Irmgard Meyer ist Gastwirtin mit Herz und Seele

Mit 93 Jahren hinter der Theke

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Gastwirtin Irmgard Meyer (2.v.l.) mit Gästen und Tochter Anke sowie Schwiegersohn Albert Bodenstab (beide rechts hinter der Theke). In dieser Woche hat sie ihren 93. Geburtstag gefeiert.

Landkreis Diepholz - Von Dieter Niederheide. Dass Irmgard Meyer als Gastwirtin mit 93 Jahren noch immer hinter der Theke ihres Gasthauses in Syke-Wachendorf steht, ist eine absolute Ausnahme im Landkreis Diepholz. Denn das Sterben der Gaststätten scheint kein Ende zu nehmen. Über Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, waren sie Schauplätze von Frohsinn, Freude und Leid.

Der Kreisheimatbund stellt sie jetzt in den Mittelpunkt des Projekts „Gaststättenwesen“ – in Zusammenarbeit mit dem Kreismuseum. Es soll auf keinen Fall nur ein Festhalten von blanken Daten sein. Das hat jetzt Claus-Dieter Lösche, Vorsitzender des Kreisheimatbundes, in der Tagung des Gesprächskreises „Gaststättenwesen“ auf der Diele des Kreismuseums in Syke hervorgehoben.

Fotos sind von besonderem Interesse

Gefragt seien nicht zuletzt die Anekdoten, die Geschichten, die sich in den Gasthäusern ereigneten und von denen man erzählte und noch erzählt. Auch durch Fotos soll das Leben in den Gasthäusern wieder lebendig werden. Das sei von besonderem Interesse, sagte Claus-Dieter Lösche. Ebenso das Vereinsleben, die diversen Feiern und sonstige Ereignisse. Auch bei dieser Aktion – wie schon bei anderen Projekten – können Zeitzeugen eine wichtige Rolle spielen.

Museumsleiter Dr. Ralf Vogeding mahnte an, dass es nicht darum gehe, 1000 Gaststätten zu erfassen – weniger und dafür facettenreicher könne positiver sein.

Aus der Versammlung heraus war zu hören, dass die Ergebnisse der Aktion auf jeden Fall auch Verwendung finden sollen in den Archiven der Gemeinden und Städte. Von daher wolle man das gesamte Spektrum an Gastwirtschaften erfassen.

Für 2019 ist eine Ausstellung geplant

Grundlage ist der von Wilfried Meyer (Redakteur „Zwischen Weser und Hunte“) erarbeitete Fragenkatalog zum Gaststättenwesen. Die Fäden der Aktion laufen bei Koordinator Heinz Feldmann im Kreismuseum zusammen, der sich schon bei der Aktion „Spurensuche“ hervorgetan hatte.

Nach Einschätzung von Vogeding kann die Sammlung etwa zweieinhalb Jahre dauern. Im Herbst 2019 soll eine Ausstellung mit einer Auswahl aus den Ergebnissen der „Spurensuche im Gaststättenwesen“ gezeigt werden. Geplant ist zudem, ein Buch dazu herauszugeben.

Gute Vorarbeit wurde bereits in Ortschroniken geleistet. Beispiel: die Wachendorfer Ortschronik, die informativ auf das frühere Gasthauswesen im Ort eingeht.

Irmgard Meyer führt „Tillys Gaststätte“ seit gut 50 Jahren

Es gibt sie noch, die alten Traditionsgaststätten und das Leben darin. Das beweist ein Besuch dieser Zeitung in einer der letzten urigen Kneipen der Region. An der B 6 in der Colonie Wachendorf steht mit Irmgard Meyer, die kürzlich 93 Jahre alt wurde, eine der ältesten Gastwirtinnen in Niedersachsen hinter der Theke – oder sie sitzt bei den Gästen. Nach wie vor, wie seit 1972, schenkt sie Bier, Korn und alkoholfreie Getränke aus. In Heiligenfelde, Wachendorf und umzu ist Meyers Gasthaus an der B 6 eine Institution.

Wenn es heißt, „wir waren bei Tilly“, wissen Insider früher wie heute gleich Bescheid. Mit Tilly ist Anna Katharina Meyer gemeint, die Tochter von Hermann Lampe, der das Gasthaus in Colonie Wachendorf eröffnet hatte. Sie war die Mutter der heutigen Gastwirtin Irmgard Meyer.

Tilly übernahm 1938 mit Ehemann Heinrich Meyer vom Vater das Gasthaus, das im Volksmund dann „Tillys Gaststätte“ genannt wurde und immer noch wird. Seit nunmehr etwa 50 Jahren führt Irmgard Meyer das Gasthaus – und zwar mit Unterstützung von Tochter Anke und Schwiegersohn Albert Bodenstab.

Drei Schnäpse für eine Mark, ein Bier für 50 Pfennig

Nach wie vor kehren Stammgäste gerne dort ein. „Hier wird plattdeutsch geredet“, sagt Irmgard Meyer. Sie erinnert sich an Zeiten, als in dem Gasthaus drei Schnäpse für eine Mark und ein Bier für etwa 50 Pfennig ausgeschenkt wurden.

Zu ihrem Geburtstag kamen ab Vormittag bis zum Abend viele Gratulanten. Irmgard Meyer, in Heiligenfelde geboren, erinnert sich gerne an viele Feiern in der Gaststätte.

Ältere Menschen aus der Colonie, aus Wachendorf, Heiligenfelde und Syke wissen um die eine oder andere Begebenheit aus dem heute noch beliebten Gasthaus zu erzählen.

Es ist gut, dass es dieses Gasthaus mit seiner liebenswerten rüstigen Wirtin noch gibt. In der Gegend ist es das letzte Gasthaus seiner Art.

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