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Gänsehautmomente

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Von: Michael Walter

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Das Carlos Corona Trio mit Giovanna Piazza
Das Carlos Corona Trio mit Giovanna Piazza © Michael Walter

Syke – Fünf Konzerte in zwei Tagen: Das ist ganz schön viel. Selbst wenn man nicht selber auf der Bühne steht, sondern „nur“ alles organisiert. Gerd Harthus und seinen Mitstreitern vom Konzertverein JFK stand die Erleichterung geradezu ins Gesicht geschrieben, als am Samstag das Auftaktkonzert zum Festival Jazz Folk & Bike endlich losging. Und Pfingstmontag vor dem Abschlusskonzert wirkten alle geradezu gelöst und wohlig entspannt: Wir haben’s geschafft, und es hat alles geklappt.

JFK-Chef Gerd Harthus versucht, ein bisschen diese Gefühlslage zu beschreiben: „Wir beschäftigen uns mit Künstlern und Musik, die wir gerne hören und lieben. Das ist ein Privileg! Aber es kostet auch viel Kraft.“ Die viele Zeit und Arbeit, die das Orga-Team von JFK in Planung, Vorbereitung und Ablauf steckt. „Dann entspricht der Vorverkauf nicht den Erwartungen. Und erst, wenn man dann auf dem Festival ist und sieht, dass alles gar nicht so schlimm ist, geht der Puls wieder runter und es kommen die Momente, wo man sich zurücklehnen kann.“ Am Ende überwiegt für ihn „die Freude, dass es so tolle Musik gibt. Und dass es Zuschauer gibt, die das genauso sehen.“

Zuschauer im Vorwerk-Garten
Etwa 200 Besucher wollten am Pfingstsonntag das Doppelkonzert im Vorwerk-Garten hören. © Michael Walter

Ein Beispiel dafür hat Gerd Harthus Pfingstsonntag im Vorwerk erlebt: „Wenn mit erklärte Klassik-Fans sagen, dass sie bei Jessy Martens Gänsehaut gekriegt haben.“ Jessy Martens kommt vom Gospel, ist in Deutschland mit Blues bekannt geworden und macht jetzt wieder hauptsächlich Gospel. „Bei uns hat sie Blues gespielt. Die Frau hat in dieser Formation drei Jahre nicht mehr auf der Bühne gestanden.“

Von der künstlerischen Qualität her ist JFK mit dem Festival 2022 vollauf zufriefen. „Das sieht der gesamte Vorstand so“, betont Harthus. Rein rechnerisch ist der Verein allerdings weit von dem weg, wo er vor der Pandemie mit dem Festival aufgehört hatte. Etwa 200 Zuschauer wollten am Pfingstsonntag das Doppelkonzert im Vorwerk-Garten sehen: Giovanna Piazza mit dem Carlos Corona Trio und anschließend Jessy Martens mit Jan Fischer. Das ist nicht schlecht! „Aber wir sind ja Idealisten und hatten uns mehr erhofft“, sagt Gerd Harthus. Und zum Abschlusskonzert vom Carsten Lindholm Trio kamen Pfingstmontag deutlich unter 100 in den Konzertsaal der Kreissparkasse.

Ton- und Lichttechnik beim Doppelkonzert am Pfingstsonntag im Vorwerk-Garten
Ton- und Lichttechnik beim Doppelkonzert am Pfingstsonntag im Vorwerk-Garten © Gerd Harthus

Harthus weiß das richtig einzuschätzen: „Wir erleben dasselbe, was überall zu erleben ist. Das Publikum ist sehr zögerlich.“ Als er am Montag Carsten Lindholm darauf hinwies, dass weit weniger Leute als erwartet da wären, hatte der zu Harthus gesagt: „Gerd, das ist bei den letzten sechs Konzerten, die wir hatten, nicht anders gewesen. Umso wichiger ist es, dass wir am Ball bleiben und jedem einzelnen unserer Zuhörer klarmachen, wie wichtig er ist. Wir halten es wie die Band auf der Titanic. Wir spielen solange das Publikum da ist.“

Csókolom
Csókolom spielten am Samstagabend im Kreismuseum das Jazz-Folk-Bike Auftaktkonzert. © Gerd Harthus

Es werde noch einige Zeit brauchen, bis das Publikum wieder im gleichen Maß zu Veranstaltungen geht wie vor Corona, weiß Gerd Harthus. Diese Geduld müsse man ganz einfach haben.

Mann mit Saxophon
Die Jan Fischer Blues Band begleitete Jessy Martens im Garten des Vorwerks © Gerd Harthus

Wohin geht also die Reise für den Verein JFK und sein Festival? Für Gerd Harthus gibt es da keine Zweifel: „Wir machen weiter! Wir sind in der komfortablen Situation, dass wir zwei Jahre lang kein Geld ausgeben konnten und haben daher ein gewisses finanzielles Polster.“ Soll heißen: Diese Zeit des Zögerns zuschauerseits könne der Verein damit ganz gut überstehen. Und an allem anderen mangelt es im Verein ebenfalls nicht. Gerd Harthus: „Wir haben neue Leute im Vorstand und genug gute Ideen.“

Von Michael Walter

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