Unerwartet großes Interesse an Vortrag im Gymnasium über männliche Sozialisation

„Jungen wollen nicht lernen, Jungen wollen können“

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Von links: Kevin Köhnenkamp (16), Maximilian von Goebler (16) und Lennart Adams (17) aus dem 11. Jahrgang hatten die Vortragsveranstaltung komplett selbst organisiert.

Syke  - Von Michael Walter. Was läuft da eigentlich schief? Jungen schreiben quer durch alle Schulformen schlechtere Noten als Mädchen. Gewalt, Alkohol, Drogen, Jugendkriminalität allgemein: Es sind fast ausschließlich Jungen und nur zu einem verschwindend kleinen Prozentsatz Mädchen, die dabei in Erscheinung treten. Wie kommt das? Wie ticken Jungen eigentlich?

Diese Frage versuchte am Dienstag Abend der  „Jungen-Forscher“ Olaf Jantz im Kulturforum des Syker Gymnasiums zu beantworten. Der Diplom-Pädagoge aus Hannover war auf Einladung dreier Schüler des 11. Jahrgangs gekommen, der im Seminarfach „Männliche Sozialisation – vom Ballermann bis zum Ballett“ die gesamte Oberstufe bis zum Abitur hindurch an diesem Thema arbeitet. Die Resonanz war überwältigend: Allein von Eltern kamen 143 Anmeldungen, dazu gab es noch eine ganze Reihe „spontaner“ Gäste.

Man dürfe nicht in mystifizierenden Schlagzeilen denken, mahnte Jantz zu Beginn seines Vortrags. „Nicht alle Jungen sind gleich, und nicht alle machen Probleme. Trotzdem gibt es augenscheinlich ein Jungenproblem.“

Das versuchte Jantz im ersten Teil des Abends so umfassend wie möglich zu beschreiben, indem er quasi alle gängigen Untersuchungen der letzten Jahre und Jahrzehnte anführte. Von der PISA-Studie bis zur  Kriminalstatistik.

Der Ansatz ist nicht neu. Schon um 1980 haben das Dieter Schnack und Rainer Neutzling getan und in einem Buch unter dem Titel „Kleine Helden in Not“ veröffentlicht. Was Jantz bewegt, ist der Umstand, dass sich an diesem Problem seit 30 Jahren anscheinend nichts geändert hat. Weshalb er seine Vortrag untertitelt mit „Kleine Helden immer noch in Not“.

Olaf Jantz

Seine umfassenden Beobachtungen auf wenige Kernsätze zu reduzieren und der Sache immer noch gerecht zu werden, scheint fast  unmöglich. Ganz wesentlich ist für ihn: Oft können Jungen zwar eine ganze Menge, zeigen es in der Schule aber nicht. Das bringt Jantz mit den Worten auf den Punkt: „Jungen wollen nicht lernen, Jungen wollen können!“ Ein Grund von vielen dafür: Sie haben häufig keine realen männlichen Vorbilder, sondern eifern „mystifizierten Männerfantasien“ nach.

Lernverweigerung sei auch häufig eine Folge von zu hohem Erwartungsdruck. Seitens der Eltern, seitens der Lehrer, oft auch seitens der Schüler selbst. Jungen empfinden ihre Leistungen im Vergleich mit Mädchen meist als defizitär und haben oft ein negatives Selbstwertgefühl.

„Das ist doch genau das, was ihnen schon in der Grundschule ständig vermittelt wird“, meldete sich an dieser Stelle eine Mutter zu Wort. Und Jantz bestätigte ihren Eindruck. Das fange schon mit dem Schriftbild an, auf das Lehrerinnen oft unverhältnismäßig viel Wert legten.

Was können Eltern und Schulen tun, um das  „Jungenproblem“ zu lösen? Ein Patentrezept hat auch Jantz nicht. Insofern kamen viele seiner Antworten über Ansätze nicht hinaus. Worauf er hinaus will: Schulen müssten weg vom „Lernen für die nächste Arbeit“ und den Unterricht stärker auf die Realität beziehen. „Man lernt viel einfacher, wenn man weiß, wofür.“ Die Schule müsste auch mehr Techniken an die Hand geben, wie man effektiv lernt. Eltern und Schulen müssten vor allem aber den permanenten Leistungsdruck von den Jungen nehmen und in verstärktem Maß dazu übergehen, so genannte Soft Skills (Hilfsbereitschaft, Toleranz, Kritikfähigkeit etc.) zu vermitteln.

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