Zwölf-Stunden-Tage

FOS-Schüler blühen bei Management Information Game auf

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Zahlungsfähigkeit ist in der Wirtschaft nicht identisch mit dem Kontostand. Grietje Schröder klärt Mitstreiter und Konkurrenz auf.

Syke - Von Marc Lentvogt. Lea-Marie Unger lehnt sich entspannt zurück. Sie kann zufrieden sein. Ihr Unternehmen stellt Kopfhörer, Zahnbürsten und Schuhe her – und hat ein starkes Quartal hingelegt. Mit wachem Blick hat sie ihre sechs Mitarbeiter im Blick, doch für den Moment gibt es keinen Anlass, die Unternehmensphilosophie zu ändern. Jedes Wort wird gehört und damit fährt die namenlose Firma gut.

Namenlos? Ja, denn beim Management Information Game in der Syker AOK mussten die 19 FOS-Schüler aus den Bereichen Wirtschaft, Technik sowie Gesundheit und Soziales sofort in den laufenden Betrieb einsteigen.

In drei Gruppen kämpfen die Schüler um den Gesamtsieg. Untereinander kannten sich nur wenige der Gruppenmitglieder – das von Spielleiter Andreas Mätzold dargestellte Szenario fordert ihnen eine schnelle Auffassungsgabe und das sofortige Einfinden in neue Hierarchien ab. Wenn Ungers Mitarbeiter über sie sagen: „Sie ist da“, dann ist das durchaus als Kompliment zu verstehen.

Teilnehmer stehen unter großem Druck

Bei der Konkurrenz wirkt das anders. Da sitzt der Vorstandsvorsitzende mit dem Rücken zu einigen seiner Mitarbeiter im Raum, dominiert das Geschehen.

Alle Teilnehmer stehen unter großem Druck, doch ihre Körpersprache zeigt, wie unterschiedlich sie mit der Herausforderung umgehen. Bei der Vorstellung der Quartalszahlen wandert der Blick mal nachdenklich auf den Tisch, mal werden Provokationen laut. Aber auch der obligatorische Blick aufs Handy darf nicht fehlen, wenn die eigene Leistung auf dem Prüfstand steht. Nicht zu vergessen: Es bleibt ein Spiel, das den Teilnehmern täglich mehr als 12 Stunden Aufmerksamkeit abverlangt.

„Wir wollen uns nicht selbst kaputtmachen, wir müssen eine Idee verkaufen, ein grundsolides Konzept mit Köpfchen haben, erklärt Sören Junge für Ungers Gruppe. 30 Stunden bleiben ihnen zu diesem Zeitpunkt noch, um Marketingstrategie, Corporate Design, eine Präsentation und überzeugende Skizzen für einen sich selbst beheizenden Schuh anzufertigen. Dieser wird heute Abend in der Volksbank Bassum einer Reihe von Einkäufern präsentiert. Das überzeugendste Team darf sich auf ein Millionenprojekt freuen – und über das Recht, der Konkurrenz ihren Erfolg unter die Nase zu reiben.

Kein Platz für Ethik

Was zwischen Formularen mit Absatzmärkten und Marketingausgaben etwas untergeht, ist der (un)ethische Aspekt der Wirtschaft. „Es ist ein bisschen schade, dass das rausfällt“, erklärt Ungers Mitarbeiter Tim Patschorek, aber die Berücksichtigung aller Faktoren im betriebswirtschaftlichen Alltag würde den Umfang des einwöchigen Spiels sprengen.

Für den Beobachter ist dieser ohnehin schon beachtenswert. Welche Heiztechnologie kann in Schuhen verbaut werden, wie sieht der Branchenstandard aus und mit welchem Design können Einkäufer gewonnen werden? In Ungers Unternehmen ist das schon recherchiert. Das augenscheinliche Chaos, in dem alle durcheinanderrufen, funktioniert – ein Unternehmen mit Zukunft. Schade, dass es Ende der Woche wieder auseinandergeht.

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