen. „Die lange Erfahrung der Kollegen hilft natürlich“, erklärt er. Insgesamt vier Kolonnen sind für unterschiedliche Arbeiten in Syke am Start gewesen.

Huneke-Mitarbeiter Frank Schwitters fräst in Zentimeterarbeit die Übergänge in die Anschlussleitungen – per Fernbedienung, mit Hilfe von Joystick, Tastatur und Monitor. Die Verbindung von Kanal und Anschluss wird später mit Hilfe einer Hutmanschette verschlossen.

Für derartige Arbeiten gibt es „einen begrenzten Markt“, weiß Hamjediers. Nicht viele Unternehmen können das, was Müller und seine Männer können. Nach dem Abschluss der Arbeiten geht es für das Team in Richtung Heimat, nach Emden. Und nach Ostern erhält Höxter einen neuen Kanal im Kanal.

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