Kanadischer Exil-Syker Gordon Gamlin rollt mit den Stones rund um die Welt

Sein größter Traum: Einmal mit Keith Richards spielen

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Zweimal Gordon Gamlin: Links 1982 als Gitarrist bei einem Open Air-Konzert in Syke, das wenig später von der Polizei wegen überhöhter Lautstärke beendet wurde. Rechts im Estadio do Maracana in Rio de Janeiro vor der großen Show der Rolling Stones.

Syke - Von Ulf Kaack. Obwohl er seit über drei Jahrzehnten eigentlich rund um den Globus zu Hause ist, fühlt er sich immer noch als Syker: Gordon Gamlin. Vor allem behauptet er nicht völlig grundlos, der größte Fan der Rolling Stones in der Hachestadt zu sein. Bereits 16 Mal hat er die britische Band live erlebt.

Der heute 50-Jährige wuchs am Hachedamm auf, besuchte in Syke die Grundschule, Orientierungsstufe und anschließend das Gymnasium. Mit zwölf Jahren begann er mit dem Gitarre spielen, lernte zunächst einfache Volks- und Wanderlieder. „Als mir mein Gitarrenlehrer dann „You Can’t Always Get What You Want“ von den Stones vorspielte und mir anschließend die Akkorde dazu beibrachte, hat es wohl eine Synapse im Hirn zerlegt“, grinst Gordon Gamlin. „Ich kaufte mir bei Radio Nehring an der Hauptstraße alle Alben, besorgte mir die Noten sämtlicher Songs und lernte sie auswendig.“ Keith Richards wurde zum Helden des unrettbar infizierten Jugendlichen. Vom Konfirmationsgeld legte er sich eine E-Gitarre zu. Eine halbakustische Gibson ES 347, ganz in schwarz mit goldener Mechanik und Perlmutt-Einlässen in den Bünden, wie sie sein Vorbild spielte.

Er schloss sich der Band Taurus III an, die in den frühen 80ern in der Region recht bekannt war. Das erste Mal live erlebte Gordon die Rolling Stones am 6. Juni 1983 in Hannover auf ihrer Tattoo You Tour. „Auf dem Schulhof ging er uns damals wochenlang vor und nach dem Konzert auf die Nerven“, amüsiert sich sein damaliger Mitschüler Olaf Bergann noch heute. „Sarkastische Freude bereitete ihm die Tatsache, dass die Stones-Fans im Vorprogramm Peter Maffay mit Obst bewarfen und gnadenlos von der Bühne pfiffen.“ Unmittelbar nach dem Abitur wanderte Gordon Gamlin mit seinen Eltern Horst und Hildegard sowie Schwester Janet nach Kanada aus. „Wir dachten, dass er dort entweder als Leadgitarrist bei den Rolling Stones oder als Straßenmusiker unter einer Brücke enden wird“, erinnert sich Olaf Bergann.

Lehrstühle in Kanada und Japan

Doch es kam anders: Gordon studierte Germanistik und deutsche Literatur. Er wurde Professor an der University of British Columbia in Vancouver und hat einen Lehrstuhl im japanischen Kobe. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, seine Affinität für die Herren Jagger, Richards, Watts, Wood und dem zwischenzeitlich abtrünnigen Wyman weiterhin exzessiv auszuleben. Noch weitere 15 Mal besuchte er Rolling Stones-Konzerte, und zwar in Montreal, London, Paris, Vancouver, Basel, Albuquerque, Osaka, Los Angeles, Inglewood, Anaheim, Kansas City und aktuell am 20. Februar in Rio de Janeiro. Bei einem Konzert in den USA traf er Frank Countryman wieder, den er 1982 als Austauschschüler am Syker Gymnasium kennengelernt hatte.

Und auch seine Beziehungen zum weiblichen Geschlecht orientieren sich am Rolling Stones-Zyklus, lächelt Gamlin: „Zu jeder größeren Tournee hatte ich stets eine große Liebe. Immer so nach zehn Jahren begann dann das Gemecker über die ewig präsenten Stones sowie kritische Auslassungen über mein Gitarrenspiel. In solchen Situationen habe ich mich bislang konsequent für die Stones entschieden.“ Sein größter Traum ging bislang nicht in Erfüllung: Ein Treffen mit der Band, oder am besten gleich eine Jam-Session mit Keith Richards. „Das wird wohl eine liebenswerte Utopie bleiben“, sinniert der kanadische Professor mit Realitätsnähe. „Da ist ein bereits lange überfälliges Treffen mit den alten Kumpels aus Syke schon eher greifbar. Am besten, wenn die Stones in der Nähe spielen. Bis dahin begnüge ich mich mit der Vorfreude auf das nächste Album.“

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