Kabarettistin Marianne Schätzle überzeugt nach mäßigem Beginn als Kanzlerinnen-Double

Erst mit Merkel kommt der Spaß

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Marianne Schätzle als Reinigungsfachfrau. Die Kabarettistin drehte im Gleis 1 erst nach der Pause als „Mutti der Nation“ auf.

Syke - Die Mutti der Nation, unsere Angela, machte am Freitagabend Halt am Gleis 1 in Syke. Allerdings nicht ganz „in echt“, denn Kabarettistin Marianne Schätzle schlüpfte als Merkeldouble ins typische Kanzlerinnenjackett und setzte sich dazu die Perücke mit dem markanten Haarschnitt auf. Bevor es dazu kam, nahm die Schwäbin erst einmal alle mit zu den Wurzeln einer einfachen Putzfrau.

Voller Spannung wartete das Publikum und haderte bereits zwei Minuten nach 20 Uhr mit einem gut vernehmlichen „jetzt könnte sie ja mal endlich anfangen“. Die Erwartungshaltung war hoch, alle Stühle besetzt, Cola und Weißwein geordert.

Kaum war der Wunsch ausgesprochen, da kam die Kabarettistin auch schon auf die Bühne – mit dem Handy am Ohr. „Das mach isch a no“, gab es die erste Lektion Richtung schwäbischen Dialekts. Die Chefin habe reichlich Bügelwäsche, und ihr „Schätzle“ müsse auch dies noch im Tagesplan unterbringen. „Ständig kommt was dazu“, seufzte die Reinigungsfachfrau und Managerin aller Lebenslagen.

Da wo die Autobahn am Bodensee endet und es noch einen Karstadt gibt, da komme Marianne Schätzle her. Das dortige Karstadt-Klo „mit seinen wichtigen Sitzungen“ hat der fleißigen Putzfee viel zu erzählen – ebenso wie die Schule ihrer Heimat als Ort für übergewichtigen Nachwuchs und hyperaktive Mütter.

In Syke suchte die Powerfrau indes die Quotenmänner – solche, die unten auffüllen und zum gleichen Niedriglohn den Mist wegmachen. Den machte die Protagonistin bereits in der eigenen Kindheit auf dem heimischen Bauernhof weg und lernte dort perspektivloses Harken auf dem Feld. Marianne Schätzles Lebensweg war somit perfekt ausgerichtet für ein Double als Bundeskanzlerin.

Von den Stühlen im Gleis 1 in Syke haute der erste Programmteil keinen. Ein gelegentlich Lächeln huschte über die Gesichter, aber der Funke zwischen dem Schwabenland und der Hachestadt sprang nicht über. „Es ist ganz witzig, trifft aber nicht so ganz meinen Humor“, gab es zurückhaltenden Kommentar und die damit verbundene Hoffnung auf die zweite Hälfte im Programm „Ich bin durch“!

Die riss tatsächlich mit dem erhofften Merkeldouble das Publikum aus dem erholsamen Entspannungsschlaf. Zunehmend wurden laute Lacher als Bestätigung gelungener Satire zur Bühne gebracht. Marianne Schätzle beherrschte nicht nur die „herzliche“ Handhaltung der Kanzlerin, sondern wartete mit bissigen Kommentaren quer durch die politischen Lager und tiefe Einblicke in die Berliner Politik auf. Das war genau das, worauf alle längst gewartet hatten. Da bekam Gabriel, Schäuble bis hin zum Vatikan gewaltig was um die Ohren und es hatte sich dann doch gelohnt sitzen zu bleiben.

ak

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