Jens Heinrich Claassen und William Wahl zu Gast im Gleis 1: humorvoll, andächtig, ernsthaft, ironisch – und oft auch böse

„Das Leben ist schön, aber alles andere als pflegeleicht“

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Jens Heinrich Claassen (r.) und William Wahl spielten und sangen sich im Gleis 1 in die Herzen vieler Zuhörer.

Von Detlef Voges. „Männer am Klavier“ – das kann ganz schön beziehungslastig sein, wenn die beiden Jens Heinrich Claassen und William Wahl heißen und Comedians sind. Am Sonnabend loteten die beiden rheinischen Frohnaturen die Gefühlswelten im Allgemeinen und ihre im Besonderen gnadenlos im Gleis 1 aus.

Sie wackelten dabei an Immer-noch-Tabus wie Schwulsein, versuchten es mit Sentimentalität und suchten Halt in der Satire („Schlag ein Kind“). Dazwischen changierte der Lebensalltag in all seinen Belanglosigkeiten und Wichtigkeiten. Beide stocherten darin herum – humorvoll, andächtig, ernsthaft, ironisch, oft auch böse.

Beide wirkten wie ein Paar, das sich das Schöne und Unschöne öffentlich um die Ohren haut. Das konnte nicht langweilig sein. War es auch nicht, kamen die beiden Herren doch sehr authentisch beim Publikum an, wobei sie manchmal den Eindruck vermittelten, als hätten sie gerade eine halbe Stunde vor dem Auftritt das erste Mal geprobt.

Vielleicht war es gerade diese vermeintliche Holperigkeit, die die beiden „Männer am Klavier“ so überzeugend macht. Hinter allen Albernheiten steckt dann doch der Ernst, kauert die Botschaft.

Claassen & Wahl transportierten ihre Message „Das Leben ist schön, aber alles andere als pflegeleicht“ vor allem musikalisch eindrucksvoll – Wahl als Texter, brillanter Klavierspieler und Sänger, Claassen als nuschelnder, pointensicherer Klavier-Comedian im „eingelaufenen“, bauchfreien Biene-Maja-Shirt. Die Männer am Klavier nehmen sich und andere auf die Schippe, geißeln Schönheits- und Jugendwahn und machen sich lustig über die Reichen in Miami, die in ihren Pools ein Problem mit Krokodilen haben. Das Ernsthafte folgt prompt und mit Wucht. Wahls Lied über die latente Minderwertigkeit: „Du fühlst dich schlecht“.

Es gehört zu den Stärken des Duos, die Grenzbereiche und die Zonen dazwischen abzugreifen und das Publikum wach zu halten. Auch über ein Mitmach-Spiel, bei dem die Zuhörer Begriffe nennen, aus denen Claassen und Wahl ein Lied komponieren. Keines für die Nachwelt, ließen doch die Wörter Dschungelcamp, Babykotze, Ameisenkacke, gelber Sack und Kichererbsen Claassen nur wenig Raum für gehaltvolle Lyrik. Wahl verpackte das Ganze in B-Dur und als Jazz-Stück im Vierviertel-Takt.

Ein lustiges Intermezzo, über das die Klavier-Männer dann wieder die Kurve schlugen zum Mainstream – zur Liebe an und für sich.

Beide hatten dafür im Gleis 1 eine ganz einfache Erklärung in Noten: „Von der Mosel bis zur Neiße, Liebe ist Scheiße, von der Donau bis zum Rhein, Liebe muss sein“. Na also.

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