„Wir mischen uns weiter ein“

Interview: SoVD-Kreisvorsitzender Bruno Hartwig über Politik Armut

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Bruno Hartwig 

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Ein ganzes Jahrhundert im Dienste der Unterstützung: Der als Reichsbund gegründete Sozialverband (SoVD) feiert seinen 100. Geburtstag. Aus diesem Anlass steht Kreisverbands-Vorsitzender Bruno Hartwig im Interview Rede und Antwort. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Herr Hartwig, wie würden Sie Menschen unter 30 Jahren den SoVD in einem Satz erklären?

Bruno Hartwig: Der SoVD hilft, wenn die Krise kommt, bei Krankheit, Arbeitslosigkeit, Pflege, Armut. Diese Probleme betreffen leider auch unabhängig vom Alter viele Menschen. Heute sorgen sich die Jüngeren um das, was viele Ältere bereits erleben – das führt uns im SoVD zusammen. Die starke Gemeinschaft und die Chance, eine bessere Gesellschaft zu gestalten, sind dann die Gründe, warum man bleibt.

In diesem Fall feiert ja nicht der Kreisverband, sondern der Bundesverband das 100-jährige Bestehen. Wie alt ist der Kreisverband Diepholz?

Hartwig: Wir sind gerade dabei, das zu recherchieren. Bedauerlicherweise sind viele unserer Unterlagen über die Jahre verloren gegangen, sodass sich die Gründung des Kreisverbandes nicht mehr auf den Tag genau rekonstruieren lässt. Wir können aber gesichert davon ausgehen, dass der Kreisverband Diepholz im Jahre 1947 gegründet wurde, sodass er in diesem Jahr 70 Jahre alt wird.

Steigt die Zahl der Mitglieder im Kreisverband?

Hartwig: Ja, sie steigt seit Jahren kontinuierlich. Aktuell haben wir 10 570 Mitglieder, Anfang des Jahres waren es 10 374.

Aus welchem Grund schließen sich die Menschen dem SoVD an?

Hartwig: Wir sind da, wenn Menschen Hilfe brauchen. Das gilt für unsere Profis in den Beratungszentren, aber auch für die vielen Ehrenamtlichen in den Ortsverbänden. Wir sind eine starke Solidargemeinschaft. Wir kämpfen für unsere Mitglieder – auch gegenüber der Politik.

Die Zahl der Menschen, die ihre magere Rente durch Grundsicherung aufbessern müssen, steigt spürbar. Krankt unser Rentensystem?

Hartwig: Ja, das tut es. Es gab gravierende Eingriffe in das Rentensystem mit dem Paradigmenwechsel von der Lebensstandardsicherung zur Beitragssatzstabilität und den vielen Kürzungsfaktoren und Absenkung des Rentenniveaus im Zuge der Einführung der Riester-Rente. Wir glauben: Das Drei-Säulen-Modell aus gesetzlicher Rente, Riester-Rente und Betriebsrente ist gescheitert. Gerade diejenigen, die auf eine zusätzliche Absicherung angewiesen wären, können sich die Riester-Rente nicht leisten.

„Wertschätzung vor Wertschöpfung“ – das war die Quintessenz aus der Veranstaltungsreihe „Armut in einem reichen Land“, an der sich auch der SoVD beteiligt hat. Mischen Sie sich in diesem Sinne in den Bundestagswahlkampf ein?

Hartwig: Ja, wir mischen uns weiter ein – auch in den Bundestagswahlkampf. Solidarität und soziale Gerechtigkeit müssen im Mittelpunkt des Handelns von Staat, Gesellschaft und Wirtschaft stehen. Wir treten dafür ein, Verteilungsgerechtigkeit herzustellen. Einkommen und Vermögen in Deutschland sind mit dem Ziel umzuverteilen, Ungleichheit und Armut zu überwinden. Der private Reichtum muss stärker zur Finanzierung der öffentlichen Daseinsvorsorge herangezogen werden.

Zurück zu den Menschen unter 30 Jahren. Wie wird ihre Rente einmal aussehen?

Hartwig: „Den“ Menschen unter 30 Jahre gibt es nicht, das ist ein bisschen wie Lesen in der Glaskugel, weil es so viele verschiedene Erwerbsbiografien gibt. Versprechen kann ich nur: Der SoVD tut alles dafür, dass sie gut aussehen wird und den Lebensstandard sichern wird. Geht es nach uns, sind Rentner 2037 nicht mehr auf Grundsicherung angewiesen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Hartwig: Eine Politik, die zu einem solidarischen Ausgleich zwischen denen, denen es finanziell gut geht, und denen, die in unserer Gesellschaft – aus welchen Gründen auch immer – benachteiligt sind und Unterstützung benötigen, zurückkehrt.

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