Juraj Sivulka taucht in der Barrier Kirche in das facettenreiche Leben von Johann Wolfgang von Goethe ein

Der deutsche Dichterfürst und die Frauen

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Juraj Sivulka (r.) und Tim Luis Kloth sorgten am Sonntag für einen besonderen Goethe-Abend in der Barrier Kirche.

Von Heiner Büntemeyer. Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832. Diese Daten des deutschen Dichterfürsten gehörten einst zum Basiswissen eines jeden Schülers. Am Sonntag bereicherte und vertiefte Juraj Sivulka in der voll besetzten Barrier Kirche dieses Wissen.

In einer zweistündigen Lesung tauchte er mit seinen Zuhörern ein in das facettenreiche Leben dieses großen Dichters und Naturwissenschaftlers. Die Zuhörer nahm Sivulka mit auf eine anekdotenreiche Reise durch das Wirken und Schaffen des Genies. Der Vater ein Pedant, die Mutter eine lebenskluge, heitere Frau, wächst Goethe in Frankfurt auf und wird von Privatlehrern unterrichtet. Er beginnt mit 16 Jahren in Leipzig ein Jurastudium, das er in Straßburg fortsetzt. Dort lernt er nicht nur den Dichter Johann Gottlieb Herder kennen, sondern auch Friederike Brion, das „Mädchen vom Lande“, von dessen „Anmut und Lieblichkeit“ er schwärmt. Doch er lässt sie sitzen, wie man heute sagen würde. „Wer von Goethe geliebt worden ist, kann keine andere Liebe empfinden“, soll Friederike Brion damals geschrieben haben. Sie starb unverheiratet. Goethe verarbeitet seine Empfindungen in dem später vertonten Gedicht „Heideröslein“, das am Sonntag von Sivulkas Töchtern Lara und Mira vorgetragen wurde.

Frauen säumen Goethes Weg. Am Reichskammergericht Wetzlar verliebt er sich in Charlotte Buff, die Freundin seines Freundes Johann Christian Kestner. Dieser unglücklichen Liebe entspringt der Roman „Die Leiden des jungen Werther“, das nach Sivulkas Aussage entscheidende Werk für die nachfolgende Epoche des „Sturm und Drang“.

Der Herzog Karl-August von Sachsen, dem die deftige Ausdrucksweise im „Götz“ gefallen hatte, lädt ihn nach Weimar ein. Dort wird Goethe politischer Berater des Herzogs, später auch Minister, und dort entwickelt sich auch eine heftige Leidenschaft zur verheirateten Charlotte von Stein, die jedoch platonisch bleibt, weil sie zu mehr nicht bereit ist.

1786 verlässt Goethe Weimar und unternimmt eine zweijährige Bildungsreise nach Italien. Hier begeistert er sich für die Bau- und Kunstwerke der Renaissance und der Antike und schreibt die sinnenhaften „Römischen Elegien“.

1788 lernen sich Goethe und Friedrich Schiller kennen – es ist keine Liebe auf den ersten Blick. Schiller bezeichnet Goethe als „Egoist in ungewöhnlichem Grade“, Goethe hat eine Abneigung gegen Schillers „Räuber“. Erst sechs Jahre später kommt es zu einer Annäherung und damit zum Beginn der Epoche der „Weimarer Klassik“. Treibende Kraft ist dabei Schiller.

Goethe setzt seine Arbeit am „Faust“ fort, die er bereits als junger Mann begonnen hat, und beendet 1831 dieses Werk. „Für seinen Faust benötigte Goethe 60 Jahre. Schiller schrieb den ‚Wilhelm Tell‘ in sechs Wochen“, so Sivulka.

Am 22. März 1832 stirbt Goethe. Das schon 1780 geschriebene Gedicht „Wanderers Nachtlied“ ziert seinen Nachruf.

Sivulka erwies sich wieder als nachdenklicher, pointierter Berichterstatter. In seinem Vortrag mischten sich Originalzitate und eigene Gedanken. So entstand eine anschauliche Bilanz über das Leben dieses großen Universalgenies, denn Sivulka erinnerte auch an Goethes naturwissenschaftliche Erkenntnisse.

Begleitet wurde der Vortrag an der Orgel von Tim Luis Kloth, der die verschiedenen Episoden musikalisch kommentierte. Sein musikalischer Beitrag endete mit dem Titelsong aus „Phantom der Oper“.

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