Serie „50 Jahre Lebenshilfe Syke“: Familienentlastender Dienst – eine von vielen Facetten

Kraft schöpfen für die Anforderungen des Alltags

Der Familienentlastende Dienst (FED) der Lebenshilfe Syke sorgt für Freiräume bei den Betreuenden – und für Unterstützung der Menschen mit Behinderung. Im Bild: Leiterin Waltraud Enge (l.) und Mitarbeiterin Christine Böttcher (r.) mit den Gästen Ingo und Jan. - Foto: Voss

Syke - Von Dagmar Voss. „Jedes Jahr mache ich hier Urlaub, und das schon ewig, bestimmt mehr als zehn Jahre“, schätzt Jan. Drei Wochen im Jahr planen der 36-Jährige und seine Familie dafür ein, eine davon als Komplett-Urlaub, also auch ohne Arbeit in der Delme-Werkstatt Weyhe, zwei einfach nur als Aufenthalt mal woanders. So können seine Eltern, bei denen er sonst wohnt, auch mal Urlaub machen. Und er genießt die Zeit in den kunterbunten Räumen des Familienentlastenden Dienstes an der La-Chartre-Straße. Dort hat er Ansprechpartner, schläft in einem Zwei-Bett-Zimmer und kann Ausflüge oder andere Vergnügungen mitmachen.

„Wir bieten Freizeiten, Kino- oder Bowlingbesuche, aber auch Spiele hier oder Basteleien an – was eben gerade gewünscht ist“, sagt Waltraut Enge, Leiterin des Familienentlastenden Dienstes (FED). Zu den weiteren Angeboten des FED zählen aber auch ambulante Hausbetreuungen und Wochenendbetreuungen, sowie Ferien-Freizeiten. Das alles dient dazu, dass die Familien, die bei sich zu Hause ein behindertes Mitglied versorgen, freie Zeit bekommen und mal an sich selbst denken können. Eine willkommene Hilfe im Kampf gegen Überforderung und Überlastung.

„Freiräume sind für die Entwicklung des Menschen ein entscheidender Faktor“, betont Waltraud Enge. „Um diesen auch behinderten Personen zu ermöglichen, hat die Lebenshilfe den Familienentlastenden Dienst eingerichtet.“ Denn die ständige Anforderung an die Familie führe auch zu Einschränkungen der Entwicklung und der Selbständigkeit behinderter Menschen.

Die Lebenshilfe ist überzeugt: „Der Freiraum des Behinderten und seine Entwicklungsmöglichkeiten vergrößern sich in solchen Familien, in denen alle Mitglieder einen entsprechenden Freiraum haben, der es ihnen ermöglicht, erneut Kraft zu schöpfen für die besonderen Anforderungen des Alltages.“

Dabei wird gleichzeitig an die Menschen mit Behinderung gedacht, indem ihnen Hilfe zur Förderung der eigenen Selbständigkeit angeboten wird. Denn ein Kind mit Behinderung kann sich einfach besser in Familien entwickeln, in denen alle Angehörigen mehr Zeit zur Befriedigung eigener Wünsche und Bedürfnisse haben.

Die gute Laune von Jan und anderen in den Räumen bestätigt das. Die Wochenenden, die auch Jan nutzt, sind weit im Voraus ausgebucht, zehn bis zwölf Menschen sind dann meist hier, betreut von fünf Fachkräften. „Nur Weihnachten machen wir zu“, so Enge.

Ebenso starke Nachfrage herrscht nach den Ferienfreizeiten, die in Ferienhäuser in sehenswerten Gebieten führen. Für alle Beteiligten einer Familie ist das Entspannung, davon ist die gelernte Kinderkrankenschwester und Pflegedienstleiterin überzeugt: „Ein Kinobesuch, ein paar unbeschwerte Stunden mit Freunden, ein freies Wochenende, ein Urlaub, sind für Angehörige von behinderten Menschen notwendig.“

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