Amtsgericht nimmt Arbeit auf: Angeklagter maskiert, Richter hinter Plexiglas

„Irgendwie ist es bedrückend“

Alltag dank Corona: Das Waschen und Desinfizieren der Hände ist in diesen Zeiten im Gerichtsgebäude ebenso geboten wie das Tragen. Fotos: Kruse

Syke - Von Dieter Niederheide. Unbeteiligte Zuhörer sind im Sitzungssaal 17 bei den Strafprozessen meist an einer Hand abzuzählen. Aber wenn auch noch der größte Teil der Stühle im Zuhörerbereich entfernt und nur noch acht Stühle fein sorgfältig im vorgeschriebenen Abstand voneinander stehen, entsteht ein Eindruck von gähnender Leere im Zuhörerbereich. Da kommt man sich schon etwas einsam vor, wenn man auf einem Stuhl mitten im Nichts sitzt.

„Bitte Abstand halten“ steht in roter Schrift auf gelbem Untergrund etwa alle eineinhalb Meter im Gerichtssaal vor den Stühlen und bei den Tischen. Irgendwie vermisst man die anderen Stühle, auch wenn sie meist verwaist sind.

Dennoch ist alles halb so schlimm. Der Blick der Öffentlichkeit in Form des – natürlich maskierten – Pressevertreters unserer Zeitung hatte bei der ersten Verhandlung von Richter am Amtsgericht Christoph Kellermann in seiner Funktion als Strafrichter alles im Blick.

Hinter einer großflächigen Plexiglasscheibe sitzt der Richter, hinter einer weiteren Scheibe die Protokollführerin. Die Scheibe ist als Schutz gegen Corona-Viren gedacht. Der Staatsanwalt sitzt nicht hinter einer solchen Scheibe.

Der Angeklagte, der aus Bruchhausen-Vilsen stammt, ist maskiert und legt die Mund- und Nasenschutzmaske auch nicht ab, obwohl Richter Kellermann ihm freistellt, ob er die Maske tragen will oder nicht. Der Angeklagte scheint auf Nummer Sicher zu gehen.

Der Strafprozess, in dem es um einen Einbruch in eine Arztpraxis in Bruchhausen-Vilsen geht, endet sehr schnell. Der Angeklagte, dem eine Beteiligung an dem Einbruchsdiebstahl zur Last gelegt wird, beteuert seine Unschuld. Folge, es gibt eine Neuauflage des Strafprozesses, zu dem eine Reihe von Zeugen geladen werden. Die ersten Verhandlungen nach der wochenlangen Pause führte Richter am Amtsgericht Kellermann zuvor in einer Jugendsache und gegen Heranwachsende.

Im Gerichtsgebäude selber ist alles bestens geregelt. Man begegnet nur Maskierten, die im Schleusenbereich das Kontaktformular ausfüllen. Danach sollen sich die Besucher die Hände in der Vorführzelle waschen, manche verzichten darauf, folgen aber durchweg der Anweisung, sich mit den bereitstehenden Mitteln die Hände zu desinfizieren.

Die Bediensteten der Justizwachtmeisterei, natürlich alle ebenfalls mit Mund- und Nasenschutz ausgestattet, achten penibel auf die Einhaltung der vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen.

Nicht alle wollen in den Sitzungssaal 17, auch die Familien- und Zivilrichter tagen. Ein Rechtsanwalt nuschelt beim Desinfizieren der Hände unter der Maske hervor: „Irgendwie ist das alles bedrückend. Muss aber sein und ist richtig.“ Wo er recht hat, hat er recht.

Im Übrigen gehen sich alle aus dem Weg, trotz der engen Flure geht das gut. Und unser Berichterstatter aus dem Gerichtssaal verlässt mit gut desinfizierten Händen das Gerichtsgebäude, nimmt draußen die Mund- und Nasenschutzmaske ab und ist froh, wieder tief durchatmen zu können. Das ist unter der Maske nämlich gar nicht so leicht.

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