Wieder daheim

Jugendgruppen aus Syke und Wabrzezno schaffen es mit vereinten Kräften aus Marokko heraus

Wieder zu Hause: die Jugendgruppe aus Syke nach ihrer mehr als 30-stündigen Busfahrt durch Westeuropa.
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Wieder zu Hause: die Jugendgruppe aus Syke nach ihrer mehr als 30-stündigen Busfahrt durch Westeuropa.

Happy End am Donnerstagabend: Die Syker Jugendgruppe, die bei ihrem trinationalen Austausch in Marokko zwischen die diplomatischen Fronten geraten und im nordafrikanischen Land gestrandet war, hat es zurück nach Hause geschafft.

Syke – Um kurz nach halb sechs abends bog er in Richtung Rathaus ein, der polnische Reisebus. Und zumindest für den Syker Teil der Fahrgäste war damit das letzte Kapitel einer Reise geschrieben, die kaum einer von ihnen je vergessen wird. Die kleine Gruppe hatte am eigenen Leib die Auswirkungen der großen Welt der Diplomatie erleben müssen.

Am Sonntag vor einer Woche hatten sich etwa zwei Dutzend Jugendliche und ihre Betreuer aus Syke und der polnischen Partnerstadt Wabrzezno zu einem trinationalen Jugendaustausch auf den Weg nach Marokko gemacht. Der Aufenthalt, der eigentlich zehn Tage dauern sollte, wurde jedoch rasch überschattet von diplomatischen Verwicklungen zwischen Deutschland und Marokko. Bereits vier Tage nach Ankunft der Gäste aus Syke und Wabrzezno kappte der Staat die Flugverbindungen nach Deutschland, Großbritannien und in die Niederlande. Die Gruppe saß fest (wir berichteten).

Der Grund für die diplomatischen Kapriolen des nordafrikanischen Staates liegt wahrscheinlich im Urteil eines EU-Gerichtes, das Teile von Abkommen mit Marokko vor wenigen Wochen für nichtig erklärt hatte. „Was hat der Westsaharakonflikt mit Syke zu tun?“, fragte Sykes Erster Stadtrat Thomas Kuchem am Donnerstagabend – um gleich hinzuzufügen: „Jetzt wissen wir es.“

Erleichterung bei den Verantwortlichen

Da Marokko auch die konsularischen Verbindungen nach Deutschland ausgesetzt hatte, waren die Besucher weitgehend auf sich allein gestellt. Sykes Jugendpfleger Abdelhafid Catruat – selbst gebürtiger Marokkaner – organisierte vor Ort 30 Flugtickets, die die Gruppe zumindest auf europäischen Boden brachte – ins südspanische Malaga. „Als ich davon hörte, dass sie in Malaga gelandet sind, wurde mir ganz anders“, so Kuchem. Die Erleichterung war spürbar bei den Verantwortlichen. Die Situation hatte in Syke, aber auch in Wabrzezno Kopfzerbrechen und Sorgen bereitet.

Den zweiten Teil der Rückhol-Aktion übernahmen dann die Polen: Sie schickten einen Bus nach Malaga. Weil der schon am Freitag wieder für die nächste Tour in Polen benötigt wurde, blieb den jungen Besuchern aus Wabrzezno nach Ankunft in Syke kaum Zeit für mehr als das Nötigste. „Raus, Pipi, rein, weg“, brachte es Christian Flor als Vertreter des Freundeskreises Syke–Wabrzezno auf den Punkt.

„Gott sei Dank!“ Erster Stadtrat Thomas Kuchem (r.) bringt nach Ankunft der Jugendgruppen im Gespräch mit Abdelhafid Catruat (l.) und Michal Stenzel (Betreuer aus Wabrzezno) seine Erleichterung zum Ausdruck.

Sonderlob für Abdelhafid Catruat

Für die polnische Gruppe, die sich anschließend auf den Rest der Strecke (weitere 13 Stunden Busfahrt) machte, bedankte sich Betreuer Michal Stenzel für die große Hilfsbereitschaft aus Syke. „Ihr habt uns zurück nach Europa gebracht“, betonte er. Und hatte ein Sonderlob für den „großen Meister“ Abdelhafid Catruat, der die Rückreise quasi im Alleingang sichergestellt habe. Stenzel hofft auf einen Besuch der Gruppe in Polen, „damit wir Gelegenheit haben, unsere Dankbarkeit und Freundschaft zu zeigen“.

Und wer zahlt die Kosten für die Tour quer durch Westeuropa? Thomas Kuchem hat zwar keinen Blankoscheck, aber immerhin mutmachende Aussagen vom Auswärtigen Amt bekommen: Wenn man sparsam mit den Mitteln umgehe, habe man die Zusicherung, dass das Anliegen der Syker Gruppe „unkonventionell wohlwollend geprüft“ werde, gab Kuchem das Gespräch wieder. „Es wurde uns zugesichert, dass dann weitere Mittel zur Verfügung stehen.“

Die Busreise war noch mal ein Erlebnis, das uns zusammengeschweißt hat

Navin Acar, Teilnehmerin

Und die Jugendlichen? Die hatten von der Dramatik der Aktion selbst kaum etwas mitbekommen – bewusst hatten die Betreuer sie nur mit den nötigsten Informationen versorgt. Und so herrschte bei den Rückkehrern eine seltsame Mischung aus Müdigkeit und Ausgelassenheit zum Abschied. „Die Busreise war noch mal ein Erlebnis, das uns zusammengeschweißt hat“, schildert Navin Acar (17). Sie wäre bei einer Neuauflage durchaus dabei – „wenn es wieder nach Marokko geht“.

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