Kundgebung am Europagarten zum 76. Jahrestag des Kriegsendes in Europa

„Jeder Tag muss ein Tag der Befreiung sein“

Zum 76. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs in Europa hatte das Bündnis „Wir sind mehr“ zu einer Kundgebung am Europagarten eingeladen.
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Zum 76. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs in Europa hatte das Bündnis „Wir sind mehr“ zu einer Kundgebung am Europagarten eingeladen.

Syke – Zum 76. Jahrestags des Kriegsendes hatte das Syker Bündnis „Wir sind mehr“ für Samstag zu einer Gedenkstunde am Europagarten eingeladen. Unter dem Motto „Jeder Tag muss ein Tag der Befreiung sein“ gestalteten junge Sykerinnen und Syker eine würdige Gedenkveranstaltung für Jung und Alt. Schade nur, dass weniger als 40 Teilnehmer für das Thema zu begeistern waren.

Der eine oder andere Radfahrer oder Fußgänger blieb kurze Zeit stehen, Autofahrer stockten vermutlich nur, weil am Rande der Veranstaltung Polizeibeamte mit zwei Einsatzfahrzeugen präsent waren, um eine ungestörte Veranstaltung zu ermöglichen. Um es vorweg zu nehmen, Polizeihauptkommissarin Alke Adolphs hatte als Einsatzleiterin mit ihren Kollegen einen ruhigen Vormittag.

Aber zurück zur Gedenkstunde: Ralf Beduhn rief die Zeit nach Kriegsende in Erinnerung. Die von ihm vorgetragenen großen Opferzahlen machen auch heute noch sprachlos, verbirgt sich doch hinter jeder Zahl ein Mensch mit seinem Schicksal. Er bemängelte, dass viele damals Handelnde in die Opferrolle wechselten und auch in der jungen Demokratie schnell wieder führende Posten besetzten. Viel zu lange habe es für ihn gedauert, bis ein Repräsentant unseres Staates das Kriegsende als Befreiung titulierte. Er zitierte Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der am 8. Mai 1985 feststellte: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“

Laut Beduhn gibt es auch heute noch breite Teile der Bevölkerung, die diese Ansicht nicht teilen. Er macht das an den rechtextremistisch motivierten Straftaten des NSU, dem Mord an Walter Lübke oder den Anschlägen von Halle und Hanau ebenso fest wie am Wahlerfolg der AfD.

Verschiedene Teilnehmer trugen Auszüge aus Tagebüchern von Auschwitz-Überlebenden und Zeitzeugen vor.

Christiane Palm-Hoffmeister berichtete über Alltägliches, durch das die damalige Situation heute verklärt würde. Wenn der Präsident eines nationalen Sportverbandes seinen Stellvertreter in die Nähe des Nazi-Richters Roland Freisler rückt oder eine junge Frau sich durch die Corona-Einschränkungen wie Anne Frank fühlt, sieht sie das Geschichtsbewusstsein in einem falschen Licht. Sie gewinnt diesen Vergleichen immerhin noch einen positiven Aspekt ab: „Die Namen von Sophie Scholl oder Anne Frank sind immerhin noch in Erinnerung.“

Von Horst Meyer

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