Auf der Welle bekannter Vorurteile

Kabarett-Duo Onkel Fisch nimmt Europa und seine Bewohner aufs Korn

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Comedy, Kalauer und klare Bekenntnisse: Das Kabarett-Duo Onkel Fisch hatte im Gleis 1 die Nationen Europas mit dem verbalen Skalpell auf dem Seziertisch.

Syke - Von Ulf Kaack. Das Programm verlangte dem Publikum schon ein gewisses politisches Grundwissen sowie Kenntnisse über das aktuelle Tagesgeschehen in Brüssel und den europäischen Hauptstädten ab. Darauf baute das humoristische Lehrstück auf. Aber, woran erkennt man eigentlich einen Europäer?

„Am kleinen blauen Viereck auf dem Nummernschild“, kalauerten die rheinischen Spaßmacher. „Heute führen wir keine Kriege mehr gegeneinander, wir reden in Europa. Das ist wie Psychotherapie, vor allem die zu zahlenden Honorare.“

Die üblichen Klischees 

Erwartungsgemäß wurde Brüssel, das pulsierende Zentrum der EU-Bürokratie, mit schamloser Häme abgewatscht. „40.000 Beamte arbeiten hier auf engstem Raum “, skandierte Adrian Engels, bevor ihm sein Counterpart argumentativ in die Parade fuhr. „Das stimmt, und zwar für 500 Millionen Menschen in Europa“, stellte Markus Riedinger fest. „In Hamburg gibt es für eine Million Einwohner 60.000 Beamte. Aufgeblasener als Peter Altmaier.“

Heiter ging es weiter mit dem Bashing der Nationen. So wurden die Franzosen an ihren befremdlich anmutenden Ernährungsweisen festgemacht, dem bevorzugten Verzehr von Fröschen und tierischen Innereien. Rumänien an der landesweiten Kompetenz im Spargelstechen. Die Grundeigenschaften des Deutschen: Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Tennissocken. England musste für den Brexit und seinen ausgeprägten Egoismus herhalten. Ebenso Polen: „Die EU ist wie das Leben auf dem Bauernhof der Schwiegermutter. Man macht das aus finanziellen Gründen, aber darum legt man sich nicht gleich mit ihr ins Bett.“

„Liberté, Égalité, Handgranaté!“

Comedy und Heiterkeit bildeten im Programm von Onkel Fisch einen permanenten Bodensatz. Messerscharf aufblitzende Pointen, unter der Gürtellinie oder am Rande des guten Geschmacks, bildeten eher die Ausnahme. Vergleichsweise brav bestritt das Duo den unterhaltsamen Abend, stets mit Überblick auf der Welle der bekannten Vorurteile surfend.

Mehrmals verwandelten Onkel Fisch die Bühne in ein TV-Studio, bildete die Kulisse für die persiflierte Talkrunde „Hart aber fairpeilt“. Zu Gast waren Staatschefs, Mafiosi und Rechtspopulisten. Für jeden toten Charlie-Hebdo-Journalisten bekomme sie 150.000 zusätzliche Wählerstimmen, analysierte Marine Le Pen und fügte an: „Liberté, Égalité, Handgranaté!“

Politik, Tanz und Gesang

Auf launige Weise und mit ausgefeilter Rhetorik boten Onkel Fisch Einblicke in die Mentalitäten und Befindlichkeiten der EU-Mitgliedsstaaten und deren Grenzen hinaus. Dabei stellten Adrian Engels und Markus Riedinger nicht nur ihr schauspielerisches Talent unter Beweis. Ausgefeilte Dialoge wechselten sich ab mit rasanten Parallelmonologen. Sie sächselten, sie schwäbelten und sprachen Denglisch. Auch für die Tanz- und Gesangseinlagen brandete Applaus auf.

Am Schluss blieb ein deutliches Bekenntnis für die Europäische Union – gegen Gier, Egoismus und die Macht der Großkonzerne. „Ohne Europa sind wir allein“, sangen Onkel Fisch in der letzten von drei Zugaben und legten mit Blick auf rechts- und linksextreme Strömungen im Lande nach: „Europa, lass uns nicht mit denen allein.“

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