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Digitales Meldesystem für Corona-Infizierte im Landkreis Diepholz

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Von: Anke Seidel

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So funktioniert das neue System: Kreisrätin Ulrike Tammen (Mitte) erläutert mit Landrat Cord Bockhop und Marcel Heitmann (v.l.), wie es geht.
So funktioniert das neue System: Kreisrätin Ulrike Tammen (Mitte) erläutert mit Landrat Cord Bockhop und Marcel Heitmann (v.l.), wie es geht. © Anke Seidel

Jeder, der kann, soll das digitale System nutzen. Heißt: Jetzt zählt Eigenverantwortung.

Landkreis Diepholz – Das klassische System ist erschöpft, und die Nerven liegen blank: Bei 413 Corona-Neuinfektionen pro Tag ist die Kontaktnachverfolgung, wie die Bürger sie bisher kannten, nicht mehr leistbar. Daran lassen Landrat Cord Bockhop, Kreisrätin Ulrike Tammen und Marcel Heitmann, zuständig für die Kontaktnachverfolgung im Lagezentrum des Gesundheitsamtes, keinen Zweifel.

Sie stellen gleichzeitig eine Alternative vor, die bereits läuft: das digitale System, das nach einem positiven PCR-Test per SMS Kontakt zum betroffenen Bürger herstellt.

„Ältere Personen ohne Mobiltelefon können das nicht“, weiß Landrat Cord Bockhop – und betont ausdrücklich, dass sich die Mitarbeiter in der Kreisverwaltung nach wie vor per Telefon um diese Personengruppe kümmern: „Dafür brauchen wir die Personalkapazität.“ Alle anderen sollen das digitale System nutzen. Will heißen: Jetzt zählt Eigenverantwortung.

Pflicht, sich in Quarantäne zu begeben

Genau die ist rechtlich abgesichert, seit das Land Niedersachsen festgelegt hat: Die Pflicht, sich in Quarantäne zu begeben, besteht beim Vorliegen eines positiven Corona-Tests sofort – und nicht erst mit der Anordnung durch das zuständige Gesundheitsamt. Das schickt auch keinen Anordnungsbescheid mehr: „Als schneller Nachweis gegenüber dem Arbeitgeber reicht dann der positive PCR-Test aus.“

In der Regel sind es die niedergelassenen Ärzte, die als erste von einem solchen Ergebnis erfahren. Deshalb hat der Landkreis Kontakt zur Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen aufgenommen, damit die Ärzte die positiv Getesteten für das neue System sensibilisieren.

So funktioniert es: Der positiv Getestete erhält vom Landkreis einen Link per SMS, der zu einem Kontaktformular führt. Dort sind persönliche Daten – wie Symptome, Impfdaten, Arbeitgeber, Vorerkrankungen – einzutragen. „Diese Daten werden über eine Schnittstelle in die Fachanwendung übertragen, sodass eine telefonische Kontaktnachverfolgung in den meisten Fällen nicht mehr notwendig ist“, stellt Marcel Heitmann klar.

„Wir schaffen es nicht“

Außerdem erhält der positiv Getestete einen zweiten Link zur Weiterleitung an enge Kontaktpersonen. Auch sie geben dann ihre persönlichen Daten online ein. Personen ohne Mobiltelefon kontaktiert der Landkreis auf dem bisherigen klassischen Weg. „Hierbei kann es jedoch zu größeren zeitlichen Verzögerungen kommen“, stellt das Gesundheitsamt klar.

Denn zurzeit sei es nicht möglich, alle laborbestätigten Meldungen noch am selben Tag zu bearbeiten – obwohl der Landkreis das Lagezentrum personell spürbar verstärkt und organisatorische Abläufe optimiert hat. „Wir schaffen es nicht“, stellt Kreisrätin Ulrike Tammen unumwunden fest. „Aber das ist überall so“, beschreibt Landrat Cord Bockhop die Lage der Gesundheitsämter in Niedersachsen. Dringend bittet der Landkreis darum, auf Anrufe im Gesundheitsamt möglichst zu verzichten.

Das neue digitale System soll die Bearbeitung der Meldungen spürbar beschleunigen. Der Schlüssel dafür ist die Mobiltelefonnummer, deshalb sollten alle Bürger bei Abnahme eines PCR- oder Poc-Tests ihre Handynummer unbedingt angeben.

Luca-App keine Hilfe

Im Übrigen sei dem Landkreis die Luca-App keine Hilfe gewesen: „Sie hat nichts gebracht, hat aber Millionen gekostet“, ärgert sich der Landrat. Im Gesundheitsamt habe in keinem Fall die Notwendigkeit bestanden, die damit gesammelten Daten abzufragen: „Wir haben die verpflichtende Einführung im Land Niedersachsen von Anfang an kritisch gesehen und das Ergebnis gibt uns recht.“

Zurück zur positiven Testung: Die aktuellen Vorschriften geben Betroffenen die Möglichkeit, sich aus der Quarantäne freizutesten – wenn sie 48 Stunden symptomfrei sind und am siebten Tag per PCR-Test ein negatives Ergebnis vorweisen. Für bestimmte Berufsgruppen (wie Mitarbeiter in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen) sei ein PCR-Test verpflichtend. In anderen Fällen reiche ein Schnelltest. In jedem Fall sei das negative Ergebnis dem Gesundheitsamt per E-Mail (freitestung@diepholz.de) mitzuteilen: „Die Quarantäne endet dann ohne Bestätigung automatisch.

Der Landkreis verweist ebenso auf die aktuellen Vorschriften der Quarantänepflicht für Kontaktpersonen, nachzulesen in der Absonderungsverordnung des Landes Niedersachsen (www.niedersachsen.de).

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