Lesung der Extra 3-Autoren in der Kreissparkasse Syke

Von irrsinnigen Umbauten und überflüssigen Gutachten

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Daniel Sprenger (l.) und Frank Gustavus lesen in Syke aus dem Buch „Deutschland – der reale Irrsin ist überall“. 

Syke - Von Janna Silinger. Ganz, ganz selten tun einem die Protagonisten der Geschichten von Alicia Anker und Daniel Sprenger ein wenig Leid. Aber wirklich nur ganz selten. In den meisten Fällen hat man das Gefühl, die haben es verdient, dass sie mal einer aufs Korn nimmt. Am Donnerstag lasen Sprenger und Frank Gustavus, die Stimme der Satirevideos von Extra 3, aus dem Buch „Deutschland – der reale Irrsinn ist überall“ vor. Co-Autorin Alicia Anker war durch Krankheit verhindert. Das tat dem Abend aber keinen Abbruch.

Für den Bassumer Daniel Sprenger war es ein Heimspiel. Viele bekannte Gesichter schauten ihn aus dem gut gefüllten KSK-Saal an. „Ich habe hier mal ein Konzert von einer Jazzband gehört und darüber meinen ersten Artikel für die Kreiszeitung geschrieben“, erzählt er lächelnd. „Und heute sitze ich selbst auf der Bühne.“

Das Buch, aus dem die beiden vorlesen sind gesammelte Werke. Storys, über die das Satiremagazin Extra 3 berichtet hat – im Detail aufgeschrieben. Mal geht es um illegalen Leberkäsebrötchenverzehr in Celle, mal um holländische Regenwürmer auf einem Rügener Fußballfeld. Mal um die haptische Simulation eines Fußgängertunnels in Vechta, mal um gequirlte Fäkalien am Wilhelmshavener Badestrand. Witzig ist es immer, völlig absurd auch. Und bereichert wird der Inhalt durch die fesselnde und facettenreiche Stimme von Frank Gustavus.

Ein Beispiel für das gnadenlose Einhalten völlig irrationaler Vorschriften sind die zu langen Tische: Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat ein großes Problem. Die Tische im Außenbereich eines Lokals sind exakt drei Zentimeter zu lang. 13 Jahre lang war das in Ordnung, doch dann, ganz plötzlich, bereiten diese drei Zentimeter so massive Probleme, das sie weg müssen. Der Wirt entschließt sich, die drei Zentimeter Holz abzusägen. Das Team von Extra 3 befragte den verantwortlichen Bürokraten, legte ihm das Stück Holz, das es angeblich Fußgängern unmöglich mache, „im Gehwegverlauf einer Straße geradlinig geführt zu werden“ vor. Die gleichgültige Reaktion verblüffte: „Das sind drei Zentimeter Holz, was soll ich damit?“

Widersprüchliche Aussagen und kuriose Denkfehler finden sich in vielen der Geschichten wieder. Und es gibt drei Arten damit umzugehen, wenn einen jemand damit konfrontiert. Die einen sind beleidigt, gar sauer. Andere lachen drüber. Und die dritte Gruppe trägt es mit Fassung, wie etwa die Bremer Stadtverwaltung.

Die ist für Extra 3 eh ein ganz beliebter „Feind – so nennen wir das“. Bestes Beispiel ist der Versuch, die Bremer Stephanibrücke zu entlasten. Die logische Konsequenz wäre es, eine Autospur zu sperren. Das Amt für Straßen und Verkehr in Bremen sperrte aber lieber die Hälfte des Radwegs. Dafür wurden Zaunelemente und Betonfüße aufgestellt, die insgesamt etwa acht Tonnen wiegen. Die abstruse Rechnung soll belegen, dass trotzdem die Belastung um 234 Tonnen reduziert werde. Das könnte stimmen, dafür müssten sich aber 3000 Menschen gleichzeitig auf der Brücke befinden. Und genau das nennt man Realsatire, wenn Steuergelder für irrsinnige Umbauten oder überflüssige Gutachten aus dem Fenster geschmissen werden.

Neben dem Inhalt freute sich das Publikum über zwei sympathische Männer, die hin und wieder einen Witz machten und sich selbst nicht allzu ernst nahmen.

Daniel Sprenger: Was eine gute „Extra 3“-Geschichte ausmacht

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