70 Jahre Kriegsende in Syke: Lesung aus Tagebüchern zum Ausstellungsbeginn

Rückblick ins Chaos

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Stadt-Archivar Hermann Greve las zur Eröffnung der Ausstellung „70 Jahre Kriegsende in Syke“ im Wechsel mit Gabriele Wiechers und Suse Laue aus zeitgenössischen Tagebüchern.

Syke - Von Heiner Büntemeyer. Wahrscheinlich reichen auch Aufzeichnungen von Zeitzeugen nicht aus, um 70 Jahre später nachvollziehen zu können, welches Chaos in Syke in den Tagen um den 8. April 1945 herrschte. Damals, als sich jede Ordnung auflöste, als sich Wahrheiten als Lügen erwiesen und die Angst um die eigene Existenz auch besonnene Menschen Unrechtes tun ließ.

Offiziell endeten die Kriegshandlungen am 8. Mai 1945. „In Syke schlug aber schon einen Monat vorher, am 8. April 1945, die Stunde Null“, berichtete Stadt-Archivar Hermann Greve am Montag. Zusammen mit der Historikerin Gabriele Wiechers und Bürgermeisterin Suse Laue hatte er zu einer Eröffnungsveranstaltung der Ausstellung „70 Jahre Kriegsende in Syke“ mit einer Lesung aus Tagebüchern eingeladen.

Die Tagebücher hatten der Osterholzer Lehrer Wilhelm Sudenn, Amtsrichterwitwe Käthe Reischauer und Bürgermeister Friedrich Jürgens geführt. Der Bürgermeister hatte sein Tagebuch allerdings erst nach Kriegsende fertiggestellt, und bei Käthe Reischauers Aufzeichnungen stellte der Stadt-Archivar einige „Ungenauigkeiten“ fest.

Die längste Zeitspanne beschrieb Wilhelm Sudenn, dessen Steckenpferd die Heimatforschung war und der 1936 in Osterholz mit den Aufzeichnungen begann. Er schildert die Entwicklung anfangs mit großem Vertrauen auf den „Führer“. 1939 vergleicht er die Stimmung in der Bevölkerung bei Kriegsausbruch mit der von 1914. „Euphorie klingt anders“, beurteilt Greve diese Passagen des Lehrers, der wie von einer Bühne herab vom Geestrandrücken den Untergang Bremens im Bombenhagel beobachten konnte. Nachdem sein Sohn 1943 gefallen war, tauchen in seinen Aufzeichnungen zunehmend kritische Einträge auf, auch spottet er im März 1945 über den Volkssturm. „Aber das Kriegsende bezeichnet er als ‚Umsturz‘ und ‚Untergang‘, doch von einem Gefühl der Befreiung ist das weit entfernt“, so Greve.

Beschuss noch bis zum

13. April 1945

Bürgermeister Jürgens schilderte aus seiner Sicht, wie er die Stadt Syke gerettet hat. Zumindest türmte er nicht wie viele seiner Kollegen. Vielmehr suchte er am Tag, bevor die 7. Britische Panzerdivision in Syke einrückte, den deutschen Kampfkommandanten in Barrien auf, um ihn zu bewegen, seine Soldaten aus Syke abzuziehen. Als am Tag darauf die Briten aus Heiligenfelde in Syke anriefen und die Übergabe der Stadt forderten, ging er zusammen mit dem Ratsherrn Erich Bergmann und dem Zigarrenhändler Friedrich Meyer den englischen Truppen entgegen und bürgte mit seinem Leben dafür, dass kein deutscher Soldat mehr in Syke Widerstand leisten würde. Am 8. April 1945 um 11.30 Uhr war die Besetzung Sykes abgeschlossen.

Anschließend brach das Chaos aus, Geschäfte wurden geplündert „Bevor alles dem Feind in die Hände fällt“, wie Käthe Reischauer schrieb.

Zwei Tage später waren alle Ortsteile der jetzigen Stadt Syke besetzt. Es gab allerdings bis zum 13. April noch Beschuss durch deutsche Truppen, bei denen es zahlreiche Verletzte und auch Tote gab.

Anschließend führte Hermann Greve durch die Ausstellung im Foyer des Rathauses, die Ulrich Deppe grafisch gestaltet hatte und stellte den 4. Band der „Syker Zeitfenster“ vor, in dem das Kriegsende 1945 in Syke noch ausführlicher dargestellt wird.

Die Ausstellung ist bis zum 22. Mai geöffnet.

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