Dieter Niederheide feiert 80. Geburtstag

„Journalist wollte ich gar nicht werden“

+
Dieter Niederheide konnte mit seiner Frau Heike auf seinen runden Geburtstag anstoßen: Gestern feierte der Kreiszeitungs-Mitarbeiter, den unsere Leser unter dem Kürzel „nie“ kennen, seinen 80. Geburtstag.

Syke - Von Michael Walter. So ganz kann es Dieter Niederheide selbst noch gar nicht fassen: 80 ist er am Sonntag geworden. „80“, sagt er halblaut und schüttelt ganz leicht den Kopf. „Als ich 30 war, fand ich Leute mit 50 steinalt.“

Dabei hatte es gar nicht so ausgesehen, als ob er überhaupt das Erwachsenenalter erreichen würde: Als Dieter Niederheide 1937 im Ruhrpott-Städtchen Hattingen geboren wurde, räumten ihm die Ärzte so geringe Überlebens-Chancen ein, dass er notgetauft werden musste.

Aufgewachsen ist er als jüngstes von drei Kindern in bescheidenen Verhältnissen. Die Mutter starb, als er drei war. Der Vater war zu dieser Zeit Soldat und im besetzten Polen stationiert.

Erzogen wurden die Kinder abwechselnd von Großeltern und Tanten. „Wir wurden rumgereicht. Aber wir konnten nicht klagen und hatten immer was zu essen.“ Ob es allerdings sinnvoll ist, wenn ein Dreijähriger den ganzen Tag allein durch die Gassen der Altstadt stromert, stellt Dieter Niederheide infrage.

Nach dem Krieg war der Vater einer der ersten Journalisten in Westdeutschland, der von den Alliierten wieder eine Arbeitserlaubnis erhielt. Er baute sich ein eigenes Pressebüro auf, mit dem er mehrere Zeitungen im Ruhrgebiet belieferte, und Dieter wurde schon als Teenager mit eingespannt. Als der Vater mit nur 56 Jahren tot an der Schreibmaschine zusammenbrach, führte Dieter das Büro weiter. „Das wurde mir allerdings schnell zu viel“, sagt er. Als sich die Gelegenheit bot, wechselte er in ein Redakteursverhältnis und gab das Büro auf. Von da an war Dieter Niederheide bis zum Rentenalter in unterschiedlicher Funktion für knapp zwei Dutzend Zeitungen tätig. Mal als angestellter Redakteur, mal als Freiberufler und mal in leitender Funktion.

Auch die Syker Lokalredaktion der Kreiszeitung hat Dieter Niederheide eine Zeit geleitet. Bis heute hält er ihr als freier Mitarbeiter die Treue und übernimmt große Teile der Vereins- und Gerichtsberichterstattung.

Kindheitstraum erfüllt mit 45

„Dabei wollte ich gar nicht Journalist werden“, bekennt er. Sein Traumberuf von Kindheit an: Binnenschiffer. „Als ich noch klein war, hat mich mein Vater mal nach Duisburg mitgenommen“, erzählt er. Dort ist der größte Binnen-Hafen Europas. „Das hat mich fasziniert. Ich hab den Schiffen nachgeschaut und mir gedacht: Die fahren auf dem Wasser, sehen die Menschen und sind doch weg davon. Diese Mischung aus Nähe und Distanz hat mich beeindruckt. Aber mein Vater wollte das nicht. ,Du trittst in meine Fußstapfen', hat er gesagt. Und so kam es dann auch.“

Erst mit 45 hat sich Dieter Niederheide diesen Kindheitstraum erfüllt und als Hilfsmatrose auf dem Binnenschiff eines Cousins angeheuert. Allerdings nicht ganz freiwillig. „Ich hatte auf einer Familienfeier eine große Klappe und geprahlt, dass ich das auch könnte“, erzählt er mit einem jungenhaften Grinsen. „Und da hat er gesagt: Du kannst bei mir anfangen.“ Aus der Nummer kam Niederheide nicht wieder raus – wollte er ja auch gar nicht. „Das Schiff hieß auch noch genau wie ich: Heinz Dieter.“

Feier im engsten Kreis

Noch heute leuchten seine Augen, wenn er erzählt, wie er mit Hammer und Stemmeisen den Ladeboden entrostet hat und einmal fast in einer Getreideladung ertrunken wäre. „Das war gar nicht lustig. Aber hinterher Grund für ein Besäufnis.“ Die harte körperliche Arbeit brachte Niederheide damals an seine Grenzen. „Aber hinterher war ich von mir irgendwie begeistert. Weil ich gemerkt habe, dass ich so was überstehen kann.“

Zwei Jahre später hat er das Ganze noch mal wiederholt. Und nebenbei eine Reportage darüber geschrieben.

Seinen Geburtstag hat Dieter Niederheide im engsten Kreis gefeiert. Seine Söhne Jörg, Dirk und Thomas waren zu Gast. Ehefrau Heike hat ein waches Auge, dass sich ihr Dieter nicht übernimmt: Gerade hat er eine Rücken-OP überstanden. Ende des Monats entscheidet sich, ob er noch mal für eine Hüft-OP unters Messer muss. „Ich will wieder schreiben“, sagt er. „Zu Hause fällt mir die Decke auf den Kopf.“ Ist er denn so ein rastloser Typ? „Ja“, sagt Niederheide, ohne zu zögern. „Ich bin neugierig und brauche die Veränderung.“ Auch ein Grund, warum er für so viele verschiedenen Redaktionen gearbeitet hat. „Und jede hat mir Spaß gemacht“, sagt er. Und dann grinst er wieder: „Naja, FAST jede.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Neues von Thomas Cook: Fokus auf Familien und höhere Preise

Neues von Thomas Cook: Fokus auf Familien und höhere Preise

Grusellabyrinth und Horror-Fest: Halloween in Deutschland

Grusellabyrinth und Horror-Fest: Halloween in Deutschland

Wie werde ich Winzer/in?

Wie werde ich Winzer/in?

Zu Tisch! - Große Tafeln brauchen Raum zum Wirken

Zu Tisch! - Große Tafeln brauchen Raum zum Wirken

Meistgelesene Artikel

„goraSon“ brennt ein Feuerwerk der osteuropäischen Musikkunst ab

„goraSon“ brennt ein Feuerwerk der osteuropäischen Musikkunst ab

Premiere bei der „Barnstorfer Speeldeel“: Volles Haus und viel Vergnügen

Premiere bei der „Barnstorfer Speeldeel“: Volles Haus und viel Vergnügen

Drittes Forum für das Ehrenamt in Stuhr

Drittes Forum für das Ehrenamt in Stuhr

Förderschule Freistatt: Bald mit Außenstelle in Sudweyhe

Förderschule Freistatt: Bald mit Außenstelle in Sudweyhe

Kommentare