Freie Wählergemeinschaft will neue Nutzungskonzepte und Zwischenlösungen

Kampf dem leeren Laden

Viele Geschäftsräume in der Innenstadt stehen leer. Oft schon jahrelang. Dagegen will die FWG jetzt etwas unternehmen.
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Viele Geschäftsräume in der Innenstadt stehen leer. Oft schon jahrelang. Dagegen will die FWG jetzt etwas unternehmen.

Syke – Neue Nutzungskonzepte für die vielen Leerstände in der Syker Innenstadt möchte die Freie Wählergemeinschaft (FWG) entwickeln. Dazu sollen sich die Bürgermeisterin und der Wirtschaftsförderer mit den Eigentümern der Immobilien zusammentun.

Es ist seit Jahren ein vertrautes Bild: Im vorderen Teil funktioniert die Hauptstraße noch, ab der Z-Kreuzung häufen sich jedoch die leer stehenden Ladenlokale, und das setzt sich fort über Bassumer Straße und Bahnhofstraße. Aus den unterschiedlichsten Gründen: Weil der bauliche Zustand zu wünschen übrig lässt, weil die Preisvorstellungen der Eigentümer sich am Markt nicht erfüllen lassen, weil der Zuschnitt nicht stimmt, weil es noch überhaupt keine konkrete Idee für eine Nachnutzung gibt oder weil das Haus ganz einfach auf den Abriss wartet. Da ist so ziemlich alles dabei.

Genau da setzt die FWG an. Das Ziel: Für all diese unterschiedlich gestrickten Fälle möglichst schnell und möglichst unbürokratisch wenigstens Zwischenlösungen zu finden. Konkret: „Bezahlbare Arbeits- und Produktionsräume für Unternehmer und Freiberufler“, wie es in dem Antrag heißt, den die FWG jetzt im Rat der Stadt einbringt.

Mehrere kleine Unternehmen könnten sich dabei eine größere Fläche teilen. Solche „Co-Working-Spaces“ und „Creative Labs“ hätten sich anderenorts bereits gut bewährt, heißt es in der Begründung. Und sie seien eine nicht zu unterschätzende Alternative zur klassischen Ladenfläche.

„Der Antrag kommt aus unserer Basis“, erklärt Fraktionsvorsitzender Andreas Schmidt. „Und ich finde die Idee dahinter ganz hervorragend.“ Schmidt sieht darin eine reelle Chance, einer weiteren Verödung der Innenstadt entgegenzuwirken.

So sieht es auch Florian Kastner, der zum einen Schmidts Fraktionskollege bei der FWG ist und zum anderen der Vorsitzende der Syker Werbegemeinschaft. Durchaus pikant: Kastner steht damit im Gegensatz zu seinem Geschäftsführer Michael Lux. Denn der ist von dieser Idee keineswegs begeistert.

„Ich kann es nicht gutheißen, Flächen, die eigentlich für den Einzelhandel zur Verfügung stehen sollen, gewerblich anders zu nutzen“, sagt Lux. „Es müsste einen Ansatz geben, Einzelhandel in die Stadt zu ziehen. Büroflächen haben wir dort schon genug.“

Einen solchen Ansatz pro Einzelhandel hatte die Werbegemeinschaft selbst schon mal in Form eines Antrags an den Rat gestellt. Die Idee war seinerzeit: Die Stadt sollte durch direkte Zuschüsse an die Eigentümer günstigere Mieten für die Betreiber neuer Einzelhandelsunternehmen ermöglichen. „Dieser Antrag ist aber nie weiterverfolgt worden“, sagt Lux.

Aus seiner Sicht sei es von zentraler Bedeutung, die Innenstadt für den Publikumsverkehr attraktiv zu machen. Denn von mehr Frequenz würden alle profitieren, etablierte wie neue Unternehmen, und letztlich auch die Kunden selbst. Start-ups, Co-Working-Spaces und Creative Labs hält Lux für an sich durchaus gute Ideen. „Aber die müssen nicht in der Innenstadt sitzen.“

Schmidt und Kastner sehen das anders. Sie argumentieren dabei mit der negativen Außenwirkung, die von den aktuell bestehenden Leerständen ausgeht. Und die werde mit der Zeit nicht besser. Wenn die zur Verfügung stehenden Geschäftsräume für den Handel nicht interessant genug seien, müssten sie eben anders genutzt werden. Und sie betonen, dies sei ja ausdrücklich nur als Zwischenlösung gedacht. Mit kurzen Mietverträgen für größtmögliche Flexibilität auf Mieter- wie Vermieterseite.

Michael Lux ist skeptisch. „Wenn ich ‘ne Bürofläche habe und die Schaufenster mit Lamellen abhänge, sieht das von außen auch nicht viel besser als ein Leerstand aus. Und wenn ich Vermieter bin und ein Start-up in meinem Lokal habe: Warum soll ich mir dann noch den Allerwertesten aufreißen und jemand anderen suchen? Ein Vermieter hätte am liebsten eine Krankenkasse. Die bleibt lange und zahlt pünktlich ihre Miete.“

Von Michael Walter

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