Gespräche über Zukunft als Flüchtlingsunterkunft

Was wird jetzt aus dem Gasthaus Cordes?

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Idyllisch liegt die Gaststätte inmitten alten Baumbestands. Über die Zukunft der Immobilie wird in Ristedt heiß diskutiert.

Ristedt - Von Frank Jaursch. Was wird aus dem Gasthaus Cordes? Der traditionsreichen Ristedter Gaststätte droht das endgültige Aus. Die bisherige Eigentümerin Edeltraudt Cordes hat das Objekt verkauft. Was der neue Eigentümer Ulrich Skrotzki mit der Immobilie und dem Grundstück vorhat, ist noch unklar. Heute Abend will der Ortsrat versuchen, auf seiner Sitzung Licht ins Dunkel zu bringen.

Seit Anfang September ist die Immobilie nicht mehr im Eigentum der Familie Cordes. Der Investor aus Aurich hat nicht nur die Gaststätte, sondern auch das umgebende Gelände gekauft – insgesamt rund 19000 Quadratmeter mit altem Baumbestand. Was er damit plant, ist derzeit unklar. Auf mehrere Nachfragen der Kreiszeitung reagierte Skrotzki nicht. Auch Edeltraudt Cordes war trotz zuvor erklärtem Einverständnis zu keinem Gespräch bereit.

Zum 1. September meldete Skrotzki bei der Stadt ein Gewerbe an – als Gaststätte mit Außenbereich. Aussagen aus der Nachbarschaft allerdings lassen vermuten, dass der Investor auch eine völlig andere Nutzung im Sinn hat: Demzufolge hatte Skrotzki angekündigt, „Flüchtlinge reinzuholen“. Eine Bestätigung für die These „Flüchtlingsunterkunft“ gibt es aus der Stadtverwaltung: „Ja, es hat Gespräche mit Herrn Skrotzki und Frau Cordes über dieses Thema gegeben“, erklärte Sozialamtsleiter Horst Meyer auf Nachfrage.

Würde sich der neue Eigentümer zum endgültigen Aus für die Gastronomie entscheiden, käme das dem Ende einer Ära in Ristedt gleich. Vier Gaststätten gab es einst im Ort. Das Gasthaus mit dem größten Renommee blieb dem Ort am längsten erhalten – mehr als ein Jahrhundert lang.

„Cordes“ war ein Anlaufpunkt für Menschen aus der Region – und weit darüber hinaus. Doch in den vergangenen Jahrzehnten hatten Gasthäuser einen zunehmend schweren Stand. Auch in Ristedt. Auch das Gasthaus Cordes.

„Mit à la Carte allein kann man heute nicht mehr überleben“, erklärt Nico Seidensticker. Er übernahm das Gasthaus im Jahr 2014 als Pächter: mit einem neuen Konzept. In der Folge änderte sich nicht nur der Name – aus dem Gasthaus würde das Restaurant „Im Grunewald“. Auch inhaltlich gab es Neues: mit besonderen Themenveranstaltungen, kreativen Angeboten und einer neuen Menükarte.

Insgesamt nahmen die Ristedter eine Veränderung zum Positiven wahr. Die Gartenanlagen wurden gepflegt, der Cafégarten entstand, ein Clubraum wurde eingerichtet, der hintere Raum renoviert. „Da tat sich was“, erinnert sich Ristedts Ortsbürgermeister Claus Bruhm. Auch die Qualität des Essens stieg, so Bruhm. Die Location wurde wieder zum Anziehungspunkt, immer häufiger sah man auch ortsfremde Fahrzeuge auf dem Parkplatz. Als „Bereicherung für den Ort“ bezeichnet Bruhm das Engagement des neuen Pächters.

Doch Ende August schlug es in Ristedt ein wie ein Blitz: Cordes kündigte Seidensticker fristlos. Von Anfang an, so Seidensticker, hätte es Differenzen zwischen ihm und der Eigentümerin gegeben. Es gab Streitigkeiten über nicht geleistete Pachtzahlungen und ausgebliebene Neuanschaffungen, Auseinandersetzungen vor Gericht, widersprechende Aussagen, Hausverbote. Die Fronten waren verhärtet. Auch ein Kaufangebot Seidenstickers, das deutlich über dem Kaufpreis Skrotzkis gelegen haben soll, lehnte Cordes ab.

Schon einen Tag nach dem Aus von Seidensticker begannen die Umbauarbeiten – ein Umstand, der für Gesprächsstoff im Ort sorgte. Claus Bruhm macht sich Sorgen um die Stimmung im Ort. Der Verlust des Gasthauses als Treffpunkt würde für den Ort eine Richtung darstellen, „die ich als dorfgemeinschaftsfeindlich einschätze“.

Heute leitet Bruhm als Ortsbürgermeister die Sitzung des Ortsrates. Das Thema „Cordes“ soll angesprochen werden. Die Sitzung beginnt um 19Uhr – nicht bei Cordes, sondern im Vereinsheim des TSV Ristedt.

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