Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen: Einiges wird bereits getan – und doch ist noch viel mehr zu tun

„Ich habe überhaupt kein Leben mehr“

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Drei Flaggen machten auf den Internationalen Aktionstag aufmerksam.

Von Frank Jaursch. Die Flaggen, die sonst an den Fahnenmasten vorm Syker Rathaus wehen, hatten am Mittwoch eine Auszeit: In drei Sprachen wehten am „Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ die Banner der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes auf dem Rathausplatz.

Den internationalen Aktions- und Gedenktag nahm Sykes Gleichstellungsbeauftragte Kathrin Stern zum Anlass für ein ebenso vielschichtiges wie informationsreiches Pressegespräch.

In großer Runde umrissen Vertreterinnen verschiedener Einrichtungen und unterschiedlicher Herkunft, was es an Problemen zu bewältigen gibt – aber auch, welche Angebote es für Frauen gibt, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind.

Erschreckende Zahlen, vorgetragen von Renate Bühn (Mädchenkulturhaus Zebra Orange), veranschaulichen das Ausmaß der Gewalt an Frauen: Rund 13 Millionen Frauen, so ergab eine Befragung, erfahren pro Jahr akut körperliche Gewalt. Geschätzte 3,7 Millionen werden Opfer sexueller Gewalt.

Die Zahlen stammen von der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte. Sie schätzt, dass EU-weit ein Drittel aller Frauen in ihrem Leben Gewalterfahrungen ertragen musste. Und das, obwohl laut der Charta der Grundrechte der EU die Würde des Menschen unantastbar, zu achten und zu schützen ist.

Die Zahlen klingen bereits gewaltig. Bestürzend. Doch erst durch Fälle in der eigenen Umgebung erhalten sie eine neue Dramatik. „Jeder kennt Betroffene“, ist sich Bühn sicher.

Liane Brockmann, Mitglied im Syker Integrationsbeirat, beschreibt einen Fall von körperlichem und sexuellem Missbrauch aus ihrem Bekanntenkreis. Eine Frau, seit neun Jahren verheiratet, erlebe seit der Hochzeit die Hölle. „Ich habe überhaupt kein Leben mehr“, gab Brockmann einen Satz der Frau wieder.

Eine ganz neue Herausforderung wartet mit der großen Zahl an Flüchtlingen auf die Beratungs- und Hilfseinrichtungen im Landkreis. Denn jene, die kommen, haben mitunter vollkommen andere Vorstellungen vom Wert der Frauen.

In Afghanistan zum Beispiel „ist das ganz, ganz schlecht“, berichtet Sarwgul Reza vom Integrationsbeirat. 70 Prozent der Frauen hätten dort so gut wie keine Rechte, würden gegen ihren Willen als Kinder mit alten Männern verheiratet oder gegen Vieh eingetauscht.

Mit diesen Vorstellungen kommen viele Flüchtlinge nach Deutschland. „Da müssen wir achtsam sein“, mahnt Marita Thiel-Wolf, „wir wollen die Rechte, die wir jetzt ansatzweise haben, behalten.“

Um die Rechte zu schützen und Opfern Hilfe und Unterstützung anzubieten, gibt es das Netzwerk gegen häusliche Gewalt im Landkreis Diepholz. Leiterin Doris Wieferich umriss das Spektrum an Angeboten: Das reicht vom Frauenhaus, in das Frauen bei akuter Bedrohungslage eine Bleibe finden, über die Online-Beratung für Kinder und Jugendliche und die Beratung nach polizeilichen Einsätzen bis zur Beratungsstelle für Frauen und Mädchen.

Im kommenden Jahr wird das Angebot um ein innovatives Element erweitert: In Gesprächen soll dann auch der Partner einbezogen werden. Das Netzwerk betritt hier Neuland. „Ziel ist es, beide Beteiligten wieder in die Kommunikation zu bringen“, erklärt Wieferich. „Das ist die einzige Chance, eine solche Situation zu ändern.“

Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind, haben rund um die Uhr Möglichkeit, sich an das bundesweite Hilfetelefon unter 08000/116016 zu wenden. Dort stehen auch Dolmetscherinnen zur Verfügung, zudem erfolgt von dort der Kontakt zu Einrichtungen im eigenen Landkreis.

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